• VPBank - 2020
    Thomas Meier ist der neue Verwaltungsratspräsident der VP Bank.  (Roland Korner / Close Up AG)

«Mein Ziel sind 100 Millionen Franken»

Thomas Meier steht neu an der Spitze des Verwaltungsrates der VP Bank. Der ehemalige Julius-Bär-Manager ist ein Asienkenner.

Thomas Meier, der ehemalige Asienchef der Julius Bär hat an die Spitze der VP Bank gewechselt. Er tritt seinen Posten als Verwaltungsratspräsident in einer Zeit an, die keine einfache ist. Fast 80 Prozent der Mitarbeiter wechselten ins Homeoffice, die Märkte spielten verrückt und persönliche Treffen mit den Kunden mussten auf unbestimmte Zeit vertagt werden. «Für unsere Bank gleichen die vergangenen Monate einem Assessment-Center», sagt er. In solchen Zeiten offenbarten sich die Risse und die Schwachstellen eines Unternehmens, die Untiefen einer Bank – aber auch ihre Agilität. Im Verwaltungsrat sitzt Meier bereits seit zwei Jahren, das Terrain ist für ihn daher nicht neu. Doch bei der Bank kam es in den letzten Jahren zu einigen Veränderungen: Der langjährige CEO Alfred A. Moeckli trat überraschend ab und der Verwaltungsrat wurde teil-weise neu besetzt.

«Wir wollen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen»
Meier ist mit der Strategie angetreten, den Gewinn auf 100 Millionen Franken zu steigern. «Wir wollen eine bestimmte Grösse erreichen, um unser Schicksal selbst in der Hand zu haben und um nicht von jedem Windstoss umgeworfen zu werden», betont er. Die Richtung ist klar, nur in Hinblick auf die Zeitachse hat der erfahrene Banker in der Zwischenzeit Zweifel. Die Strategie stammt noch aus der Zeit vor Covid-19, wonach er die 100-Millionen-Hürde bereits im Jahr 2025 überspringen wollte. «Die Verwerfungen sind aber riesig: Neun Billionen an zusätzlichen Schulden, mit denen die USA zum Beispiel rechnen, oder 135 Milliarden Franken an volkswirtschaftlichen Schaden, der in der Schweiz entsteht», fasst er zusammen. Arbeitslosigkeit, Konkurse und damit hohe Kosten für Sozialleistungen kommen auf die Staaten zu. Die Schere zwischen arm und reich werde sich vergrössern und soziale Fragen verschärfen. «Das volle Ausmass der Krise werden wir aber erst in einem Jahr sehen», ist er überzeugt. Ausblenden könne er diese Faktoren nicht, dennoch konzentriert er sich auf die Strategie der Bank. Meier gilt in der Branche als einer der besten Asienkenner, der über 20 Jahre lang für den Aufbau des Asiengeschäfts bei Schweizer Grossbanken verantwortlich zeichnete. 1996 verliess er für die Credit Suisse die Schweiz zum ersten Mal, seine drei Töchter sind in Singapur aufgewachsen. Danach ging es nach Hongkong und über einen kurzen Abstecher in Luxemburg wieder zurück in die Schweiz. 2008 sollte er für Julius Bär wieder nach Asien umziehen, um den Wachstumsprozess vor Ort zu begleiten, doch seine Töchter waren wenig begeistert. So pendelte er 8 Jahre lang, verbrachte drei Wochen auf der anderen Seite des Globus und eine Woche in der Schweiz. Beruflich kreisten die Gedanken jahrelang um den Wachstumsmarkt China. Ein jährliches BIP-Plus von 6,5 Prozent, das einem Volumen von 750 Milliarden Dollar entspricht, sowie rasch wachsende Privatvermögen und der potenzielle Ertrag wirkten laut Meier durchaus «blendend». Dennoch ist er in all der Zeit in Asien nie «onshore» gegangen, wie er sagt. «Diesen Schritt muss sich ein Institut gut überlegen, vielfach herrschen falsche Vorstellungen vom Markt.» Aus diesem Grund setzt er bei der VP Bank weiterhin auf Partnerschaften, wie mit der Hywin Wealth Management in China. Der etablierte Vermögensverwalter mit 149 Niederlassungen in 72 Städten und 50 000 Kunden soll der Bank helfen, stärker in China Fuss zu fassen. Asien hat sich zuletzt als ein wichtiger Neugeldlieferant für die VP Bank erwiesen – und mit dem Joint-Venture soll das Wachstum bald noch mehr an Fahrt gewinnen. Thomas Meier dürfte für die neuen Märkte ein Türöffner sein. So begleitet er sogar Bankberater auf ihren Kundenterminen und genau das ist für ihn matchentscheidend – dass sich ein Kunde mit dem Chairman und dem CEO treffen kann.

Eine Übernahme in Asien schliesst er dabei für den Strategiezyklus bis ins Jahr 2025 eher aus. «Natürlich muss man Zukäufe immer auf dem Radar behalten und mit finanziellen Mitteln parat dafür sein», betont Meier. Eine Akquisition sei aber nur dann sinnvoll, wenn sich Synergien nutzen lassen und sich ein neues Unternehmen gut integrieren lässt. Durch neue nachhaltige Anlagelösungen und vereinfachte Preismodelle erhofft sich die Bank bis 2025 zusätzliche Einnahmen in der Höhe von 30 Millionen Franken. Zudem will sie Neugelder von mindestens 4 Prozent der Kundenvermögen (AuM) anziehen, die momentan bei 47,6 Milliarden Franken liegen. Erreichen will er das alles zusammen mit dem neuen CEO, Paul Arni. Weil der Schweizer ebenfalls bei Grossbanken wie Julius Bär tätig war, kennen sich die beiden von früher. Das sieht Meier als grossen Vorteil, denn es brauche gegenseitiges Vertrauen. Während Arni nach Vaduz gezogen ist, pendelt Meier seit Mai an drei Tagen pro Woche nach Liechtenstein. Das Land ist der Heimmarkt und deshalb will er sich Zeit nehmen, sich mit den Akteuren auseinanderzusetzen.

«Ich wollte etwas spüren und anfassen»
Wenn Thomas Meier nicht in seiner Funktion als Kontrollorgan und Stratege bei der VP Bank waltet, dann verbringt er viel Zeit auf seinem Weingut in Portugal. Hier packt er mit an, stutzt Rebberge und hilft bei der Weinlese. «Da die Finanzwelt etwas Abstraktes ist, hatte ich das Bedürfnis, etwas zu spüren und etwas anfassen zu können», sagt er. Viel Zeit wird der neue Verwaltungsratspräsident beruflich in Asien verbringen, in Singapur, China und Hongkong zum Beispiel – bei neuen potenziellen Kunden. Und vielleicht kann es dann mit den neuen Zielen klappen. Für den Strategiezyklus bis 2020 hatte sich die VP Bank drei strategische Ziele gesetzt, und zwar 50 Milliarden Franken betreute Kundenvermögen, 80 Millionen Franken Konzerngewinn und ein Kosten-Ertrags-Verhältnis unter 70 Prozent. Zwei davon verpasste die Liechtensteiner Bank aber. (dal)

29. Mai 2020 / 12:23
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Lova Center
Zu gewinnen einen Lova Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken.
25.06.2020
Facebook
Top