• Hilcona AG, Schaan
    Bei der Hilcona in Schaan werden aktuell Sonderschichten geleistet, um die steigende Nachfrage zu decken.  (Tatjana Schnalzger)

Hamsterkäufe bescheren Lebensmittelfirmen mehr Arbeit

Die Notsituation bringt Hamsterkäufe mit sich, womit wiederum die Nachfrage nach Konserven und anderen Produkten vorläufig steigt.

Das Coronavirus hinterlässt Spuren in Liechtensteins Wirtschaft. Als eine der ersten hat die Ivoclar Vivadent ihre Produktion in Schaan und an anderen Standorten voraussichtlich bis zum 6. April eingestellt. Nicht nur, um die Epidemie zu verlangsamen, sondern auch, weil das Zahnarzttechnikunternehmen in den nächsten Wochen ein rückläufiges Auftragsvolumen erwartet.

Allerdings ist nicht jede Branche auf dieselbe Art von der aktuellen Notlage betroffen. Denn auf der anderen Strassenseite, einige Meter gen Norden, laufen beim Lebensmittelhersteller Hilcona die Maschinen auf Hochtouren. Laut Pressesprecher Markus Amann leisten Mitarbeiter in bestimmten Bereichen wie Konservendosen, Ravioli und Tofu derzeit Sonderschichten, «um auf die individuellen Anfragen prompt zu reagieren und die Lieferbereitschaft sicherzustellen». Da in der Region gerade Kartoffeln gepflanzt und Pariser Karotten gesät werden, bemüht sich das Unternehmen in Absprache mit seinen Partnern aus der Schweizer und Liechtensteiner Landwirtschaft darum, die Mengen der Anbau­flächen zu erhöhen. 

Fährt man die Strasse wei­ter in Richtung Bendern, findet man auch bei der Ospelt-Gruppe einen genauso lebhaften Betrieb vor. «Wir stellen bei einem Grossteil unserer Produkte, sowohl bei Konserven und Trockenprodukten als auch bei praktisch allen Bereichen der Frischeprodukte, eine stark erhöhte Nachfrage fest», berichtet Ruedi Burkhalter, CIO und Geschäftsleitungsmitglied. Die Mehrmengen werden über die bestehenden Produktionskapazitäten «so weit wie möglich» abgedeckt. 

Massnahmen gehen über die Empfehlungen hinaus
«In der Lebensmittelindustrie sind wir es gewohnt, auf die Hygiene zu achten. Zudem hat die Hilcona schon relativ früh Massnahmen umgesetzt, was uns jetzt zugutekommt», erklärt Amann. Im Vordergrund stehe die Gesundheit der Mitarbeiter. Von der Ospelt-Gruppe wird ergänzt, dass Hygieneschleusen, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel seit jeher ein fester Bestandteil der Branche sind. Allerdings habe man in der gegenwärtigen Situation die Reinigungstätigkeit noch einmal kräftig erhöht. «Aktuell orientieren wir uns an den behördlichen Empfehlungen, gehen bei bestimmten Massnahmen jedoch deutlich weiter», betont Burkhalter. 

Angesichts des Coronavirus hat die Hilcona einen internen Krisenstab gebildet, der sich täglich in der Früh über die aktuelle Lage berät. Dieser kann auf bereits vorhandene Pandemiepläne zurückgreifen. Die Ospelt-Gruppe hat Anfang Februar eine Arbeitsgruppe gebildet, die notwendige Massnahmen zur Gewährleistung einer unterbruchsfreien Betriebsführung beschliesst. Unter anderem werden seit Anfang dieser Woche Temperaturkontrollen bei den Mitarbeitern durchgeführt, und die Fabrikläden in Bendern sowie Sargans sind bis auf Weiteres geschlossen. Mitarbeiter, die aus dem Urlaub zurückkehren, müssen einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Die zusätzlich verschärften Hygienemassnahmen haben sich bislang bewährt. Mit Stand von gestern weisen weder die Hilcona noch Ospelt-Gruppe einen erkrankten Mitarbeiter aus. 

Inwiefern sich das durch das Coronavirus veränderte Kaufverhalten auf die Bilanz auswirkt, kann das Schaaner Unternehmen noch nicht erahnen. Durch die Schliessungen der Gastronomie wird in diesem Bereich ein starker Rückgang erwartet, während der Verkauf im Einzelhandel ansteigt. «Gesamt gesehen werden die Menschen wohl gleich viel Lebensmittel zu sich nehmen, aber der Konsum wird sich vermehrt nach Hause verlagern», meint Amann. Lieferengpässe sind derzeit keine vorhanden, bestätigt das Schaaner Unternehmen auf Anfrage. «Wir verfügen über ausreichend Bestände an haltbaren Fertiggerichten und Rohstoffen.» Man hoffe, dass aus den feststellbaren Hamsterkäufe kein Foodwaste resultiere. 

Ohne Pendler keine Produktionssicherheit
Gemäss dem Hilcona-Pressesprecher ändere sich die Situation täglich und man sei gefordert, sowohl flexibel als auch schnell zu reagieren. Insbesondere die Bestimmungen an den Grenzen und Quarantäne-Beschlüsse innerhalb der um­liegenden Länder gelte es zu beobachten, da das Unter­nehmen zahlreiche Pendler aus Österreich, der Schweiz und Deutschland aufweist. «Wenn unsere Grenzgänger nicht mehr kommen würden, dann hätte dies starke Auswirkungen auf die Produktionssicherheit», so Amann. Vor allem, weil man in der aktuellen Situation so viel Personal wie möglich benötigt. Am Montag erwähnte Wirtschaftsminister Daniel Risch bei einer Medienkonferenz – im Rahmen des angekündigten Massnahmenpakets für die Wirtschaft im Umfang von 100 Millionen Franken – eine Idee, um der steigenden Nachfrage an Konserven und anderen langanhaltenden Produkten längerfristig nachzukommen. So zieht er Erleichterungen in Betracht, mit denen Personen aus der Gastronomie und an­deren Branchen, die aufgrund der behördlichen Massnahmen nicht mehr arbeiten können, dem Personal in der Lebens­mittel­industrie oder im Detailhandel aushelfen. (gk)

18. Mär 2020 / 08:12
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Lova Center
Zu gewinnen einen Lova Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken.
10.03.2020
Facebook
Top