• Grundeinkommen in Liechtenstein geplant: Beim Projekt von Stephan Gstöhl soll das Geld über das Crowdfunding beim  Ideenkanal zusammenkommen.
     (Grundeinkommen in Liechtenstein geplant: Beim Projekt von Stephan Gstöhl soll das Geld über das Crowdfunding beim Ideenkanal zusammenkommen.)

Liechtensteiner will Grundeinkommen testen

Stephan Gstöhl will in Liechtenstein einen kleinen Feldversuch zum Grundeinkommen starten. Ein Mann und eine Frau sollen ein Jahr lang 3000 Franken im Monat bekommen – finanziert durch Crowdfunding.

Geld fürs Nichtstun? Wenn diese Frage im Zuge des bedingungslosen Grundeinkommens auftaucht, schwingt meist ein leiser Unterton mit. Viele stehen dem Gedanken kritisch gegenüber. Doch für den Vaduzer Stephan Gstöhl ist die Zeit und die Gesellschaft reif, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Er ist überzeugt: Das bedingungslose Grundeinkommen würde auf einen Schlag zahlreiche Probleme lösen und spielt damit auf die steigenden Gesundheitskosten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, den Elternurlaub oder etwa die Altersvorsorge an. «Das Grundeinkommen kommt gesamtgesellschaftlich nicht teurer», ist der Liechtensteiner überzeugt. Man wisse, dass bestimmte Systeme nicht funktionieren – auch die AHV wird langfristig nicht funktionieren. Zu schwer wiegt bekanntlich der demografische Wandel auf das System. Durch ein bedingungsloses Grundeinkommen werden die Kosten einfach verlagert, ist Gstöhl überzeugt. Gleichzeitig erwachsen auf dieser grünen Wiese eine Vielzahl von Chancen und neuen Perspektiven. «Die Menschen hätten Zeit für andere Dinge, wie Weiterbildung, sie könnten die Pflege ihrer Eltern übernehmen oder sie könnten sich selbstständig machen».

Finanzierung durch Crowdfunding

Was passiert, wenn zwei Menschen ein Jahr lang zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse nicht arbeiten gehen müssen? Genau das will Gstöhl mit seinem Projekt, das er beim Liechtensteiner Ideenkanal eingereicht hat, nun beobachten. Er möchte diese zwei Menschen begleiten und ihre Geschichte erzählen. Gründen sie vielleicht ihr eigenes Unternehmen? «In Liechtenstein wohnhafte Personen können sich darauf bewerben», so der Plan von Gstöhl. Sein Ziel wäre es, dass eine Jury in einer ersten Runde eine Vorauswahl trifft und schlussendlich per Losglück entschieden wird. «Ich stelle mir dabei 3000 Franken monatlich vor, um die Lebenshaltungskosten decken zu können und keine Existenzängste haben zu müssen». Doch noch ist das Projekt nicht ganz spruchreif. Erst während des Ideencamps wird die Idee konkretisiert. Von den 20 Ideen kommen beim Ideenkanal im Januar nur zehn weiter. Doch Stephan Gstöhl ist zuversichtlich. In Liechtenstein hat sich Anfang des Jahres rund um Stephan Gstöhl auch eine neunköpfige Arbeitsgruppe formiert, die ein konkretes Konzept ausarbeitet, um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) möglicherweise auch in Liechtenstein einzuführen. Vor allem geht es der Gruppe aber darum, Grundlagen für eine ernsthafte Diskussion zu schaffen. Weg von der einen philosophischen, sozialen Betrachtung – hin zu klaren Daten, Fakten und Zahlen. «Wir schauen zum Beispiel die Beschäftigungsstatistik genau an, die Medianlöhne im Land, aber auch die Finanzströme der Landesrechnung. Bei der Diskussion um das BGE scheiden sich die Geister. Vor allem die Finanzierung machte einigen Projekten eine Strich durch die Rechnung. Zuletzt geschehen in der Schweiz. Das Dorf Rheinau im Zürcher Weinland sollte 2019 für ein Jahr zum Testlabor für ein bedingungsloses Grundeinkommen werden. 6,1 Millionen Schweizer Franken mithilfe von Crowdfunding wollten die Initianten bis zum Stichtag, den 4. Dezember, sammeln. Es kamen bis dahin aber nur 150 000 Franken zusammen. 

Im Jahr 2016 hat die Schweiz sogar über eine Einführung des BGE abgestimmt –immerhin ein Fünftel der Bevölkerung hat Ja gesagt. Auch hier war die Finanzierung ein Kernproblem. Ende Jahr startet nun der nächste Versuch, der in diesem Punkt nachbessert. Idee dieser Initiative ist eine Mikrosteuer, die auf sämtlichen bargeldlosen Zahlungen erhoben werden soll. Stephan Gstöhl ist überzeugt, dass die Finanzierung eines BGE kein Problem darstellt. Den Beweis dafür muss er noch bringen, doch er arbeitet hart an dem Projekt. Die Arbeitsgruppe arbeitet verschiedene Varianten des bedingungslosen Grundeinkommens aus und überprüft deren Finanzierung. Im Laufe des nächsten Jahres soll das konkrete Konzept der Regierung vorgestellt werden. 

Zur Sprache bringen

Wichtig ist Stephan Gstöhl mit beiden Projekten vor allem eines: Eine Diskussion in Gang setzen. Nur wenn der Gedanke auch in der Gesellschaft ankommt, habe das Grundeinkommen eine Chance. Für Gstöhl wäre es auch wichtig, sich jetzt damit zu beschäftigen und nicht erst dann, wenn die Hälfte der Menschen durch die Digitalisierung ihren Job verliert. Liechtenstein wäre zudem prädestiniert dafür, die Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens zu testen.
«Erbringt erst ein Land den Beweis, dass das bedingungslose Grundeinkommen viele gesellschaftliche Probleme löst, werden ganz schnell andere Länder folgen.» Dadurch könnte das Land eine Vorreiterrolle einnehmen und neue Möglichkeiten schaffen für die Zukunft. (dal)

14. Dez 2018 / 17:46
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