• Swarovski in Triesen
    Swarovski will trotz des angekündigten Stellenabbaus am Standort Triesen festhalten.  (Daniel Schwendener)

Kurzarbeit für die Hälfte der Swarovski-Mitarbeiter

Stagnierende Umsätze und bröckelnde Gewinne zwangen Swarovski bereits vor Corona zu Sparmassnahmen. Nun verschärft sich die Lage.

Die Gewinne der lange erfolgsverwöhnten Weltmarke sind bereits vor Corona in einem schwachen Geschäftsjahr 2019 geschrumpft. Nun verschärft sich die Lage. Zwischen Dezember und Mai ist die Nachfrage in den grossen Absatzmärkten Asien sowie USA und auch in Europa  aufgrund der Pandemie deutlich eingebrochen. «Da die Situation noch nicht vorüber ist, können die Einbussen aber noch nicht ­konkret beziffert werden», so heisst es von Swarovski auf Anfrage. Das Unternehmen rechnet mit einer langsamen Rückkehr aus dem tiefen, Corona-bedingten Einbruch und damit verbunden mit einem deutlichen Umsatzrückgang im laufenden Jahr. 

Wie viele andere Unternehmen auch musste Swarovski Kurzarbeit anmelden, welche langsam wieder abgebaut wird. Über 50 Prozent der Angestellten am Standort Triesen haben Kurzarbeit genutzt oder nutzen sie immer noch. Es gibt Abteilungen, die in ihrer Arbeit stark von den Läden abhängig sind, wie Repair oder auch Logistik. Andere Abteilungen, wie zum Beispiel Projekt-Teams, arbeiten schon wieder regulär oder haben die Kurzarbeit wieder ­reduziert. 

«Ein Grossteil der Büroangestellten ist in Kurzarbeit, die wir dank der grossartigen Flexibilität des Landes Liechtenstein situationsbezogen anpassen können», so heisst es bei Swarovski in Triesen weiter. Derzeit sei es noch zu früh, Prognosen abzugeben, wie schnell sich der Markt erholt. Dies hänge in erster Linie von der generellen Entwicklung der Covid-19-­Situation ab. Die Pandemie macht die Lage für das Unternehmen nicht einfacher. 

Swarovski will weltweit 600 Stellen abbauen. Auch der Standort in Liechtenstein ist ­davon betroffen. Wie viele Mitarbeiter in Triesen gehen müssen, wird sich erst im Herbst zeigen. Doch schon jetzt ist klar, dass es in Zeiten von Corona, Kurzarbeit und Kündigungen nicht einfach sein wird, eine neue Stelle zu finden.

So wird der Sozialplan aussehen
Swarovski hat bestehende lokale und globale Richtlinien für ein Package, welches Abfindungszahlung und Outplacement-Unterstützung beinhaltet.  «Ob mit oder ohne Corona: Ein Sozialplan soll den Mitarbei­tern helfen», sagt Donat Schädler, der Chef der Arbeitnehmervertretung von Swarovski in Liechtenstein. Es gehe darum, dass Mitarbeiter aktiv unterstützt werden, so schnell wie möglich einen neuen Job zu finden. Wie in der Vergangenheit auch werde ein Sozialplan bei Swarovski drei Massnahmen umfassen. 

Eine davon ist, dass die entlassenen Mitarbeiter früher gehen können, als es die Kündigungsfristen vorsehen. Sie erhalten weiterhin ihren Lohn, gewinnen aber mehr Zeit, um einen neuen Job zu suchen. Ein zweites Instrument ist die Hilfe eines Coachs und eines Beraters, der bei Bewerbungen hilft. Als dritte Säule kommt finanzielle Hilfe in Form von Abfindungen dazu. «Für die Betroffenen ist in der jetzigen Situation am wichtigsten, dass sie eine Abfindung für mehrere Monate bekommen, die über die Kündigunsfrist hinausgeht», sagt Sigi Langenbahn als Geschäftsführer vom LANV. 

Die Hoffnung, dass es in Triesen nicht zu einem Kahlschlag kommen wird, ist zwar vorhanden, schwindet aber angesichts negativer Nachrichten: Der von Swarovski bereits vor Monaten angekündigte massive Job­abbau könnte am Hauptsitz in Wattens in Tirol aufgrund der Coronakrise doch grösser ausfallen. Der österreichische Arbeiter-Betriebsratschefs Ernst Daberto sagte gegenüber der «Tiroler Tageszeitung»: «Ich gehe davon aus, dass mittelfristig – also in zwei bis drei Jahren – am Standort Wattens 1500 bis 2000 Stellen wegfallen werden.» 

Der Tiroler Kristallkonzern beschäftigt in Triesen über 400 Mitarbeiter und erwirtschaftet global einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro. (dal)

01. Jul 2020 / 06:00
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