Liechtensteiner Bank hatte Darknet-Millionär als Kunden

US-Behörden gelang vor zwei Jahren ein Coup bei der Bekämpfung von Darknet-Aktivitäten. Wie sich zeigte, hatte der Täter auch ein Konto in Vaduz. Darüber verschob der Kriminelle Millionen von Franken.
Bank Alpinum. 

Vor fast zwei Jahren trat das US-Justizministerium an die Öffentlichkeit mit einem grossen Fisch, der den Behörden ins Netz ging. Die grösste illegale Handelsplattform im Darknet wurde ausgehoben. Betrieben hat den Umschlagplatz für Waffen, Drogen und andere Substanzen der Kanadier Alexandre Cazes, der in Thailand lebte und sich dort in Sicherheit wähnte. Durch die Kooperation von sechs verschiedenen Staaten sowie Europol konnte er im südostasiatischen Land verhaftet werden. Die thailändischen Behörden beschlagnahmten sein Vermögen, seine Immobilien auf Antigua, Granada und Zypern sowie seine teuren Autos. Er hatte mindestens zehn verschiedene Bankkonten, vor allem in Thailand und ein Offshore-Konto bei der Loyal Bank in St. Vincent and the Grenadines. Sie galt über Jahre als letzte Anlaufstelle, wenn alle anderen Banken einen Kunden bereits abgelehnt hatten. Doch ein andere Bank nahm die Kundenbeziehung zu Cazes ebenfalls auf: Die Bank Alpinum in Vaduz. Das geht aus den öffentlich einsehbaren Akten des District Court of the Southern District of California hervor. 

Keine Auskunft von der Bank

«Wirtschaft regional» konfrontiert die Bank mit dem Fall. Doch mit Verweis auf das Bankgeheimnis könne man leider nichts dazu sagen, lässt der Head of Compliance ausrichten. Auch der CEO, Stephan Häberle, könne sich aus dem gleichen Grund nicht dazu äussern. Schuldig bleiben beide auch die Antwort auf die Frage, was die Bank seither geändert oder verbessert hat. 
Vonseiten der Finanzmarktaufsicht kommt nicht merklich mehr. «Die FMA nimmt Meldungen entgegen und unterzieht diese einer Prüfung», erklärt der Mediensprecher der Aufsichtsbehörde. Und weiter: «Die FMA erteilt keine Auskünfte zu eingegangenen Informationen und über bisherige oder zukünftige Massnahmen, die sie im Rahmen ihrer Aufsichtsfunktion ergreift.»  

Ein Konto in Liechtenstein

Drei Millionen US-Dollar hat Alexandre Cazes über das Liechtensteiner Konto geschleust. Zur Herkunft der Gelder gab der Kanadier an, er sei ein «Immobilien und Bitcoin-Investor». Er behauptete, das Geld stamme von seinem Konto bei der Zuger Firma Bitcoin Suisse AG. Als Zeugin unterschrieb Cazes Ehefrau. Der Bank reichte das offenbar aus. Das Geld wurde schliesslich beschlagnahmt. Davon wollte sich der Darknet-Millionär eigentlich eine zypriotische Staatsbürgerschaft zulegen. Die Mittelmeerinsel bietet das ganz legal an als eine Art «Citizenship by Investment Program». Zwei Millionen Euro an Investments in Immobilien auf Zypern sind dafür nötig. Gleichzeitig wollte er auch Staatsbürger der Karibikinsel Antigua werden. Sein Berater: Henly and Partners Cyprus. Die Kanzlei ist keine Unbekannte in der Szene, wird sie doch vom Züricher Juristen Christian H. Kälin geführt. Wofür Cazes die zusätzlichen Pässe benötigte, ist nicht bekannt. Die Gelder dafür stammten aber aus seinem Geschäft durch «Alpha-Bay». Ob diese Tatsache den Verdacht der Geldwäscherei erfüllt oder ob zumindest eine Verletzung bei den Sorgfaltspflichten darstellen könnte, will die Finanzmarktaufsicht ebenfalls nicht beantworten.  

Ein illegales E-Bay

Bevor die Seite Alpha-Bay im Darknet von der US-Justiz im Jahr 2017 vom Netz genommen wurde, waren weltweit 200 000 Nutzer und 40 000 Verkäufer auf der konventionellen 
E-Commerce-Seite registriert. Gelistet waren über 250 000 Produkte, wie illegale Drogen, toxische Chemikalien, illegale Waffen sowie über 100 000 gestohlene oder gefälschte Pässe sowie Ausweise. Eine Karriere als Hacker konnten Kunden von Alpha-Bay ebenfalls starten, indem sie Malware und andere Hacker-Tools oder Spyware in ihren Warenkorb legen konnten. Die illegalen Waren hat Cazes nicht direkt besorgt und verkauft, sondern sein Geld verdiente er über eine Verkäufer-Gebühr von zwei bis vier Prozent. Laut der «Hannoverschen Zeitung» konnte er so ein Vermögen von 21 Millionen Dollar anhäufen – mit nur 26 Jahren. Bezahlt haben die Kunden in Kryptowährungen. 

Unvorsichtiger Alexandre Cazes

Wie die Ermittlungen des FBI zeigen, gründete Cazes eine Firma names EBX-Technologies, die offiziell Web-Design anbot. Sie sollte seine illegalen Machenschaften decken und bei den Banken als Erklärung für die Herkunft seiner Millionen dienen. Er gründete sein Unternehmen bereits im Jahr 2008 mit nur 17 Jahren. Die Bankkonten der Firma zeigten laut US-Justiz keine, bis geringe Einnahmen oder Bewegungen. Dennoch stellte er sich vor Freunden und der Öffentlichkeit als junger Internetmilliardär dar. Schlussendlich wurde er auf Bitten der US-Behörden im Juli 2017 in Thailand verhaftet, wenige Tage später nahm er sich das Leben. 
Erwischen konnten ihn die Behörden nur, weil er sehr unvorsichtig vorging. Seine E-Mail-Adresse war auf der Startseite von Alpha-Bay zu finden und tauchte auch an anderen Stellen auf. Aus der Adresse ging nicht nur sein Name, sondern auch sein Geburtsjahr hervor. Die Behörden brauchten nicht lange, um den Inhaber der Hotmail-Adresse ausfindig zu machen und ihn als Admin von Alpha-Bay zu identifizieren – er nutzte die gleiche Adresse auch für sein Paypal- und sein Bankkonto. 

Es kehrt keine Ruhe ein

Besonders pikant ist der Fall für die betroffene Bank Alpinum. Sie sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Unruhe. Der Millionenbetrug eines leitenden Angestellten sorgte vor allem deshalb für Schlagzeilen, weil die Bank die Veruntreuung verheimlichen und intern lösen wollte. Nach einer schriftlichen Vereinbarung sollte der Betrüger das Geld zurückzahlen und dafür gebe es von der Bank keine Strafanzeige. Anders als von CEO Stephan Häberle öffentlich erklärt, deckte den Betrug nicht die Bank auf und überführte den Betrüger. Die Staatsanwaltschaft wurde aktiv.  Inzwischen ist der 46-jährige ehemalige Vizedirektor der Bank Alpinum zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hat er 13 Kunden der Bank um mindestens 10,5 Millionen Franken geschädigt. Dazu kamen Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz. In den letzten zwei Jahren mussten sich insgesamt drei ehemalige Mitarbeiter vor Gericht verantworten – wegen Betrugs, Geldwäsche oder Veruntreuung. (ags/dal)

22. Feb 2019 / 18:39
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