• industrial worker building exterior walls, using hammer for laying bricks in cement. Detail of worker with tools and concrete
    Zahlreiche Handwerker sind mittlerweile in ihrer Existenz bedroht  (iStock)

Erbitterter Preiskampf auf heimischen Baustellen

Die Baubranche ist trotz sinkender Kosten im Baufieber – und der Leerstand steigt.
 
Wie sich Fiktion und Wirklichkeit manchmal verfehlen, lässt sich derzeit in der Baubranche sehr gut beobachten: Wer Liechtensteins Strassen befährt, meint auf den ersten Blick, hierzulande ein intaktes Bauwesen wahrzunehmen. Schliesslich werden doch an allen Ecken und Enden fast im Wochentakt neue Baugruben ausgehoben. Doch die jüngst erschienene Baustatistik zum vierten Quartal 2019 belehrt eines Besseren: Zwar seien im Zeitraum von September bis Dezember des vergangenen Jahres vom Amt für Bau und Infrastruktur insgesamt 137 Bauprojekte bewilligt worden und die Anzahl habe sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 8 Projekte auf 38 erhöht. Gleichzeitig seien aber die Baukosten für diese bewilligten Bauprojekte im Vorjahresvergleich eben um 19,2 Prozent zurückgegangen. Offenkundig besteht hier also eine Diskrepanz. Im vierten Quartal waren die Bauprojekte nämlich mit 126,6 Millionen Franken veranschlagt, während sie ein Jahr zuvor noch 156,7 Millionen Franken betrugen. Wie lässt sich diese enorme Preissenkung angesichts der wachsenden Anzahl an Bauprojekten begründen?
 
«Wir machen uns selbst zu viel Druck zulasten der Margen»
Rolf Järmann, Gründer von Baufairness.ch, äusserte sich bereits vergangene Woche in einem Artikel zu der prekären Situation auf regionalen Baustellen: «Es brennt lichterloh in der Branche. Es gibt so einige Unternehmen, die unheimlich stark unter betriebswirtschaftlichem Druck stehen.» Die Branche befinde sich in einem Preiswettbewerb, bei dem der wirtschaftlich Günstigste die Aufträge erhalte. Die Qualität der Bauarbeiten leide jedoch darunter. Manche Branchenvertreter sprechen auch direkt von «Preisdumping». «Das ist nicht unbedingt nur auf Druck aus dem Ausland zurückzuführen, wir machen uns selbst viel Druck zulasten der Margen», erklärte auch Rainer Ritter, Präsident der Wirtschaftskammer Liechtenstein in einem kürzlich erschienenen Interview.   
Rekordhoch an Neuwohnungen trotz hoher Leerstandsquote
Die aktuelle Baustatistik überrascht aber noch mit einer weiteren Nachricht: Im vergangenen Quartal wurden in Liechtenstein 119 neue Wohnungen bewilligt – die höchste Zahl an Wohnungen, die seit 2017 bewilligt wurde. Gemäss der Wohnungsstatistik 2018 herrscht aber wohl kaum ein Mangel an Wohnungen vor. 849 Wohnungen, sprich 4,7 Prozent aller Wohnungen, waren unbewohnt. Der Leerstand dürfte also mit der gewachsenen Bautätigkeit weiter zunehmen. Für die Schweiz hat «Avenir Suisse» übrigens 2011 eine Kennzahl von 1,15 Prozent als optimale Leerstandsquote berechnet, bei welcher Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht seien. Gemessen an diesem Wert wird Liechtenstein diese Marke wohl deutlich verfehlen. (rpm)
14. Feb 2020 / 00:08
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