• Jasmin Collini Heidegger in Triesen
    Im Alter von 24 Jahren übernahm Jasmin Collini Heidegger die Geschäftsleitung zusammen mit ihrem 26-jährigen Bruder Jakob Heidegger. Heute gehört die Max Heidegger AG zu den grössten Autohäusern in Liechtenstein und der Region. FOTO & COPYRIGHT: DANIEL SCHWENDENER  (Daniel Schwendener)

«Das Thema Auto berührt viele auch emotional»

Seit August begrüsst die Max Heidegger AG ihre Kunden im rundum erneuerten Zuhause. Im Gespräch erklärt Jasmin Collini Heidegger die Gründe für den Umbau und die Ziele des Unternehmens. Ausserdem diskutiert sie die Auswirkungen der Elektromobilität auf das Geschäft.

Frau Collini Heidegger, Sie sind jetzt seit Ende August in Ihrem rundum erneuerten Zuhause. Wie haben Sie sich eingelebt?
Sehr gut, es ist alles gut angelaufen.


Weshalb haben Sie sich entschieden, das alte Gebäude aufzustocken und zu renovieren?
Wir sind mit dem alten Gebäude an unsere Grenzen gestossen und mussten externe Hallen anmieten. Das führte zu immer höheren logistischen Herausforderungen und war auch vom Sicherheitsaspekt her nicht ideal. Wir haben dann verschiedene Möglichkeiten geprüft, darunter einen Neubau auf grüner Wiese. Da der Boden, auf dem wir heute stehen, aber der Familie gehört, wollten wir diesen bestmöglichst nutzen. Wir haben deshalb die vom Recht her geltenden Masse maximal ausgenutzt, auch dank dem Näherbaurecht der Nachbarn. Das erlaubt uns, alle unsere Dienstleistungen unter einem Dach zu erbringen. Die Wege sind viel kürzer geworden.


Waren auch die immer strenger werden Corporate-Identity-Vorschriften der Hersteller ein Grund? Darüber klagen ja viele Garagisten.
Es war auch ein Grund, ganz klar. Diese hätten allerdings nicht einen so grossen Umbau nötig gemacht.


Fühlt man sich da manchmal etwas eingeschränkt?
Man ist eingeschränkt. Aber man muss es positiv sehen: Die Vorgaben bieten auch einen gewissen Schutz. Jeder Kunde, egal ob er in Düsseldorf oder in Abu Dhabi in eine BMW-Garage geht, fühlt sich als Teil der BMW-Welt. Die Ansprüche sind nicht nur vom Hersteller hoch, sondern gerade auch von den Kunden und den Mitarbeitern. Diesen gilt es, gerecht zu werden.


Blicken wir etwas zurück. Als Ihr Vater 1962 die Garage gründete, war BMW noch gar nicht im Angebot.
Das ist richtig, damals verkaufte er Simca und Jaguar. Bereits ein Jahr später kam BMW dazu. Er war damals der Erste im Land, welcher BMW verkaufte. Die Marke hatte damals noch nicht den Ruf, welchen sie heute geniesst.


Weshalb hat man sich im Laufe der Jahre entschieden, auf BMW, Alpina und Mini zu setzen?
Viele Hersteller bevorzugen Exklusivverträge bei Garagen. 1978 entschied mein Vater, sich von Jaguar zu trennen – ein Entscheid, der ihm sehr schwerfiel. Doch BMW war bereits zu unserem Kerngeschäft avanciert und Jaguar kämpfte gleichzeitig mit Qualitätsproblemen.


Sie stiegen 1992 ins Geschäft ein. War das immer der Plan?
Damals standen dieselben Probleme an wie heute. Am Standort an der Landstrasse war es zu eng geworden, die Lage mitten im Dorf war nicht mehr optimal. Unser Vater wollte sich aber aus dem Geschäft zurückziehen und dieses an seine Kinder übergeben. Und da kamen wir ins Spiel. Vater erstellte den Bau in Rekordzeit und übergab das Geschäft dann an uns.


Von da an übernahmen Ihr Bruder Jakob und Sie.
Richtig. Wir waren ja fünf Geschwister, zwei davon waren allerdings noch zu jung, eine Schwester konnte aus familiären Gründen nicht. Also übernahmen Jakob, damals 26, und ich mit 24 Jahren den Betrieb.


Wie viele Mitarbeiter hatten Sie damals?
Ungefähr 35.


Und wie war es für Sie, so früh so viel Verantwortung zu tragen? Wie gingen Sie damit um?
Glücklicherweise wurden wir von Anfang an von unseren Kunden und Mitarbeitern getragen. Zudem erarbeiteten wir uns den nötigen Respekt, indem wir beide extrem fleissig waren. 15-Stunden-Tage waren keine Seltenheit. Es war eine Lebensschule.


Trotzdem hatte man im Notfall mit dem Vater ja noch das «Back-up» …
(unterbricht) Nein, nein. Unser Vater hat sich von Beginn an rausgehalten. Er wollte nicht einmal einen Schlüssel! Er war der Überzeugung, dass er mit einem Schlüssel nur uns kontrollieren werde und dabei sieht, was wir anders machen als er. Aber damit wir uns nicht falsch verstehen: Das Verhältnis zu unserem Vater war super. Er wollte uns einfach nach der Übergabe die grösstmögliche Freiheit lassen.


Und die nächste Generation steht ebenfalls schon in den Startlöchern?
Wenn alles gut geht, würden wir uns natürlich freuen, wenn wir die Familientradition weiterführen können. Jakob und ich haben diesen Bau ja nicht nur für uns erstellt. So eine Investition ist langfristig gedacht. Selbstverständlich wäre es toll, wenn wir den Betrieb weiterhin in Familienhand lassen können und diesen in die nächste Generation übergeben dürfen. Zwei meiner Kinder haben eine technische Ausbildung bei uns im Betrieb gemacht. Nun sind sie in der beruflichen Weiterbildung. Ich denke, sie werden noch Fachhochschulen oder Hochschulen besuchen. Von da her ist noch nichts spruchreif. Wir wollen ihnen alle Freiheiten lassen.

Sie sagten zu Beginn des Gesprächs, dass Sie mit dem alten Gebäude an die Kapazitätsgrenzen stiessen. Demnach wachsen Sie weiter stark?
Als wir 1992 das Geschäft übernahmen, verkauften wir jährlich 400 Autos. Unterdessen ist es das Doppelte. Und wir streben natürlich die magische Marke von 1000 Autos an. Ausserdem wird in der heutigen Zeit der ganze After-Sales-Bereich immer wichtiger: Ersatzteile, Service, Lackiererei, Karosserie und vieles mehr.


Wie wollen Sie Ihr Ziel von 1000 Fahrzeugen erreichen?
Wir wollen es vor allem über die breite Angebotspalette erreichen. Sowohl Liechtenstein als auch die umliegende Region wachsen stetig. Davon wollen wir profitieren. Und das wollen wir wiederum damit erreichen, indem wir nah am Kunden sind. Bereits beim ersten Kontakt mit uns soll der Kunde ein positives Erlebnis haben.


Aber Ihre Kunden kommen nach wie vor aus der Region?
Ja, der Grossteil kommt aus Liechtenstein und der Region. Wir haben aber auch von weiter her Kunden, einen sogar aus Monaco. Wir haben dank der Renngeschichte unseres Hauses auch bei BMW-Enthusiasten einen guten Ruf, so- dass manche einen längeren Weg zu uns auf sich nehmen.


Sie bieten auch ein Autohotel an. Was hat es damit auf sich?
Wir haben Kunden, welche Raritäten oder Liebhaberobjekte besitzen. Wenn man zu Hause keinen optimalen Platz für die Fahrzeuge hat, kann man sich entsprechend Garagenplätze dazumieten. Wir können auf Wunsch das ganze Concierge-Paket und Detailing anbieten. Das bedeutet, dass wir neben dem Einstellplatz auch den Komplettservice für die Dienstleistungen anbieten können. Dazu kommt, dass wir hohen Wert auf Diskretion legen, da einige kostbare Raritäten bei uns stehen. Deshalb gibt es einen Teil des Gebäudes, in welchen nur die Mitglieder der Geschäftsleitung sowie ein speziell geschulter Mitarbeiter Zugang haben.


Ist das ein gutes Geschäft? Oder hat sich das nebenher so ergeben?
Das Autohotel wird stark nachgefragt. Wir haben unterdessen so viele Anfragen, dass wir diese gut platzieren müssen.


Sie sind seit bald drei Jahrzehnten in der Branche. Was hat sich in dieser Zeit am meisten verändert?
(überlegt) Das Auto geniesst nach wie vor eine grosse Faszination. Was sich aber sicher geändert hat, ist die Entwicklung der Garagen. Früher war eine Garage einfacher aufgestellt. Heute ist es ein Hochleistungsbetrieb. Rein die Anforderungen der Hersteller sind viel höher als früher. Auch die internen Abläufe sind viel komplexer, aber auch professioneller geworden. Unsere Marken wollen an der Spitze der Entwicklung in der Automobilbranche stehen. Und genau da sehen wir uns als Autohaus auch.


Stichwort Faszination: Woher kommt eigentlich eine solche für Autos? Eigentlich ist es ja «bloss» ein Gebrauchsgegenstand. Trotzdem gibt es richtige Fans für Ihre Fahrzeuge.
Das hängt wohl auch mit dem Investitionsvolumen zusammen. Neben dem Haus ist ja ein Auto meist die zweithöchste Ausgabe in einem Haushalt. Deshalb berührt das Thema viele auch emotional. Manche entwickeln Gefühle für das Auto.


Wirklich?
Wir hatten einmal die Idee, ein Fenster Richtung Werkstatt, einzubauen, damit Kunden direkt in die Garage schauen konnten. Das machten wir schnell wieder rückgängig. Gewisse Kunden reagierten schockiert, wenn wir den Motor aus ihrem Auto rausholen mussten. Ihnen hat das Herz geblutet, ihr Auto so zu sehen.


Wie schaut ein typischer BMW-Kunde aus?
Er ist sicher ein sportaffiner Fahrer mit einem hohen Qualitätsbewusstsein, der Wert auf Verlässlichkeit legt. Ausserdem haben unsere Kunden Freude am Fahren. Aber den «typischen» BMW-Fahrer gibt es nicht, dafür ist unsere Kundschaft zu unterschiedlich.


Trotzdem gibt es wohl über keine Automarke solche Klischees wie über BMW-Fahrer.
Witze und Neckereien gehören zum Geschäft und zeigen gleichzeitig, dass BMW vieles richtig macht. Aber wer mal einen Tag zu uns in die Garage kommt, sieht, wie breit gefächert unsere Kundschaft ist.


Derzeit fegt eine grüne Welle über viele Teile Europas. Das Auto ist unter Beschuss wie noch nie. Merkt man das als Autohaus?
Wir haben den grossen Vorteil, dass wir Hybrid- und Elektroautos anbieten können. BMW kann heute allen Kundenbedürfnissen gerecht werden. Von daher spüren wir das noch nicht so stark. Aber es kommen neue Entwicklungen auf uns zu, zum Beispiel im Bereich «Car Sharing». Dann besitzt man kein Auto mehr, sondern mietet es nur noch bei Gebrauch. Als Garage hat man da zwei Möglichkeiten: Entweder man macht mit oder man lässt es bleiben. Wir wollen den Wind der Veränderung zum Segeln brauchen, mutig sein und offen gegenüber Veränderungen.


Wohin geht Ihrer Ansicht nach die Reise – werden sich Elektroautos durchsetzen?
Wenn ich das sagen könnte, wäre ich ein Millionenjoker. Elektromobile sind sicher eine Alternative, aber neue, weitere Technologien werden sicher bahnbrechnde Veränderungen in den Antriebsarten mit sich bringen. Wir sind gespannt ob der Neugikeiten, die vor uns liegen. (ags)

04. Nov 2019 / 08:33
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