• Centrum Mode, Balzers
    Liewo PR: Centrum Mode, Balzers, Bild aufgenommen am 23.08.2019, Cornelia Frommelt, FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

Es ist an der Zeit, aufzuhören

Ende Dezember wird Cornelia Frommelt ihr Modegeschäft in Balzers schliessen. Das veränderte Einkaufsverhalten – besonders die starke Konkurrenz im Onlinehandel – führte zu diesem Entscheid. Vermissen wird sie vor allem die zahlreichen Begegnungen.

Im Jahr 2018 legte der Onlinehandel in der Schweiz erneut um 10 Prozent zu. Dies auf Kosten der stationären Geschäfte. Im Bereich Fashion wird jeder fünfte Umsatzfranken online generiert. Die Situation hat sich für den stationären wie auch den Schweizer Handel zunehmend verschärft, da der Umsatzanteil mit internationalen Händlern überproportional zulegt. Laut GfK (Gesellschaft für Konsum) Schweiz wird 20 Prozent des Mode- und Schuhesortiments online bestellt. Unter Berücksichtung des Gesamtwachstums des Schweizer Online- und Versandhandels hat sich der Anteil der internationalen Unternehmen von 10 auf 20 Prozent verdoppelt. Damit geht jeder fünfte Onlineumsatzfranken bereits an einen internationalen Anbieter.
Das Statistikportal Statista zeigt, dass der umsatzstärkste Onlineshop im Fashion-Markt in der Schweiz 2018 kein geringerer war als Zalando mit einem Umsatz von 662,5 Millionen Franken. Dabei hebt sich der Händler weit von anderen in seiner Branche ab. Denn auf auf dem zweiten Platz liegt mit «nur» 46,5 Millionen der Online-Händler eboutic.ch.

Aktuelles bis zum Schluss

Dies spürt auch Cornelia Frommelt mit ihrem Geschäft Centrum Mode in Balzers. Per Ende Dezember wird sie die Türen endgültig schliessen, da es sich aufgrund des veränderten Einkaufs-verhaltens für sie nicht mehr lohnt. Die Konkurrenz bezüglich Onlinehandel ist für ihr Geschäft einfach zu gross. Also entschied sie sich schweren Herzens, nach 14 Jahren aufzuhören. Der Entscheid fiel ihr schwer, da Freundschaften entstanden sind und sie schöne Begegnungen im Laden erlebt hat. «Ich bin gerne in Balzers und ich habe einen guten Draht zu den Menschen», erzählt sie in ihrem Laden während eines Kaffees. Darum berühre sie das auch emotional. Trotzdem ist sie fest dazu entschlossen, ihrer Kundschaft bis Ende Jahr die aktuellste Mode zu bieten. Derzeit befindet sich noch die Herbstmode in den Regalen, ein Teil der neuen Winterkollektion ist eingetroffen. Für sie waren die 14 vergangenen Jahre eine schöne und auch bewegende Zeit. Freundschaften entstanden und wurden durch das Geschäft gepflegt. Von jedem lässt sich die aufgestellte Verkäuferin in einen Dialog verwickeln – der Ort ist ein Treffpunkt. So liess sie sich auch nicht während des Gesprächs davon abhalten, eine Kundin zu beraten und mit ihr zu plaudern. Cornelia Frommelt ist sehr aufmerksam. «Es ist nicht nur der Onlinehandel, auch meine Kundschaft, hauptsächlich die ältere Generation, fällt langsam weg», bedauert sie. 

Das Geschäft mit der Mode sei schon seit Beginn und all die Jahre über schwierig gewesen. Sie war jedoch zufrieden, möchte die Zeit nicht missen und es genau so wieder tun. «Einen Dämpfer, der stark auf meine Bilanz einschlug, erlebte ich vor etwa fünf Jahren, als der Mindestkurs des Euros aufgehoben wurde», erzählt sie weiter. Am meisten betroffen sei die Kinderkollektion gewesen. Auf einem Grossteil der Ware blieb sie sitzen. Seit zwei Jahren geht es nun stetig abwärts. Den Anstoss für den endgültigen Entschluss, aufzuhören, gaben ihr letztendlich die Zahlen. Es überkam sie die Angst, dass sie die Kollektionen nicht mehr bezahlen könne. «Die Kunden verlangen nach einem vollständigen Sortiment. Und das muss man immer ein Jahr im Voraus bestellen.» 

Die Stimmung fehlt noch

Doch musste sie die neueste Ware bereits herabsetzen, damit sie noch vor Ladenschluss Ende Dezember so viel wie möglich verkaufen kann. Das hat die Menschen dazu animiert, ihr Geschäft aufzusuchen. «Frühling und Sommer läuft immer gut. Doch für den Herbst und Winter muss die Stimmung da sein. Das war heuer noch nicht so der Fall, ausser an den vereinzelten kühlen Tagen, da war einiges los», schmunzelt die Schaanerin. Gerade an diesem sonnigen und warmen Vormittag des Gesprächs hätte sie noch zwei Kurzarm-T-Shirts verkauft. Die Zeit, in der sie die Winterkollektion verkaufen will, wird langsam knapp. Die letzte Lieferung erfolgt im November. «Glücklicherweise habe ich derzeit nichts mehr im Lager und einige Winterartikel sind schon im Verkauf», meint sie. 

Was danach kommt, weiss sie noch nicht. Bis zur Pension dauere es noch ein paar Jahre, also lasse sie es auf sich zukommen. «Bis jetzt sind die Ferien zu kurz gekommen, vielleicht werde ich das nachholen», sagt sie augenzwinkernd. Doch auf der faulen Haut zu liegen, sei auf Dauer nichts für sie. Es fällt ihr sichtlich schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, den Laden aufzugeben, aber die Bilanz lügt nicht. «Vor allem wegen den Freundschaften und auch die treue Kundschaft zu verlassen. Die guten Kontakte werde ich bestimmt weiterhin noch pflegen», betont sie. Was sie dann mit den Kleidern, die sie nicht verkaufen konnte, anstellen werde, wisse sie noch nicht so genau.

Es ist höchste Zeit

Sieht man sich ein wenig im Geschäft um, bietet es mehr als nur Mode: Zeitschriften, Lottoscheine, Knöpfe und Wolle. «Alles in dem Geschäft ist bezahlt und gehört mir. Ich will keine Schulden machen. Der Lieferant muss schliesslich auch von etwas leben», sagt sie bestimmt und entschlossen. Stets bemühte sie sich auch um die Qualität der Kleider. Sie achtete genau darauf, woher die Ware kam und ob sie mit Chemie belastet war oder nicht. 
Wenn sie voraus an ihren letzten Tag im Geschäft denkt, graut es ihr – der Gedanke scheint unangenehm zu sein. «Vielleicht habe ich dann so viel zu tun, dass ich froh bin, wenn es vorbei ist», erzählt sie mit einem Hauch von Ironie und lacht dabei. (ms)

19. Okt 2019 / 06:27
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