• Wolkenstimmung, Liechtenstein
     (Tatjana Schnalzger)

Regionaler Tourismus zittert

Wer hätte das gedacht? Die Tourismusorganisationen buhlen um einheimische Gäste. Die Wertschätzung und die Angebote richten sich an Touristen, die eigentlich gar keine sind. «Mit dem Rucksack aus der Haustüre ins Naherholungsgebiet» könnte der Slogan heissen. So sieht es momentan auf den Almen und Hügeln der Region aus. Wanderlustige, so weit das Auge reicht. Seit die Restaurants wieder öffnen konnten, hoffen die Leistungsträger auf weniger prall gefüllte Provianttaschen und mehr Verpflegungspausen in den Hütten. Die Lebensader unserer Alpenregion sind aber ganz klar die Bergbahnen. Stehen sie den Sommer über still, braucht es keine Kristallkugel, um das Jahresergebnis vorherzusagen.

Liechtenstein Tourismus

«Liechtenstein von seiner unbekannten und vor allem facettenreichen Seite zeigen» – das hat sich Liechtenstein Marketing laut Renate Bachmann für die Sommersaison 2020 vorgenommen. Das Fürstentum habe so viel zu bieten, sagt die Bereichsleiterin Tourismus, dass es sich selbst für Liechtensteiner lohne, das eigene Daheim genauer zu erkunden. Entsprechend bilden sie zusammen mit den Einwohnern der Schweiz auch jene Kundengruppe, die in einem ersten Schritt angesprochen werden soll. Anschliessend werde dann auch der Grossraum München bespielt, so Bachmann. Im Fokus der Kampagnen, die im Zuge dessen vorbereitet wurden, stehen vor allem Familien, Outdoorbegeisterte und Geniesser. Gerade das Berggebiet Malbun stelle für diese Zielgruppen «eine Topdestination» dar, ist Bachmann überzeugt. «Dort lässt sich die Natur noch abseits vom Massentourismus erfahren und erleben.» Signifikante Preissenkungen als zusätzliches Lockmittel sind in den Augen der Tourismusexpertin perspektivisch betrachtet der falsche Ansatz. «Wir wissen aus der Vergangenheit, dass es schwierig ist, den Preis im Markt später wieder anzuheben.» Ohnehin sieht sie das Land in dieser Hinsicht schon gut aufgestellt: «Liechtenstein war bereits im vergangenen Sommer preislich sehr attraktiv im Vergleich zu den umliegenden Destinationen.» Dass der Wettbewerb in diesem Jahr «extrem hart» wird, steht für Bachmann ausser Frage. «Im gesamten Rheintal, der Ostschweiz und dem Bodenseeraum buhlen wir alle um die ähnlichen Gästesegmente.» Gleichwohl hat sie zumindest einige positive Signale wahrgenommen. Für Malbun zeichnet sich im Juli und August demnach eine «ganz passable Auslastung» der Hotellerie ab. «Schlechter» ist es nach ihrem Dafürhalten um die Situation im Tal bestellt, wo durch die Corona-Pandemie der Grossteil der Businessgäste weggefallen ist. (bo)

 

Appenzellerland Tourismus

Wenn das Fernweh dennoch packt, reist man für drei Übernachtungen in einem Hotel im Appenzellerland gratis mit dem öffentlichen Verkehr an, verrät Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus. Die Aktion ist brandneu und wurde bereits von Gästen aus Genf gebucht. «Selbstverständlich gilt das Paket auch für Besucher aus Liechtenstein», versichert Buob auf Nachfrage. Etwas schmunzeln musste er schon und meinte: «Eigentlich wäre das ja Ausland, oder doch nicht?» Mit dem Zollvertrag, befreundete Nachbarn und assoziiert, könnte man sagen. «Gut, das lassen wir gelten», bestätigt er mit dem unverkennbaren Appenzeller Lachen. Das Land hinter den sieben Bergen, mit den sieben Dialekten – oder sind es mehr? – lädt diesen Sommer ein, Ferien «dahäm» zu machen. Die Sprache ist offiziell Deutsch, reden Einheimische miteinander, versteht man jedoch selten alles. Das tut der Gastfreundschaft keinen Abbruch: «Pack dis Göfeli» und vergnüg dich im Alpstein, lädt Guido Buob insbesondere Familien ein. (nsb) 

 

Heidiland Tourismus

Flexibel bleiben in der Planung der Sommer-Kommunikation muss man laut Adrian Pfiffner, Leiter Unternehmenskommuni­kation, in der aktuellen Situation auch bei Heidiland Tourismus. Froh sei man, dass es in bestimmten Bereichen wie der Gastro­nomie, bei Museen oder Wellness-Einrichtungen in Hotels bereits zu ersten Locke­rungen kam. «Nun warten wir wie die gesamte Branche hoffnungsvoll auf die Entscheide des Bundesrates bezüglich weiterer Locke­rungsschritte», führt er aus. Der 27. Mai sei diesbezüglich ein wichtiges Datum, weil da bekannt werde, was ab dem 8. Juni touristisch etwa bei den Bergbahnen wieder möglich sei. Unabhängig davon plane man auch bei Heidiland Tourismus im Hintergrund Massnahmen, um der touristischen Nachfrage zu einem geeigneten Zeitpunkt wieder gezielte Impulse zu verleihen. Im Gegensatz zu den grossen Tourismusregionen wie dem Wallis oder dem Tessin würden dabei konkrete Aktivierungsmassnahmen anstelle grosser Imagekampagnen im Fokus stehen. (nsb)  

 

Pizol

Am Pizol wären für den Sommerbetrieb alle bereit, sagt Tanja Hengartner von den Pizolbahnen. Auch sie würden gespannt den Entscheid des Bundesrates abwarten und dann hoffentlich die Pizolbahn wieder laufen lassen. In der Zwischenzeit haben die Pizolbahnen ein kreatives Angebot auf Pardiel geschaffen und für den Bergfrühling einige Tourenvorschläge zusammengestellt. «Wer nicht zu Fuss hinaufwandern möchte oder kann, hat die Möglichkeit ein Upgrade zu buchen», erklärt sie. Im Sorglos-Paket inbegriffen sei der Transport ab der Talstation in Bad Ragaz sowie auf Wunsch die Halbpension im Panoramarestaurant. Mit zusätzlich angepassten Annulationsbedingungen würden die Pizolbahnen ihren Gästen eine Auszeit im Alpenpanorama abseits von Hektik und Stress ermöglichen und kämen daneben schon fast einem Hotelangebot gleich. (nsb)  

 

Flumserberg

Bei den Bergbahnen Flumserberg tönt es unisono: «Wir hoffen, dass der Bundesrat die Bergbahnen wieder öffnet und würden ab dem 13. Juni mit dem Sommerbetrieb starten», sagt Katja Wildhaber, Marketing-Leiterin bei den Bergbahnen Flumserberg. Aktuell sei die Unsicherheit, wie und in welchem Rahmen der Sommerbetrieb aufgenommen werden könne, sehr gross, führt sie aus. Am Flumserberg stehen zurzeit sechs Bahnen still. Der Ausfall wäre übers Jahr gesehen enorm. Selbst mit einem angepassten Schutzkonzept kommt man niemals an die budgetierten Umsätze heran, dennoch wäre die Wiedereröffnung der Bergbahnen ein grosser Tropfen auf den heissen Stein, zumal auf diese Saison ein Bergjet mit Panoramagondel die Gäste auf den Maschgenkamm brächte. Gleichzeitig würde auch die Rodelbahn und der Kletterturm wieder in Betrieb genommen werden. Die Angebote ziehen viele Familien an, die sich gerne in den Restaurants verpflegen oder sich mit den Grosseltern am Berg treffen. Für sie ist die Möglichkeit, den einen oder anderen Weg in der Gondel bewältigen zu können, entscheidend.  (nsb) 

 

Toggenburg Tourismus

Eingebettet zwischen dem Säntis und den sieben Churfirsten liegt das Toggenburg wie die anderen Tourismusdestinationen der Region im Dornröschenschlaf. Ohne die Bergbahnen fehlt der beliebten Familiendestination in der Ostschweiz ihre Lebensader. Christian Gressbach, Geschäftsführer Toggenburg Tourismus, hat bis jetzt nur vom Toggenburg schwärmen können: «Heute träumen, morgen reisen», lautete der Slogan. Seit der Öffnung der Restaurants sei wieder etwas Leben in der Region eingekehrt, dennoch seien die Bergbahnen für einen erfolgreichen Sommertourismus extrem wichtig, führt er aus. Aktuell würde nicht nur auf den Entscheid des Bundesrates gewartet, sondern man sei auch proaktiv mit dem Kanton in Verhandlungen: «Wir erhoffen uns zusätzliche Mittel für unsere Kampagnen», führt er aus. Dabei gehe es insbesondere um eine gezielte Lenkung und Steuerung der Gäste im Gebiet. «Wir nehmen die Schutzmassnahmen sehr ernst», führt er aus. Keiner wolle nach den Sommerferien wieder mit den eben erst gelockerten Einschränkungen leben müssen. Der Krise gewinnt er auch eine Chance ab: «Wir haben die Gelegenheit, neue Gäste aus der Region und der ganzen Schweiz bei uns begrüssen zu dürfen.» Es gelte nun, diese als Stammkunden zu gewinnen. (nsb)    

22. Mai 2020 / 11:34
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