• Financial Stability Report in Vaduz
    «Der Finanzsektor ist insgesamt stabil», erklärte Mario Gassner von der Finanzmarktaufsicht.  (Daniel Schwendener)

Haushalte im Land sind hoch verschuldet

Der Zustand des Liechtensteiner Finanzsektors ist zwar stabil, die Verschuldung der privaten Haushalte birgt aber ein Risiko.

Die Zahlen sprechen auf den ersten Blick eine deutliche Sprache. Im Jahr 2018 betrug die gesamte Verschuldung der privaten Haushalte Liechtensteins rund neun Milliarden Franken oder 230 000 Franken pro Kopf. Das geht aus dem Bericht zur Stabilität des Liechtensteiner Finanzsektors hervor, den die Finanzmarktaufsicht (FMA) gestern in Vaduz präsentierte. Den grössten Anteil machen Hypotheken auf Wohnliegenschaften aus. Diese beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 5,5 Milliarden Franken, wie die Bankenstatistik zeigt. 

Vertiefte Analyse zu den Schulden ist nötig
Um diese Schuldenberge international vergleichen zu können, werden sie ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Landes gesetzt. Die Schuldenquote der Liechtensteiner Haushalte beläuft sich auf 
136 Prozent des Bruttoinlandprodukts – weltweit gesehen ein absoluter Spitzenwert. Die hohen Schulden der privaten Haushalte rühren daher, dass viele ihre Hypotheken auf Immobilien nicht abzahlen. 
Auf den zweiten Blick zeigt sich aber: «Diese Zahlen sind nicht direkt mit Werten aus anderen Ländern vergleichbar. Die hohe Jobsicherheit ermöglicht eine grosse Planungssicherheit für private Haushalte in Liechtenstein», betonte Mario Gassner als Vorsitzender der Geschäftsleitung der FMA. Die tiefen Steuern und die hohen Einkommen eröffnen zusätzlichen Spielraum. Daher seien die Risiken für die Stabilität nicht so hoch, wie die Zahlen auf den ersten Blick implizierten. Laut Martin Gächter, dem Leiter Finanzstabilität bei der FMA, sei es dennoch wichtig, das Gespräch mit den Leuten zu suchen, und die Risiken einer hohen Verschuldung zu kommunizieren. 

Auch wenn die FMA bereits Massnahmen in den letzten Jahren sowohl bei den Kreditgebern als auch den -nehmern ergriffen hat, empfiehlt Gächter eine vertiefte und detaillierte Analyse der zugrundeliegenden  Ursachen sowie Risiken der steigenden Verschuldung. Auf dieser Grundlage können weitere Massnahmen geprüft werden, um den Risiken im Hypothekarmarkt entgegenzuwirken. Ein wesentlicher Treiber des Kreditwachstums ist die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Abgesehen von den privaten Schulden zog Gächter gestern Abend im Vaduzer Rathaussaal ein positives Fazit. Der Finanzsektor sei insgesamt stabil, auch wenn die Herausforderungen wachsen. Der Financial Stability Report beurteilt die systemischen Risiken als relativ begrenzt. 

Finanzsektor ist stabil
Während der Finanzsektor – und insbesondere der Bankensektor – relativ zur Wirtschaftsleistung sehr gross ist, reduzierten vergleichsweise eine hohe Kapitalisierung, die gesunde Profitabilität sowie eine stabile Finanzierungsbasis die damit verbundenen Risiken. Allerdings sind die Herausforderungen im internationalen Finanzmarktumfeld im vergangenen Jahr weiter angestiegen – auch angesichts der Negativzinsen.
Da Liechtenstein über keine eigene Zentralbank verfügt, liegt die rechtliche Verantwortung, um zur Finanzmarktstabilität in Liechtenstein beizutragen, bei der FMA. Dazu wurden einige Massnahmen bereits aufgegleist. In diesem Jahr wurde ausserdem der Ausschuss für Finanzmarktstabilität geschaffen. Er ist das zentrale Gremium der makroprudenziellen Aufsicht in Liechtenstein, zu dem Vertreter des Ministeriums für Präsidiales und Finanzen und der FMA gehören. Das Gremium soll die Zusammenarbeit in makroprudenziellen Fragen stärken. Diese makroprudenzielle Aufsicht zielt darauf ab, systemischen Risiken entgegenzuwirken und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems zu stärken. Damit sollen die Wahrscheinlichkeit und die Auswirkungen von Finanzkrisen verringert werden, da diese in der Vergangenheit in anderen Ländern zu hohen Kosten – auch für die Realwirtschaft – geführt haben. (dal)

18. Nov 2019 / 23:14
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