• Austria Gold Philharmonic Coin with Silver Bars in Background
    «In gold we trust»: Der Ansturm führte teils dazu, dass physisches Gold ausverkauft war.  (Nicholas Wright)

Liechtensteiner im «Goldrausch»

Banken verzeichnen eine gestiegene Nachfrage nach Gold. VP-Bank-Analyst Jérôme Mäser erklärt, ob Sparer umschichten sollten.

Gold gilt als Krisenwährung. Für viele ist es ein Anlagerefugium angesichts  der Angst vor einem Bankencrash, einem Krieg oder einem Ereignis, das die Weltordnung auf den Kopf stellt. In Krisenzeiten steigt die Nachfrage schnell – auch in Liechtenstein. Wie ­Jérôme Mäser als Analyst der VP Bank erklärt, sei diese in den vergangenen Wochen explodiert. Für die klassische Philharmoniker-Münze aus Österreich kam es sogar zu Lieferschwierigkeiten, Goldbarren waren zeitweise im April überhaupt nicht erhältlich. Das lag auch daran, dass die vier weltgrössten Raffinerien im Tessin nahe der italienischen Grenze liegen und die Produktion lange stillstand.

Wird der Goldpreis weiter steigen?
Ob physisches Gold oder nur auf dem Papier: Corona hat den Preis des Edelmetalls kräftig in die Höhe getrieben. Der Preis stieg bis Mitte April vor dem Hintergrund der weltweiten Corona-Pandemie deutlich. Seither schwankt der Goldpreis jedoch zum Teil kräftig. Ist der Sturm vorüber und sinkt der Preis nun wieder? Eine Antwort auf diese Frage hat der VP-Bank-Analyst Mäser. «Dank der von den Zentralbanken zur Verfügung gestellten Liquidität und der ersten Lockerungsmassnahmen der Regierungen hat sich die Stimmung an den Börsen wieder klar verbessert. Dadurch ist das Aufwertungspotenzial vorerst limitiert», sagt der Experte.

Die Lage sei fragil, die wirtschaftlichen Folgen sind weiterhin ungewiss und die Stimmung könnte schnell auch wieder kippen. Dann wäre Gold als sicherer Hafen wieder gesucht. Für Anleger im Goldrausch stellt sich auch immer die Frage, wann der Preis eine magische Hürde überspringt. Analysten der UBS sind zum Beispiel derzeit überzeugt, dass der Goldpreis die Marke von 1800 US-Dollar je Unze bald knacken wird. «Gold dürfte zur Risikoreduzierung bei den Anlegern hoch im Kurs bleiben», doch es habe sich laut Mäser in den letzten zwölf Monaten bereits um ein Drittel verteuert.

«Deshalb liegt unser Preisziel auf Sicht der nächsten sechs bis neun Monate mit 1600 bis 1750 Dollar je Unze etwas tiefer», erklärt Mäser weiter. Das aktuelle Umfeld weckt das Interesse von verschiedensten Anlegern. «Während wir von Spekulationskäufen abraten, erachten wir Gold im Portfolio als attraktive Beimischung, um Finanzmarktrisiken zu reduzieren.»

Dabei stellt sich die Frage, ob Gold physisch gekauft werden sollte oder ob börsengehandelte Indexfonds (ETF), deren Gegenwert mit physischem Gold gedeckt sein muss, ideal sind. Neben dem Metallkonto seien laut Mäser die kostengünstigste und einfachste Variante ETFs oder ETCs. Für den Kauf von physischem Gold fallen hingegen zusätzliche Kosten wie Barrenzuschlag, Lieferspesen und Verwahrungskosten an. Ausserdem werden besonders Münzen zumeist zu Preisaufschlägen, die abhängig von Herstellung, Distribution und Nachfrage teils stark variieren können, gehandelt. Der Ansturm auf Goldhändler führte teils dazu, dass physisches Gold im Einzelhandel ausverkauft war. «Am Ende liegt die Entscheidung beim Anleger selbst, wie stark die emotionale Bindung zum Gold besteht», sagt Mäser. Wie andere Rohstoffe unterliegt auch das Gold dem Nachfrage- und Angebotsmechanismus. Je mehr Anleger sich an einem Markt beteiligen, desto liquider der Handel und fairer der Kurs.

Eignet sich Gold für Kleinanleger oder Kleinsparer?
«Da Gold keinen laufenden Ertrag erwirtschaftet, eignet es sich nicht als Ansparlösung», sagt Mäser. Aber auch Kleinanleger sollten nicht alles auf eine Karte setzen und auf eine Beimischung von Gold achten. Dabei muss Gold auch nicht direkt gehalten werden, sondern kann zum Beispiel Teil eines Strategiefonds sein. Auf einige Risiken sollten Anleger aber achten. Zum einen seien es die versteckten Kosten, die bei gewissen Goldprodukten anfallen können, und zum anderen der Glaube eine grosse Rendite zu erzielen. Da der Goldpreis von verschiedensten Faktoren – wie der Schmuckindustrie, den Zentralbanken, den Zinsen, dem US-Dollar und Spekulanten – getrieben werden kann, sollte man mit diesen Mäser zufolge vertraut sein.

Gold funktioniere im Portfoliokontext wie eine Art Versicherung und sollte deshalb einen festen Platz in einem gemischten Portfolio haben. «Wenn es gebrannt hat, kommt niemand auf die Idee die Feuerversicherung zu kündigen. Wer einen hohen Anteil in Gold besitzt, kann einen Teil der Gewinne jetzt realisieren», sagt Mäser. Unterschiedlichste Rechnungen zeigen aber immer wieder, dass Aktien mehr Rendite bringen. (dal)

11. Mai 2020 / 13:14
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