Online-Dating: «527 Mitteilungen bis zum ersten Date»

Facebook hat diese Woche seinen Online-Dating-Service in den USA gestartet. Eine Liechtensteinerin erzählt, wie sie ihren jetztigen Mann über «Badoo» kennenlernt.

Das Geschäft mit der Liebe hat im Internet Hochkonjunktur. Wie eine Studie des Portals Singleboersen-Vergleich.ch zeigt, hat die Branche im vergangenen Jahr einen neuen Umsatzrekord erzielt und dabei 41 Millionen Franken erwirtschaftet. So viel lassen sich Schweizer ihr Liebesglück kosten. Der Umsatz stieg im Jahr 2007 nach einem ersten Boom sprunghaft an und hat sich zwar verdoppelt, seit 2015 verlangsamt sich das Wachstum in der Schweiz und anderen europäischen Ländern aber. Die Hälfte des Umsatzes in der Schweiz steuern die grossen, aber hochpreisigen Partnervermittlungen wie Parship oder ElitePartner bei. Das digitale Gesamtangebot von Parship hatte im August 2019 rund 950 000 Unique User. Wie viele davon in der Schweiz und Liechtenstein leben, das will Parship auf Anfrage nicht preisgeben. Informationen bietet das Unternehmen nur über eine repräsentative Umfrage, welche der Online-Kuppler in der Schweiz unlängst durchgeführt hat. Demnach finden die Ostschweizer, dass sich sich die Partnersuche durch digitale Medien verändert hat – mit dem Ergebnis von immer kurzlebigeren Partnerschaften. International wird sich das Wachstum fortsetzen: Analysten schätzen, dass Online-Dating im Jahr 2020 ein 12 Milliarden US-Dollar schweres Geschäft sein wird. 

Facebook will mitmischen

Über 300 Millionen Menschen weltweit werden demnach in Sachen Liebe lieber auf das Internet setzen, als die Partnersuche dem Zufall zu überlassen. Eine gute Ausgangslage für Facebook. Dass ausgerechnet dieses Unternehmen in den Markt vorstossen will, ist kein Zufall. Immerhin bietet es ja bereits Freundschaften im Netz. Wer das neue Angebot nutzen will, muss die Funktion für das eigene Profil freischalten und sein Dating-Profil einrichten. Das soziale Netzwerk schlägt dann andere Nutzer vor, die auch auf Partnersuche sind. Freunde und die grosse Liebe online zu finden – oder zumindest einen Lebensabschnittspartner – das geht für Facebook also künftig Hand in Hand. Der Vorteil von Facebook ist die immense Nutzerbasis von 2,2 Milliarden Menschen, die jeden Monat die App anwählen. In Europa gibt es den Service noch nicht. Dennoch kann sich die Region nicht vor diesem Trend verschliessen. 

Weniger Zeit verlieren

Ein Beispiel ist Isabell Rüdt-Robert, die in Liechtenstein aufgewachsen ist. Auf badoo.com loggte sie sich im Jahr 2011 unter dem Pseudonym «Irma La Dolce» das erstes Mal auf der Plattform, die in England gegründet und von Unternehmer Andrey Andreev entwickelt wurde, ein. Damals waren 114 Millionen Nutzer registriert. Eigentlich wollte die Journalistin nur einen Selbstversuch wagen für eine Reportage. Die These: Flirt-Plattformen im Internet bringen nichts. «Ich habe nicht ernsthaft geglaubt, dass ich jemanden kennerlerne.» Sie beschliesst, den virtuellen Katalog nach ihrem Wunschobjekt zu durchsuchen. Bei der «Erweiterten Suche» kann sie ganze drei Kriterien auswählen. Sie wählt: «Single – akademische Ausbildung – schlank» und gibt einen Suchradius von 100 Kilometer ein. Sie findet: Saro, 38, Zürich. 527 schriftliche Mitteilungen sollte es dauern, bis sie zum ersten Mal miteinander telefonieren, um ein Treffen zu vereinbaren. An einem Sonntagnachmittag treffen sie sich schliesslich. Stundenlang unterhalten sie sich, vergessen die Zeit.

Liebe auf den ersten Blick sei es zwar nicht gewesen an diesem Nachmittag in einem St. Galler Café, doch auf der Rückfahrt im Auto, alleine, habe es dann doch «Klick» gemacht. Heute ist mit ihrem Online-Date verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Zürich. Rüdt-Robert hat auch in ihrem Freundeskreis Paare, die sich im Internet kennenlernten. Eine Freundin aus Zürich hat daraus sogar ein Geschäftsmodell gemacht: Sie hat das Start-up «Pepshot» gegründet und bietet Profil-Fotos und Storytelling für Online-Dating-Seiten, aber auch für Social Media. Für Rüdt-Robert liegt der Vorteil der Partnersuche im Netz auf der Hand. «Singles können viel zielgerichteter suchen und verlieren so wenig Zeit.» 

Das Geschäftsmodell
Die Seite «Badoo» finanziert sich übrigens über ein Modell, wonach Basisfunktionen der Kontaktaufnahme kostenlos sind, optimierte Suchfunktionen inzwischen aber kostenpflichtig. Der Markenwert: 3,3 Milliarden US-Dollar, 150 Millionen nutzen die Flirt-Plattform weltweit. Der Platzhirsch international ist die Match-Gruppe, der rund ein Drittel des Marktes gehört. Die älteste Marke der Match-Gruppe ist Match.com, gegründet 1995 und eine der ersten Dating-Seiten im noch jungen Internet der 1990er-Jahre. Rund zwanzig Jahre später ist das Internet mobil, und so ist nun das stärkste Zugpferd Tinder. Die Match-Gruppe dürfte aufgrund des Netzwerkeffekts auch weiter wachsen. (dal)

 

09. Sep 2019 / 09:57
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