• Die Schweizer Importeure fürchten Bussen in Millionenhöhe.	Bild: iStock
    Die Schweizer Importeure fürchten Bussen in Millionenhöhe. Bild: iStock

10 000 Franken teurer: Höhere Autopreise befürchtet

Mit dem neuen CO2-Grenzwert ab 2020 drohen den Schweizer Importeuren hohe Bussen. Autohändler befürchten, dass bestimmte Modelle zwischen weit über 10 000 Franken teuerer werden könnten.

Die Zielvorgabe des CO2-Ausstosses für importierte Autos liegt derzeit bei 130 Gramm CO2 pro Kilometer. Wenn die Grossimporteure diesen Wert für ihre importierte Flotte überschreiten, dann hagelt es Sanktionen. Kleinimporteure müssen die Strafe direkt pro Fahrzeug berappen. Nun verschärft sich die Situation. Mit dem gesetzlich festgelegten neuen Grenzwert ab dem Jahr 2020 kostet jedes Gramm oberhalb der Zielvorgabe von 95 Gramm CO2 pro Kilometer Ausstoss zwischen 95 und 152 Franken. Die beiden grössten Schweizer Autoimporteure rechnen damit, den tieferen Grenzwert ab dem 1. Januar 2020 nur schwer einhalten zu können. Marcel Guerry, Geschäftsführer der Emil Frey Gruppe sagte: «Die Schweizer Importeure müssten für 2020 theoretische Sanktionen in der Höhe von 726 Millionen Franken bezahlen.» Seiner Rechnung liegt der letztjährige Flottenschnitt von 137 Gramm pro Kilometer zu Grunde. Er rechnet zwar damit, den CO2-Ausstoss dieses Jahr um fünf und nächstes Jahr um 10 Prozent senken zu können, der Durchschnitt läge dann noch immer bei 117 Gramm pro Kilometer. Die Importeure seien selbst nicht in der Lage solche Kosten selber zu tragen. Die Gefahr besteht, dass der Kunde am Ende zur Kasse gebeten wird.

«Preise werden sich erhöhen»

Auch Rainer Ritter als Präsident der Liechtensteiner Wirtschaftskammer und selbst Autohändler rechnet damit, dass die Geldbussen an den Endverbraucher weitergegeben werden. «Einige Hersteller haben bereits Preiserhöhungen für einige Modelle in der Höhe von 1,5 Prozent angekündigt», erklärt er. Befürchtungen, wonach es Preiserhöhungen von mehreren tausend Franken pro Fahrzeug geben wird, kann er bekräftigen. «Es könnten je nach Fahrzeugmodell sogar weit über 10 000 Franken sein», sagt Ritter. Das sei für den Verkauf als Händler nicht förderlich, sagt Ritter. Wie hoch die Aufschläge sein werden, das komme aber ganz auf die Motorisierung an und wie hoch der Austoss des Fahrzeuges ist. Und es hänge natürlich auch von der Flotte der Importeure ab. Hier werde sich im kommenden Jahr einiges tun, ist er überzeugt. 
Grossimporteure werden laut Ritter sicher mehr auf Elektro-Autos und Hybrid-Fahrzeuge setzen, um die Gesamtwerte für ihre Flotte senken zu können. Ob die Nachfrage in der Bevölkerung nach elektrischen Antrieben aber da ist, werde sich zeigen. Grundsätzlich bleibt auch die Frage, ob Sanktionszahlungen aufgrund emissionsstarker Fahrzeuge auf die Verkaufspreise von CO2-armen Fahrzeugen abgewälzt werden. 

Der Präsident der Wirtschaftskammer zeigt sich auch besorgt darüber, dass neu auch Nutzfahrzeuge betroffen sind. Ab dem Jahr 2020 werden zusätzlich CO2-Emissionsvorschriften für Lieferwagen und leichte Sattelschlepper (LNF) eingeführt. Sie müssen einen Zielwert von 147 Gramm CO2 pro Kilometer einhalten. Liechtenstein hat die Emissionsvorschriften für Lieferwagen und leichte Sattelschlepper ebenfalls ins CO2-Gesetz analog zur Schweiz aufgenommen. Ritter befürchtet, dass dies auch das Gewerbe in Liechtenstein trifft. «Wenn Fahrzeuge teurer werden,  dann sinkt die Marge für Handwerker weiter», sagt er. Er zeigt sich besorgt, dass sich der Preisdruck für kleine Betriebe damit weiter erhöhen könnte. Für PKW scheint Liechtenstein von den gesteckten Zielen im Gesetz noch weit weg zu sein. Der derzeitige CO2-Ausstoss von neu in Verkehr gesetzten Autos liegt durchschnittlich bei 142 Gramm pro Kilometer. Dieser Wert ist höher als in der Schweiz. Trotz Sanktionen werden im Land demnach schwerere und leistungsfähigere Personenwagen mit höherem Austoss gekauft. Die Regierung schrieb bei einer Interpellationsbeantwortung zum betreffenden Gesetz im Jahr 2018: «Es ist nicht davon auszugehen, dass die durchschnittlichen Beträge von den einzelnen Importeuren auf den Kaufpreis überwälzt werden». In dieser Frage sind sich Importeure offenbar auch uneins. Der Amag-CEO Morten Hannesbo will die Busse nicht an die Kunden weitergeben, wie er auf Anfrage gestern bekräftigte. 

2018 haben der Treibstoffverbrauch und der CO2-Ausstoss der neu in der Schweiz zugelassenen Personenwagen sogar zugenommen. Das liegt an der steigenden Anzahl von Allradfahrzeugen, dem Rückgang von Dieselfahrzeugen sowie neue Messbedingungen.Wie sich die Preise auch entwickeln werden, an der gesetzlichen Lage ist nichts mehr zu rütteln. In der Vergangenheit hat die Schweiz die CO2-Vorgaben der EU im Grundsatz übernommen. Das gilt für die aktuell gültigen Grenzwerte bis 2020 und das dürfte sich auch für künftige Vorgaben nicht ändern. Liechtenstein passt die Werte analog zur Schweiz an, handelt damit aber auch nach EWR-Vorgaben.  

Vorliebe für grosse Autos

Schweizer und Liechtensteiner haben dabei offenbar eine Vorliebe für grosse Autos, die stark motorisiert und entsprechend auch einen höheren CO2-Ausstoss haben. In der Schweiz und Liechtenstein sind die Zahlen daher deutlich höher als im übrigen Europa: Die bereits erwähnten 137 Gramm in der Schweiz und 142 CO2 in Liechtenstein pro Kilometer stehen in der EU gut 118 Gramm im Durchschnitt gegenüber. Die neuen Vorgaben ab dem Jahr 2020 sollen helfen, die Klimaschutzziele zu erreichen. Der Verkehr ist für fast 30 Prozent der gesamten Emissionen in der Europäischen Union verantwortlich, von denen wiederum ein Grossteil auf den Strassenverkehr entfällt. In der Schweiz und damit auch Liechtenstein ist der Wert ähnlich: 32 Prozent der Emissionen stammen aus dem Verkehr. (dal)

13. Dez 2019 / 17:54
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1 KOMMENTAR
Ob die Nachfrage in der Bevölkerung nach elektrischen Antrieben aber da ist, werde sich zeigen.
100 prozentig. Sobald ans den Geldseckel geht steigt jedes normale Gehrin um ausser ein paar Exoten und Benzin Junkies. Man muss nicht Grün sein um E Auto zu fahren. Es rechnet sich vorallem heute schon nur habens die wenigstens gecheckt. Wenn die grosse Masse einsteigt steigen dann die Preise für Strom und Steuern wieder. Der Staat ist der letzte der auf Kohle vezichtet.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 14.12.2019 Antworten Melden

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