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    ppmc analytics Wolfgang Praschnig. Bild Rudi Schachenhofer 16.10.2019  (Rudi Schachenhofer)

«Daten sind das neue Gold»

In Ruggell befindet sich das einzige Business-Intelligence-Unternehmen Liechtensteins namens ppmc group. Geschäftsführer Wolfgang Praschnig spricht im Interview über die Gründerzeit, die Wachstumsaussichten und die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Ruggell.

Herr Praschnig, wie würden Sie Ihren Beruf bezeichnen?
Ich bin aufgrund meiner Ausbildung Elektro-Ingenieur und akademischer Produktentwicklungs-Manager. Aber die Berufe, die meine Branche auszeichnen, heissen Business-Intelligence-Entwickler und Business Intelligence Consultant. 

Was ist der Unterschied?
Als Consultant bin ich eigentlich der Berater, der die Projekte aufgleist, und meine Entwickler setzen sie dann um. Der Consultant ist unter anderem auch verantwortlich dafür, den Unternehmen aufzuzeigen, welche Kennzahlen Sinn ergeben und wie man sämtliche Datenmengen in einen Topf bringt, damit das Management mit einem Blick in der Lage ist, die relevantesten Zahlen des Unternehmens einzusehen.
 
Sie bieten also, vereinfacht gesagt, Unternehmen die Möglichkeit, komplexe Datenströme zu veranschaulichen?
Ja, wir arbeiten mit unseren Kunden gemeinsam an der Spezifikation und Umsetzung von Kennzahlen und Reports. Der Umfang und die Intensität unserer Leistungen sind dabei auch stark abhängig von unseren Kunden, die wir wiederum individuell abstimmen. Schlussendlich agieren unsere Lösungen als zentrale Datendrehscheiben, welche Daten sammeln, konsolidieren und weitergeben. 

Können Sie ein Beispiel nennen?
Im Manufacturing beispielsweise gehen wir so weit, dass wir schlussendlich der Maschine die Auftragsreihenfolge vorgeben. Unsere Kompetenz ist, kurz gesagt, aus allen verfügbaren Daten eines Unternehmens die wichtigsten Informationen zu extrahieren, Berechnungen durchzuführen und die Ergebnisse visuell verständlich darzustellen.

Haben Sie in Ihrem Geschäftsfeld überhaupt Konkurrenten?
In Liechtenstein und auch im Alpenrheintal sind wir das einzige Unternehmen, welches Leistungen in diesem Bereich anbietet. Wir sind wie einige andere Unternehmen auch Partner des Softwareherstellers Qlik, der weltweit zu den Marktführern im Bereich Business Intelligence gehört. Uns unterscheidet von anderen Partnerunternehmen, dass wir zu hundert Prozent das gesamte Port-folio rund um Business-Intelligence-Leistungen mit der Software Qlik anbieten. 

Wann fiel der Startschuss für ppmc group?
Das war 2007. Zwei Jahre später bin ich bereits nach Triesen gezogen, weil ich hier in Liechtenstein einen interessanten Markt erkannte. 2012 ging es dann richtig los mit dem Wachstum. 2019 haben wir mit der Gründung der ppmc analytics und dem Standortwechsel innerhalb Ruggell einen weiteren strategischen Meilenstein geschafft.

Wie verlief das personelle Wachstum?
Ab dem Jahr 2012 waren wir bereits zu zweit im Unternehmen. 2013 wuchsen wir im Zuge einer Geschäftspartnerschaft auf acht Mitarbeiter. Diese Partnerschaft ging dann leider in die Brüche. Heute sind wir zehn Mitarbeiter im Betrieb. Und wir wollen noch grösser werden. 2025 sollten auch 25 Angestellte in unserer Firma arbeiten. 

Gibt denn dieser Markt so viel her?
Davon bin ich überzeugt: «Daten sind das neue Gold.» Jedes Unternehmen spricht heutzutage von Digitalisierung. Wir holen sämtliche Daten eines Unternehmens ab und bereiten sie letztlich so auf, dass sie auch verwendet werden können. Wenn heute ein Manager morgens am PC sitzt, muss er mitunter möglichst schnell geschäftsrelevante Entscheidungen treffen und die Zahlen vor sich liegen haben. Genau das und vieles mehr bauen wir für Unternehmen auf.  

Es besteht aber doch eine gewisse Abhängigkeit zum Softwareunternehmen Qlik.
Ja, in gewisser Weise ist das richtig. Der Trend geht auch zu anderen Produkten der Marktführer im Bereich Business Intelligence. Wir sind aber permanent daran, unser Portfolio schrittweise zu erweitern.

Welche weiteren strategischen Schritte planen Sie?
Wir schauen uns bereits nach einem weiteren Standort im Ausland um. Der Ort hängt aber von unserem Kunden-fokus ab. In Frage kommen aktuell etwa Schweiz oder Deutschland.

Was würden Sie denn als grössten Erfolg Ihres Unternehmens bezeichnen?
Stolz bin ich in erster Linie auf die Vergrösserung des Unternehmens von einem Ein-Mann-Betrieb zu zehn Angestellten. Meilensteine zwischendrin hat es immer wieder gegeben. Mich freut auch, dass wir als kompetentes Klein-unternehmen wahrgenommen werden, das nicht nur in Liechtenstein aktiv ist, sondern auch in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Schweden oder gar in USA. 

Welche Niederlagen mussten Sie einstecken?
Als Niederlage würde ich das Jahr 2016 bezeichnen, in dem wir eigentlich schon eine komplette Mannschaft waren, Softwareentwicklung und Business Intelligence im Angebot hatten und plötzlich mein Unternehmens-partner andere Wege einschlagen wollte. Durch diesen Schritt reduzierte sich unsere Mannschaft auf drei Mitarbeiter. Damals ging auch viel Kompetenz verloren, die wir aber nun wiederaufgebaut haben. 

Sie sind gebürtiger Kärtner. Was schätzen Sie an Liechtenstein und insbesondere an Ruggell?
Ich lebe seit knapp 30 Jahren in Vorarlberg. Liechtenstein ist für mich vergleichbar mit Vorarlberg. Ich nehme sowohl eine ähnliche Sprache als auch Mentalität wahr, die mir gefällt. Die Location ist «lässig». Wirtschaftlich betrachtet ist Ruggell und natürlich Liechtenstein als Zentrum im Dreiländereck einfach ein Top-Standort. Ich schätze auch die nahen Wege zu den Nachbarländern und damit zu unseren Kunden. 

Wird Ihnen an manchen Tagen auch bewusst, wie schnell sich insbesondere der Wirtschaftsstandort Ruggell entwickelt hat?
Ich bekomme das auf jeden Fall mit. Mittlerweile befinden sich auch viele kleinere Unternehmen in Ruggell, also Start-ups, die hier Fuss fassen. Auch wir arbeiten mit anderen Unternehmen zusammen wie beispielsweise Softwareentwicklern. Mir gefällt das gesamte Zusammenspiel dieser Kleinunternehmen. Die Wirtschaft floriert: Sobald ein neues Bürogebäude errichtet wird, ist es auch gleich schon voll. Ich kenne zwar das Rezept nicht hinter diesem Ruggeller Wachstum, aber es funktioniert.  (rpm)

 

20. Okt 2019 / 05:45
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