• Zoll bei der Post, Zürich
    Zollamt Post in Zürich Mülligen, Schlieren, Bild aufgenommen am 04.10.2019, Zoll, Pakete, Sendungen, Drogen, Waffen, illegal, Potenzmittel, Drogentest, Brief, Briefe, öffnen, Laufband, Kontrolle, China, Asien, Billigware, Fälschungen, Uhren, Taschen, Funkgeräte, Versand, FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

Drogen am Fliessband gestoppt

Im Briefzentrum Mülligen nahe Zürich stossen die Zöllner wegen dem blühenden Online-Handel immer öfters auf illegale Waren aus dem Ausland. Mit Argusaugen achten sie bei Paketen auf Merkmale, welche einen unlauteren Inhalt verraten könnten.

Drogen, Springmesser und verschreibungspflichte Medikamente liegen aufgebahrt auf einem Tisch. Diesen umrunden keine «Gangsta-Rapper», die mit jugendlicher Energie für ein Musik-Video posieren, sondern Beamte der Eidgenössischen Zollverwaltung, die gewissenhaft, doch nicht weniger energiegeladen, Berichte für die folgende Strafverfolgung verfassen. Durch ihre Hände wandern unter anderem Potenzmittel, Cannabis, MDMA und Kokain. Im Briefzentrum Mülligen in Schlieren hat der Zoll seine eigenen kleinen Räume, doch arbeite er eng mit der Post zusammen und führt mit dieser dabei ein kollegiales Verhältnis. Dank dem seit rund fünf Jahren ansteigenden Online-Handel ist eine solche Zusammenarbeit auch vonnöten. Am Morgen um 10 Uhr kontrolliert die Post Brief- und Warensendungen aus China, denn die Flieger aus dem asiatischem Raum landen zwischen sechs und acht Uhr beim Flughafen Zürich.

Cannabis als Schoko-Bonbons 

Drogen, Sex und Waffen – Begriffe, die einen reisserischen Artikel hergeben und die Sensationsbedürfnis einer jeden Leserschaft befriedigen. Das sind aber auch alles Mittel, welche sich zerstörerisch auf Individuum und Gesellschaft auswirken. Ein beissender, süsslicher Geruch, der sich in der Asservatenkammer breitmacht, kennt man wohl aus den hinteren Sitzreihen im Bus, wo Jugendliche mit geröteten Augen rumlungern. Säcke voll Cannabis, Träume eines jeglichen Kiffers, sind in den Schränken des kleinen Kabäuschens verwahrt. Weil das Leben nicht bieder sein muss, nehmen es die Zöllner mit Humor und erklären mit Augenzwickern, dass die Arbeit in solch einem Dunst euphorisierend sei. Bei allem Spass, welche die freundlichen Zöllner bei der Führung darlegen, ist ihnen der Schutz, den sie durch ihre Arbeit der Gesellschaft bieten, vollkommen bewusst. Deshalb üben sie ihren Beruf mit Herzblut aus. Denn Cannabis ist laut dem Schweizer Bundesamt für Statistik bei Konsumerfahrungen mit illegalen Drogen in der Bevölkerung am häufigsten: «Im Jahr 2017 haben 14 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 34 Jahren innerhalb des letzten Jahres Cannabis konsumiert. Bei den Männern fiel dieser Anteil doppelt so hoch aus wie bei den Frauen (18 Prozent gegenüber neun Prozent). Bei den 15- bis 24-jährigen Männern belief sich dieser Anteil sogar auf 22 Prozent». 

Neue Kniffs und Tricks lassen sich die Klein- und Grosskriminellen stets einfallen, um ihre Warensendungen verdeckt in Päckchen zu verschicken. Die Pöstler und Zöllner achten zum Beispiel darauf, ob das auf der Deklaration angegebene Gewicht mit dem tatsächlichen Gewicht übereinstimme. Doch weitere Merkmale wollen sie nicht verraten. «Wir lassen uns nicht in die Karten blicken. Wir wollen niemanden einen Vorsprung geben», gibt Zöllner Andreas Baumann zu bedenken. Auch im Online-Handel gebe es Trends.
Zum Beispiel: Dass Kuchen oder Kekse mittels Cannabisöl - sogenannte «Space Cakes» – gebacken werden, ist durch humoristische Verwertungen in der Popkultur auch bei der Allgemeinheit angekommen. Doch im Online-Versand sei die Lieferung in dieser Art und Weise regelrecht explodiert, so Baumann. «Das intensive Cannabisöl in Süssigkeiten zu verschicken, ist in der letzten Zeit besonders aufgekommen, egal ob in Form von Kuchen oder Kinder-Schoko-Bonbons. Das mag harmlos erscheinen, doch genau darin liegt die Gefahr. Ein Kind, das in der Nachttischschublade seines Vaters diese vermeintlichen Naschereien entdeckt und davon probiert, erlebt ein böses Erwachen.»

Bei den China-Päckchen, die momentan über das Fliessband gleiten, stösst man jedoch mehrheitlich auf andere illegale Waren: Messer oder Potenzmittel. Die Pillen tragen amüsant anmutende Namen wie «Anakonda» oder «Tiger», sind aber je nach Produkt mehr oder weniger gefährlich. Während bei einer «Marke» der tägliche Konsum unbedenklich sein kann, besteht bei der anderen bereits bei einer wöchentlichen Einnahme Gefahr. «Natürlich werden diese Produkte ohne Beipackzettel verschickt», sagt Tanja Brunner, Leiterin der Eidgenössischen Zollverwaltung EVZ. «Doch die Hemmschwelle bremst die Leute, bei Potenzproblemen den Arzt aufzusuchen.» Allgemein kämen die meisten gefälschten Potenzmittel aus dem asiatischen Raum, 40 Prozent davon stammen aus Indien.

Der Weg der Vermittler

Die Postangestellten lernen das Ausfindigmachen verbotener Ware getreu dem Motto «Learning by Doing». So öffnen Lehrlinge in der Regel mehr Postpakete, um sie auf illegale Waren zu kontrollieren, weil das Gefühl noch unsicherer ist. Die alten Hasen haben es in der Regel im Gespür, welche Pakete sie auf dem Laufband ziehen lassen dürfen. Die Mitarbeiter entwickeln aufgrund der tausenden Päckchen, die durch ihre Hände gleiten, ein Gefühl für die Merkmale, auf die sie Acht geben müssen. Interessanterweise entwickelt sich jedes geschulte Auge anders: Während der eine das Talent hat, während einem Tag 60 Drogenpakete ausfindig zu machen, schafft es der andere, am selben Fliessband auf die gleiche Anzahl an Waffen zu stossen. 
«Die Betäubungsmittel werden vor allem aus dem Dark Net bestellt», sagt Baumann. Verdächtige Substanzen werden daraufhin mit dem «Itemizer» auf Drogen oder Sprengstoff geprüft. Dieser befindet sich in einem Raum, wo keine Substanzen aufbewahrt werden, weil das Gerät sehr sensibel auf die Partikeln in der Luft reagieren würde. Bei dieser Untersuchung findet der Zoll oftmals Drogen, die in irgendeinem Labor neu kreiert wurden und bei ihnen nicht gelistet sind. Die neuen Daten händigen sie daraufhin der Polizei aus. 
Natürgemäss sei ihnen bewusst, dass eine Menge Pakete, die illegale Waren beinhalten, auch nicht geöffnet würden. Denn pro Tag werden bei jeweils vier Pöstler pro Fliessband zwischen ein und fünf Prozent der Päckchen geöffnet. Dennoch passiere es öfters, dass die selben Namen auffällig werden. Bis diese, nachdem man sie bei der Polizei gemeldet habe, nicht mehr aufscheinen würden. (dab)

 

13. Okt 2019 / 06:04
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