• Philipp Real, Vaduz
    Philipp Real musste in Mexiko auch schon Erfahrungenen mit Drogenkartellen machen. Der Hotelier sieht das allerdings gelassen.  (Tatjana Schnalzger)

Der Weltenbummler

Der Hotelier Philipp Real fand sein Glück in der neuen Welt. Dabei hatte er eigentlich andere Pläne, doch es sollte sich auszahlen. Der Weg des umtriebigen Liechtensteiners führte bis zur Popgrösse Madonna und den Rocklegenden Rolling Stones.
Lateinamerika. 

Das lateinamerikanische Temperament scheint Philipp Real verinnerlicht zu haben. Zu einem Interview zu zweit eingeladen, begrüsst und verabschiedet er das Grossraumbüro des Medienhauses mit einem äusserst lautstarken «Hoi metanand» und «Tschau zemma», sodass sich die Köpfe der Redaktoren verwundert in seine Richtung drehten. Beherbergte diese kleine, im Eigentlichen recht unspektakuläre Episode einen zu grossen Temperamentsausbruch für die alemannisch-stämmigen Anwesenden? Nun, auf die Frage, was Liechtensteiner von den Süd- und Mittelamerikanern lernen könnten, antwortet Real nach kurzem Überlegen entschieden: «offener zu sein, und sich weniger darum zu scheren, was die Freunde, Nachbarn sowie Fremde von einem denken könnten.»

Ein Lebensweg wird beschritten
Der 46-jährige Philipp Real ist der Sohn des Emil und der Jutta Real, die das Hotel Sonnenhof aufgebaut haben. Der Jüngste der vier Geschwister verspürte seit frühen Kindheitstagen Fernweh und folglich den Wunsch, die Welt auszukundschaften und im Ausland zu arbeiten. Doch hatte er in seinen Jugendjahren, vielleicht typischerweise, wenig Interesse, in die Fussstapfen seiner Eltern zu treten. Als Berufswahl schloss Real die Hotelbranche kategorisch aus. Dies änderte sich, als er in seinen frühen Zwanzigern von seinem Bekannten Florin Hoch nach Costa Rica eingeladen wurde, um bei ihm zu arbeiten und nebenher Spanisch zu lernen. Der einzige Knackpunkt: Hoch bot die Arbeitsstelle in seinem Hotel an. Von seiner Sehnsucht nach dem Ausland getrieben, nahm Real das Angebot kurzerhand an. Diese Gelegenheit entpuppte sich als Weg zur Selbstfindung: «Okay, ich muss das weiterziehen!» Er entschloss sich, die Hotelfachschule in Luzern zu absolvieren. Nach Praktiken in Neuseeland, auf Barhelemy und im Tessin begann er seinen «ersten, wirklichen Job» auf der ABC-Insel Curacao. In diesem Lebensabschnitt lernte Real die Einheimischen und seine künftige Frau Gracelia kennen. Familiär und beruflich lag sein Lebensmittelpunkt nun im Ausland. Mit seiner Frau zog es ihn dann in die Vereinigten Staaten, um für die Hotelkette Four Seasons zu arbeiten – zunächst in Miami, daraufhin in Chicago und zuletzt in Palm Springs.

Der Wirt der Stars
In dieser Zeitspanne hatte er das Vergnügen, unter anderem «Madonna» oder die «Rolling Stones» zu bewirten. Natürlich habe es da Anekdoten gegeben, die er aber aus Rücksichtsnahme auf die Privatsphäre seiner illustren Gäste für sich behält. Nur betreffend die englische Rockband gibt er augenzwinkernd zu, dass sie, wie man ja wisse, dem Alkohol und den weiblichen Fans nicht unbedingt abgeneigt seien. Doch die Four-Seasons-Karriere wurde vor 10 Jahren durch ein einschlägiges Ereignis beendet: Die Geburt seiner Tochter Emilia.
«Meine Frau wollte von nun an wieder näher bei ihrer Familie und in ihrem karabischen Umfeld sein», so Real. Folgerichtig zog es die Familie zurück nach Curacao. Lange hielt es ihn aber nicht auf der Insel, denn es gab noch mehr Länder in der Region zu entdecken. Für ihn hiess dies: Aufenthalte als Funktion des General Managers in Argentinien, Mexiko und Panama.

Zeit für eine Pause
Obwohl es Real inzwischen leicht fällt, sich in neuen Ländern zu integrieren, war er in Lateinamerika vermehrt mit Umständen und Problemen konfrontiert, die er aus seiner bisherigen Erfahrung nur teilweise kannte. «Die Hotelbranche ist im Allgemeinen ein relativ schwieriges Gewerbe, weil man mit Arbeitskräften zusammenarbeitet, auf die man sich zu 100 Prozent verlassen muss», sagt Real. «Das ist in Mittel- oder Südamerika teilweise problematisch. Ausbildungen im Hotelgewerbe gibt es dort nicht, wie man es bei uns kennt. Es gibt weder eine Lehre noch eine Hotelfachschule.» Deswegen seien sie dort auf europäische Führungskräfte in dieser Branche angewiesen. «Als Hotelmanager war ich mit Problemen konfrontiert, die durch die Politik einzelner Regierungen entstanden», fügt Real an. In Argentinien unter der Ära Cristina Kirchner litt das Gewerbe unter Importrestriktionen, was zu Knappheit an Produkten führte, die in Argentinien nicht ausreichend produziert wurden. In Mexiko hatte er Drohanrufe des Drogenkartells erhalten, die eine bestimmte Geldsumme auf bestimmten Konten erwarteten. Real liess sich von den Schutzgelderpressungen nicht beeindrucken und meldete die Telefonate bei den entsprechenden Amtsstellen, die daraufhin Ermittlungen führten. «Für mich persönlich war dann aber die Angelegenheit erledigt», so Real.

In Mexiko hatte er seine letzte Stelle inne. Nun gönnt er sich ein halbes Jahr Auszeit, um sich vom Stress zu erholen, den der Beruf als Hotel-Manager mit sich bringt. Von diesen sechs Monaten verbringt er nun zwei Wochen in Liechtenstein, der erste Besuch nach über drei Jahren. Verbunden fühlt sich Real mit seinem Heimatland dennoch. Nicht nur durch sein Elternhaus, dem Sonnenhof, das seine Denkweise als Hotelier prägte – «Das ist mein Dasein» –, sondern auch durch die Bergwelt und das Essen, das er hier wieder geniessen kann. «Gerade die gewöhnlichen Sachen erhalte ich im Ausland nicht: beispielsweise Würste, Fleisch-käse und Käsknöpfle», sagt Real. Lange hält es ihn hier trotz der Esskultur, Natur und des hohen Lebensstandardes nicht. Die Offenheit und das Zwischenmenschliche fehlen ihm, auch wenn er als gutes Beispiel vorangeht. (Damian Becker)

17. Aug 2019 / 08:00
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