Die grössten Betrugsfälle landen auf seinem Tisch

Hans-Peter Geil leitet bei der Liechtensteinischen Landespolizei seit 18 Jahren das Kommissariat Wirtschaftskriminalität (KOM WK). Im Interview spricht er über Vielfalt und Komplexität seines Berufes, die grössten Wirtschaftsdelikte Liechtensteins und sein persönliches Menschenbild.
 
Herr Geil, was tut eigentlich ein Wirtschaftspolizist?  
Hans-Peter Geil: Alle kriminellen Aktivitäten, die mit wirtschaftlichen Prozessen zu tun haben, zählen zu unserem Aufgabengebiet. Und das ist eine ganze Menge: Geldwäscherei, Falschgeldkriminalität, Finanzermittlungen, Analysen, Barmittelkontrollen, Korruptionsdelikte, Terrorismusfinanzierung, aber auch Kunst- und Kulturgüterkriminalität. Damit verbunden sind oft Hausdurchsuchungen, Vernehmungen sowie auch Dienstreisen ins Ausland. 
 
Das hört sich vielfältig, aber auch komplex an. Schwirrt Ihnen gelegentlich der Kopf vor lauter Zahlen und Aktentürmen?  
Es wäre gelogen, wenn ich das verneinen würde. Bestimmte Fälle beschäftigen einen intensiver und dann kommt es vor, dass man auch zu Hause noch in Gedanken das eine oder andere hin- und herwälzt. Aber das betrifft nicht nur mich, sondern unser gesamtes Team.  
 
Sie sind seit 18 Jahren Leiter des Kommissariats Wirtschaftskriminalität (KOM WK). Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an der Liechtensteiner Wirtschaftskriminalität?
Der Bereich der Wirtschaftskriminalität stellt sich schon anders dar als in anderen Ländern: Hier haben wir nur wenige Konkursdelikte, die an meinen früheren Wirkungsstätten einen Grossteil der Arbeit ausmachten. Des Weiteren gibt es in Liechtenstein nur spärlich reine Inlandsfälle. Es geht so gut wie immer in den internationalen Bereich hinein und das weitet den Arbeitsaufwand erheblich aus. Erwähnenswert ist damit auch, dass wir viele englische und auch anderssprachige Unterlagen zu bearbeiten haben. Die Übersetzungstätigkeiten stellen uns oft vor Herausforderungen, zumal es sich oft um Fachjargon handelt. Eine positive Besonderheit Liechtensteins ist, dass alle Wege kurz sind: Die Ämter liegen direkt um die Ecke. Man bekommt zügig Antwort auf Anfragen und kennt sich oft persönlich. Dadurch ist eine speditive und gute Zusammenarbeit möglich.

Reicht die Anzahl Mitarbeiter aus, um all die Wirtschaftsfälle zu erledigen?
Das hängt von der jeweiligen Situation ab. Im Moment sind wir stark belastet, sodass ich sagen würde, die Anzahl reicht nicht aus. Aber das kann sich auch wieder ändern, zumindest hoffe ich das. Der Arbeitsaufwand gleicht eher einer Wellenbewegung. Mal mehr, mal weniger. 

Welche Fälle von Wirtschaftskriminalität waren in den vergangenen Jahren die grössten?  
Der Fall des mutmasslichen Datendiebes Heinrich Kieber erhielt natürlich grosse mediale Beachtung und stürzte den Finanzplatz in eine grosse Krise. Grosses Aufsehen hat auch der Fall des früheren Staatsgerichtshofpräsidenten erregt, der für uns sehr viel Arbeit bedeutete, da umfangreiche Unterlagen ausgewertet werden mussten und der Täter bei der Aufklärung des Falles nur sehr zurückhaltend mithalf. Vor Gericht wurde dann ein Gesamtschaden von 42 Millionen Franken eingeklagt. Somit war das vom Betrag her der grösste Wirtschaftsfall, den die Wirtschaftspolizei in Liechtenstein je bearbeitet hat. Auch der Fall des Anlagebetrügers S. ging ständig durch die Medien. Ein Schaden von ungefähr 33 Millionen Euro kam letztlich zur Anklage. Ungewöhnlich war, dass hier auffällig viele Liechtensteiner Geschädigte waren und einige wenige Prominente aus dem Ausland. Ebenfalls erwähnenswert ist der Fall der Angestellten der Liechtensteiner Arbeitslosenversicherung. Sie zweigte während ihrer 14-jährigen Tätigkeit – bis zur Pension – 2,9 Millionen Franken ab. Die Frau hatte also eine recht grosse kriminelle Energie und wurde nun vor einigen Monaten in letzter Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt. 

Erleben Sie auch Täter, die bei der Aufdeckung der Fälle kooperativ sind?  
Ja, das gibt es auch. Gegen einen Liechtensteiner Treuhänder wurde vor Kurzem wegen einer Schadenssumme von etwa 25 Millionen Franken ermittelt. Er war bei der Aufklärung der Tat wirklich sehr kooperativ. Aber grundsätzlich ist ein Beschuldigter ja nicht gesetzlich dazu verpflichtet, mitzuhelfen und sich eventuell selbst zu belasten. 

Haben sich die Wirtschaftsdelikte in den letzten Jahren gehäuft?  
Von einer Erhöhung der Fallanzahl kann man nicht sprechen. Aber der Ermittlungsaufwand ist wesentlich grösser geworden. Wir sind mit den einzelnen Fällen also länger beschäftigt. Es entsteht ein gewisser Zeitdruck. Im April wird Polizeichef Jules Hoch die aktuellen Zahlen im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt geben. Aber hinsichtlich der Deliktsumme des abgelaufenen Jahres lässt sich sagen, dass sie sich im zweistelligen Millionenbereich befindet. 

 

Das ganze Interview lesen Sie in der Print-Ausgabe vom 26. Januar oder im  E-Paper von «Wirtschaft regional»  (Abo). 

09. Mär 2019 / 13:37
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