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Der Druck auf private Haushalte steigt

Aufgrund der Coronakrise können einige Haushalte ihre Rechnungen oder Krankenkassenprämien nicht zahlen.
Symbolbild Bankomat
Die Schuldenspirale dreht sich in Zeiten von Kurzarbeit noch schneller. (Bild: Tatjana Schnalzger)

Der Ausbruch von Covid-19  und die behördlichen Massnahmen stürzen nicht nur ganze Volkswirtschaften in die Rezession, sondern auch private Haushalte spüren die Einkommenseinbussen. Zu Spitzenzeiten befanden sich fast 11 000 Angestellte in Liechtenstein in Kurzarbeit. Wie die Schuldenberatung von «Hand in Hand» in Liechtenstein auf Anfrage erklärt, bekommen private Haushalte die Einkommenseinbussen infolge der Kurzarbeit langsam zu spüren. Sie verzeichnet derzeit vermehrt neue Anfragen. Rechnungen sind zu Beginn der Krise liegen geblieben, um sie später zu bezahlen, doch das Geld fehlt.

Im Rückstand mit den Krankenkassenprämien
Auch bei den Krankenkassenprämien macht sich das in der Schweiz, aber auch in Liechtenstein bemerkbar, wie die Swica auf Anfrage erklärt. «In den letzten Monaten erhielten wir immer wieder telefonische und schriftliche Meldungen von Versicherten, die wegen der Situation mit Corona nicht zahlen konnten», erklärt Claudia Brüngger, Mediensprecherin der Swica. In diesem Fall habe man versucht, zusammen mit der betroffenen Person eine Lösung zu finden. 
Dabei waren die privaten Haushalte in Land schon vor der Krise hoch verschuldet. Im Jahr 2018 betrug die gesamte Verschuldung der Haushalte in Liechtenstein rund neun Milliarden Franken oder 230 000 Franken pro Kopf. Dies entspricht 136 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Den grössten Anteil machten dabei Hypotheken aus. Nur in Dänemark und Australien sind die Privathaushalte noch höher verschuldet. Die Schweiz liegt bei «nur» 140 000 Franken Schulden pro Kopf. 
Direkt vergleichen lassen sich die Zahlen nicht. Denn Faktoren wie die tiefen Steuern in Liechtenstein, die hohe Jobsicherheit und die hohen Einkommen wirken stabilisierend. Die Coronakrise hat aber einiges auf den Kopf gestellt. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich die Arbeitslosigkeit in Liechtenstein zum Beispiel um 136 Personen.

Einzelfälle oder ein grosses Risiko für Liechtenstein?
Die Finanzmarktaufsicht (FMA) sieht die hohe Privatverschuldung als grundsätzlich strukturelles Risiko, welches unabhängig von der aktuellen konjunkturellen Lage beobachtet werden muss. Gleichzeitig sei die Coronapandemie ein unerwartetes Ereignis, welches negative Auswirkungen auf die Schuldennachhaltigkeit haben könnte. «Sollte die globale Rezession beispielsweise stärker als erwartet ausfallen, könnte sich die Lage am Arbeitsmarkt auch hier in Liechtenstein weiter verschärfen, wodurch manche besonders verwundbare Haushalte in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnten», erklärt Martin Gächter, Leiter Finanzstabilität sowie Makroprudenzielle Aufsicht. 
Davon sei aber aus heutiger Sicht kaum auszugehen: Ähnlich wie in der Finanzkrise vor über zehn Jahren sei zu erwarten, dass die heimischen Unternehmen versuchen werden, ihre Fachkräfte auch in der Krise zu halten, damit die Mitarbeitenden in der Erholungsphase schnell wieder zur Verfügung stehen. Die Kurzarbeit, welche nicht nur in Liechtenstein genutzt wird, sei laut Gächter ein wichtiges Instrument, um Arbeitsplätze zu erhalten und die nachfolgende Erholung erheblich zu unterstützen. «Zudem ist die Verschuldung der Unternehmen in Liechtenstein niedrig, der öffentliche Sektor weist hohe Reserven auf und der Bankensektor ist im internationalen Vergleich weit überdurchschnittlich kapitalisiert», betont Gächter.

Obwohl es in Liechtenstein eine ganze Reihe von solchen  stabilisierenden Faktoren gibt, sei es trotzdem wichtig, die strukturellen Risiken im Auge zu behalten, um gegebenenfalls gezielt reagieren zu können. Derzeit arbeitet die FMA in Kooperation mit dem Amt für Statistik an einer vertieften Analyse über die privaten Haushalte und ihren Schulden.
Wie sich die Coronakrise auf die Verschuldung genau auswirken wird, sei schwer absehbar: «Einerseits ist zu erwarten, dass das Niedrigzinsumfeld noch länger anhalten wird, was die Verschuldung weiter antreiben könnte», sagt Gächter. Andererseits könnte die globale Rezession die Risikoaversion der Haushalte erhöhen, wenn die Angst vor einem Jobverlust steigt. Dann würde wohl die Sparquote aus Sicherheitsgründen steigen und die Nettoverschuldung könnte daher sinken. Vieles werde davon abhängen, wie lange die Coronapandemie andauern wird und wie stark die damit verbundenen wirtschaftlichen Auswirkungen ausfallen werden. (dal)

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