• Der Frost hat in den Tallagen Eschens grossen Schaden angerichtet.  (Uwe Hoop)

Die Reben im Unterland haben gelitten

Die Rückkehr des Winters vergangene Woche hat in den Rebbergen von Weinbau Hoop in Eschen grossen Schaden angerichtet. Beim Chardonnay wurden 60 Prozent Frostschäden verzeichnet. Ungewöhnlich ist allerdings, dass nur das Unterland betroffen ist.
Weingut. 

Nach dem letztjährigen Rekordjahr für die Winzer und einem ungewöhnlich warmen Frühling und Sommer zeigt sich das Wetter – zumindest der Frühling – in diesem Jahr bisher nicht so gnädig. Es sind aber nicht die derzeitigen Eisheiligen, die Winzer Uwe Hoop aus Eschen die Chardonnay-Ernte sozusagen «verhagelt» hat, sondern der Wintereinbruch der vergangenen Woche. «Wir mussten leider feststellen, dass wir 60 Prozent Frostschäden beim Chardonnay zu verzeichnen hatten –mal schauen, was 2019 noch so mit sich bringt.»

«Frost ist in der Talsenke hängen geblieben»
Seltsam ist, dass lediglich Uwe Hoop und sein Chardonnay in Eschen von den Frostschäden betroffen ist. Die anderen Winzer blieben offenbar vom Kälteeinbruch verschont beziehungsweise litten die Trauben in den Tallagen im Unterland mehr als jene im Oberland. «Generell waren die Weinberge in den höheren Lagen nicht so sehr vom Frost betroffen. Offenbar ist der Frost in der Talsenke hängen geblieben», sagt Uwe Hoop. Betroffen sei zudem auch nur der Chardonnay. «Der Ausfall ist hoch. Aber die Situation kann sich bis zum Herbst noch erholen», weiss Hoop. Nun müssten die betroffenen Triebe «ausgebrochen» werden. Dann hofft Hoop auf die sogenannten «schlafenden Augen». Also neue Sprosse und Triebe, die sich in den Winterknospen befinden und im Notfall als Ersatzknospen dienen können. Sie treiben in der Regel nur dann aus, wenn das Hauptauge oder der daraus hervorgehende junge Trieb durch äussere Umstände, wie eben Frost, zerstört wurde. «Diese sind zwar nicht so ertragreich wie die Haupttriebe, aber ich lasse mich überraschen», so Hoop. Klar sei aber schon jetzt, dass der Ertrag in diesem Jahr niedriger ausfalle. Genaueres könne er aber erst in ein bis zwei Monaten sagen.

Keine Minusgrade – keine Probleme
Gemäss Uwe Hoop sind auch einzelne Hobbywinzer im Unterland von Frostschäden betroffen, keine Schadensmeldungen gibt es allerdings aus dem Oberland. Auch Sebastian Gunsch, Kellermeister der Hofkellerei Vaduz, war überrascht, als er von den Frostschäden im Unterland erfuhr. «Ich kann es mir kaum erkären. Denn es ist sicher kein spezifisches Problem der Traubensorte, sondern kann nur auf die Wetterlage zurückzuführen sein.» Der Wintereinbruch der vergangenen Woche habe dem Unterland kältere Temperaturen beschert. Und weil die Kaltluft am Boden schwebe, habe es dort wohl die Weinberge in den Tallagen schlimmer erwischt. «Wir haben hier in Vaduz das Gras deshalb kurzgehalten. Aber wir hatten auch das Glück, keine Minusgrade verzeichnet zu haben», so Sebastian Gunsch. Ebenfalls ein Vorteil sei, dass sich dieSonne im Oberland später zeige als im Unterland. Sitze Frost auf den Blättern, könne sie diese nämlich verbrennen. Dadurch, dass die Sonne im Oberland später scheine, seien die Temperaturen aber meist schon so weit angestiegen, dass auch kein Frost mehr auf den Blättern sitze. Aber was ist mit den Eisheiligen, die noch bis zum 15. Mai dauern? Können diese noch Schaden anrichten? «Das glaube ich nicht», so Sebastian Gunsch. Es seien keine weiteren Minustemperaturen prognostiziert, weshalb Gunsch keine weiteren Probleme erwartet.

Die Achterbahnfahrt des Jahres 2017
Vergleichbar ist die derzeitige Situation für den betroffenen Winzer Uwe Hoop mit dem Jahr 2017. «Damals waren allerdings viele  betroffen, erinnert er sich. Tatsächlich waren es ziemlich dunkle Wolken, die 2017 über Liechtensteins Rebbergen hingen. Der Frühling erwies sich als unverhältnismässig garstig. Vor allem im April setzten Frostnächte den Reben ordentlich zu und hemmten deren Entwicklung. Rund einen Monat lang sind die Pflanzen überhaupt nicht mehr gewachsen und für die herbstliche Weinernte verhiess das wahrlich nichts Gutes. In den Monaten danach  fanden die Reben zwar wieder gute Blüh- und Wachstumsbedingungen vor, aber in den Monaten August und September, der entscheidenden Phase der Reifung, meinten es die äusseren Bedingungen wieder etwas weniger gut mit den Reben. Wechselhafte Witterungen führten dazu, dass Teile der Früchte von Pilzkrankheiten befallen wurden und sich die Trennung von gesunden und kranken Trauben entsprechend mühselig gestaltete. Alles in allem eine veritable Achterbahnfahrt, die das Wetter Pflanzen und Winzern 2017 beschert hat. Bleibt zu hoffen, dass diese Achterbahnfahrt im Jahr 2019 nicht wiederholt wird. (dv)

14. Mai 2019 / 06:00
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