• Christoph Loos, CEO der Hilti-Gruppe, will das Instrument der Kurzarbeit so lange wie möglich nutzen.  (pd)

Hilti-Chef: «Kündigungen nicht ausgeschlossen»

Hilti hat seinen Wachstumskurs in den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2020 nicht fortsetzen können.

Hilti konnte in den vergan­genen Jahren immer wieder Rekordumsätze erzielen. Gleichzeitig stieg auch der Gewinn. Das Unternehmen hatte einen Wachstumskurs eingeschlagen, der aber durch Covid-19 vorerst gestoppt wird. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, sind die Auswirkungen für den Konzern enorm. Das Geschäft der Gruppe hat sich nach den ersten vier Monaten des laufenden Jahres deutlich abgeschwächt. Der Gesamtumsatz sank im Vorjahresvergleich um 13,1 Prozent auf 1678 Millionen Franken. In Lokalwährungen setzte das Unternehmen damit 8,2 Pro­zent weniger um.

Umsatz bricht in allen Märkten ein
Nach einem guten Jahresstart mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Bereich musste Hilti aufgrund des Coronavirus im Februar einen starken Einbruch des Geschäftsgangs in Nordasien hinnehmen. Ab Mitte März sank der Umsatz dann in allen Märkten weltweit erheblich. In Ländern mit fortlaufenden Bauaktivitäten, wie beispielsweise in Deutschland, Skandinavien und den USA, sank der Absatz stark. Markant verschlechtert hat sich der Geschäftsverlauf hingegen in Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien, in denen die Bautätigkeiten komplett stillgelegt wurden. Eine zusätzliche Belastung ist die starke Aufwertung des Schweizer Frankens. Der negative Umrechnungseffekt beläuft sich nach den ersten vier Monaten auf rund fünf Prozentpunkte. Die Entwicklungen in den jeweiligen Geschäftsregionen widerspiegeln die weltweit herausfordernde Lage. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, rechnet die Hilti-Gruppe auch für das Gesamtjahr mit einem Umsatzverlust von etwa zehn Prozent in Lokalwährungen und von bis zu 15 Prozent in Schweizer Franken. Dies unter der Annahme, dass das zweite Quartal weiterhin schwierig bleibt und sich im zweiten Halbjahr eine schrittweise Erholung einstellt.

Hilti ergreift strukturelle Massnahmen
Um die Auswirkungen der Coronavirus-Krise abzufedern und strukturelle Anpassungen zu vermeiden, hat Hilti ein breitgefächertes Paket an temporären Massnahmen umgesetzt. Zudem verzichtet der Hilti-Familien-Trust auf eine Dividende für 2020. «Die nächsten Monate werden zeigen, ob das ausreicht oder wir gegebenenfalls eine zweite Stufe an Massnahmen mit strukturellen Anpassungen angehen müssen.» Verhalten optimistisch stim­men derzeit nur einzelne Länder in Nordasien, in denen sich die Geschäftstätigkeiten langsam stabilisieren. «Die strategische Ausrichtung der Hilti-Gruppe bleibt aber unverändert und wir werden wichtige Projekte weiter vorantreiben und entsprechende Investitionen tätigen», erklärt CEO Christoph Loos. 

Die Hilti-Gruppe beschäftigt weltweit über 30 000 Mitarbeiter und dies in 120 Ländern. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von 5,9 Milliarden Franken.

Nachgefragt

«Keine schnelle Erholung auf Vorkrisenniveau in Sicht»
Gegenüber Radio L erklärte Christoph Loos, der CEO der Hilti-Gruppe, gestern, dass ein Stellenabbau international, aber auch am Standort in Liechtenstein nicht ausgeschlossen ist. Beim Unternehmen ist die Nachfrage aufgrund der Covid-19-Massnahmen enorm eingebrochen.

Die Umsätze sind in manchen Ländern auf teilweise bis zu 80 Prozent eingebrochen. Wenn der Betrieb wieder hochfährt, wie schätzen Sie die Lage und Investitionstätigkeit der Baubranche ein? Werden Projekte und Investitionen nun ganz verschoben?
Christoph Loos: Was wir bisher sehen ist, dass die laufenden Projekte nach dem Lockdown schnell wieder aufgenommen werden. Allerdings gibt es in den meisten Ländern Beschränkungen über die Anzahl Personen auf der Baustelle, Abstandsregelungen etc., die den Baufortschritt verlangsamen. Das eigentliche Problem ist wohl weniger die Wiederaufnahme der laufenden Projekte als vielmehr die Planung, Entscheidung und Finanzierung von neuen Bauvorhaben für 2021 und 2022. Hier sehen und hören wir leider eine grössere Zurückhaltung, weshalb wir nicht davon ausgehen können, schnell wieder auf dem Vorkrisenniveau zu sein.

Die Nachfrage wird also nicht so schnell zurückkommen, wie sie eingebrochen ist?
Nach allem was wir heute wissen, können wir meines Erachtens nicht davon ausgehen, dass wir eine V-förmige, schnelle Erholung auf die Vorkrisenniveaus sehen werden. Der Einbruch ist bereits jetzt sehr unterschiedlich in verschiedenen Ländern und auch die Erholung wird sehr unterschiedlich verlaufen. Starke Länder werden die Krise schneller abstreifen als Länder, die bereits vor der Krise auf wackligen Beinen standen.

Sie sprachen von weiteren strukturellen Massnahmen, wie einem Stellenabbau, der nicht ausgeschlossen ist. Wie gehen die Mitarbeiter mit der ungewissen Situation derzeit um?
Die aktuelle Unsicherheit ist sicher eine Belastung für alle Mitarbeitenden weltweit, vor allem in den Ländern mit den grossen Umsatzeinbrüchen. Wir haben von Anfang an sehr offen und transparent kommuniziert, dass zurzeit noch niemand beurteilen kann, welchen wirtschaftlichen Schaden diese Viruskrise anrichtet. Und dass wir deshalb diese Unsicherheit leider nicht wegnehmen können. Unsere Mitarbeitenden wissen allerdings auch, dass wir mit einer starken finanziellen Ausgangslage in diese Krise gegangen sind, einen langfristig orientierten Eigentümer haben und dass wir alles tun werden, um unserer Verantwortung für unsere Mitarbeitenden bestmöglich gerecht zu werden.

Vorerst überbrückt Hilti mit Kurzarbeit. Wie viele Mitarbeiter befinden sich derzeit in Kurzarbeit und würden Sie sich dafür aussprechen, diese staatliche Hilfe nochmals zu verlängern?
Die Anzahl der betroffenen Mitarbeitenden schwankt von Woche zu Woche je nach Auslastung der einzelnen Bereiche. In der Spitze hatten wir weltweit weit über tausend Mitarbeitende in den unterschiedlichsten Programmen in unseren Werken, Lagern, Reparaturzentren und teilweise auch Vertriebsorganisationen. Die Kurzarbeit ist ein kurzfristiges Mittel, um Phasen mit starken Nachfrageeinbrüchen zu überbrücken, ohne die Arbeitsplätze zu gefährden. Deshalb werden wir diese Option so lange wie möglich nutzen. Wie lange und in welchem Ausmass das sinnvoll ist, hängt von den Erwartungen bezüglich der anschliessenden Erholung ab.

Was lässt Sie in der derzeitigen Lage trotzdem zuversichtlich in die Zukunft blicken?
Wir sind alle froh, in so einer Situation für ein Unternehmen in Familienbesitz zu arbeiten, mit einem Eigentümer, der nicht auf die nächsten Quartalszahlen schaut, sondern auf die langfristige Entwicklung und den Schutz von Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühl. Deshalb ändern wir auch nicht unseren Kurs und setzen unsere strategischen Projekte weiter fort – mit oder ohne Coronavirus. Ich bin überzeugt, dass wir deshalb auch diese Krise gut überstehen und sogar gestärkt daraus hervorgehen werden. (dal)

20. Mai 2020 / 14:17
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
puzzle ravensburger
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
23.04.2020
Facebook
Top