Das Geschäft mit den Ferien

Wer kurzfristig eine Reise antreten möchte oder eine Unterkunft sucht, nutzt nicht selten eine der grossen Online-Buchungsplattformen. Was für den Kunden einen Vorteil darstellt, setzt Hotels unter Druck.

Knapp 30 Prozent aller Hotel­buchungen in der Schweiz laufen über Online-Buchungsportale – das zeigt eine Studie der Fachhochschule Westschweiz Wallis. Diese Entwicklung kann auch Jürgen Schächle, Vizepräsident des Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverbands (Lhgv), bestätigen. «Ohne Online-Buchungsportale geht es nicht mehr. Die Hotels sind auf diese angewiesen und nehmen die zu zahlenden Provisionen in Kauf.» Und diese Abgaben sind beachtlich: Je nach Buchungsportal liegen die Provisionen zwischen 10 und 20 Prozent. Wobei das nur die minimalen Abgaben sind. «Ein Hotel kann sich bei den Portalen auch mit einer höheren Provision einen besseren Anzeigeplatz sichern», weiss der Geschäftsführer der «Wein­stube» in Nendeln.

Drei Player bestimmen den Markt
Laut der Studie werden immer noch fast 60 Prozent der Buchungen über die direkten Buchungskanäle getätigt. Dazu gehören Reservierungen per Telefon, E-Mail und über die Webseiten der Hotels. Nur etwa 11 Prozent der Buchungen laufen über Reisebüros und Veranstalter. Dagegen steigt der Marktanteil an Online-Buchungsportalen (OTA) jedes Jahr kontinuierlich an und liegt bereits knapp bei 29 Prozent. Die drei grössten OTA sind Booking.com mit einem Online-Buchungsmarktanteil von 72 Prozent, Expedia mit 16 Prozent und HRS mit 6 Prozent. Der Umsatz, den die Unternehmen generieren, ist beachtlich. Booking.com gehört zur amerikanischen Booking Holdings, welche für das Jahr 2018 einen Umsatz von 14,5 Milliarden US-Dollar ausweisen konnte. Auch der Mitbewerber Expedia konnte im vergangenen Jahr etwas mehr als 11 Milliarden weltweit umsetzen. Das deutsche Unternehmen HRS ist mit einem Umsatz von 200 Millionen dabei vergleichsweise klein.

Ihre Marktstellung können die OTA besonders dadurch festigen, dass sie für ihre Kunden eine breite Auswahl an unterschiedlichsten Angeboten bereithalten. Wer eine Reise machen möchte, muss sich nicht auf unzählig vielen Internetseiten umschauen oder dicke Prospekte blättern. Man kann einfach die Portale besuchen, die gewünschten Kriterien auswählen und schon werden die Ergebnisse übersichtlich angezeigt. Für die Hotels hingegen entsteht so ein gewisser Zwang zur Zusammenarbeit mit den Unternehmen. Eine Unterkunft, die nicht bei Booking.com, Expedia oder HRS gelistet ist, wir seltener gebucht. Ausserdem müssen Hotels auch den Anforderungen der Portale entsprechen. Sie müssen beispielsweise kostenlose Last-Minute-Stornierungen akzeptieren und dürfen auf ihren eigenen Kanälen keine billigeren Angebote anpreisen. Falls sie dem nicht entsprechen, fallen sie in der Auflistung weiter nach unten oder werden von den Seiten verbannt. So können die Portale ihre Position auf dem Markt behaupten.

Abhängigkeit nicht immer gleich
Wie stark ein Hotel von den Online-Buchungsportalen abhängig ist, ist laut Peter Ritsch, Head of Sales & Service der B-Smart-Selection in Bendern, unterschiedlich. «Besonders neue Hotels sind auf die Portale angewiesen. Wiederkommende Gäste buchen gerne auf der hoteleigenen Webseite. So sind etablierte Häuser nicht so sehr auf Online-Buchungsportale angewiesen». Aber auch in Bendern buchen etwa 30 bis 35 Prozent aller Gäste ihre Hotelzimmer bei einem der grossen Buchungsportale. Diese Zahlen treffen aus Erfahrung von Jürgen Schächle wahrscheinlich auf die meisten Hotels in Liechtenstein zu. Für die Hotels ergeben sich durch die Abhängigkeit jedoch auch Vorteile. So erklärt Luana Wüstiner vom Grand Resort Bad Ragaz: «Die Buchungsportale haben eine enorme Reichweite, von welcher wir profitieren. Die Präsenz trägt zur Bekanntheitssteigerung bei. Deshalb sind die Buchungsportale für uns grundsätzlich sehr wichtig.»

Nicht nur Hotels, sondern auch Reisebüros können von den OTA profitieren, wie Nicole Ercin von der Traveller AG in Vaduz erklärt. «Wir buchen einige Angebote auch online bei den grossen Buchungsportalen. Im Unterschied zu Privatpersonen, die selbst im Internet buchen, bekommen wir aber vielfach noch bessere Angebote als online angezeigt werden. Diese günstigeren Preise können wir an unsere Kunden weitergeben. Ausserdem hört unsere persönliche Betreuung nicht mit der Buchung auf.»

Die Entwicklung der Branche
Die Umsätze bei Online-Buchungen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und die Prognosen für die kommenden Jahre zeigen ein ähnliches Bild. Das ist unter anderem dadurch zu erklären, dass Menschen immer öfter kurzfristig buchen und sich spontan für Städtetrips entscheiden. In diesen Fällen sind das Internet und die OTA eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, einen Aufenthalt zu finden. Somit werden die grossen Online-Buchungsportale wie Booking.com, Expedia und HRS ihre Bedeutung und den Marktanteil auch in der kommenden Zeit weiter steigern – was aber auch die Abhängigkeit von diesen wachsen lässt. Für das Hotelgewerbe ist damit klar: Wer sich nicht auf eine Kooperation einlässt, wird umsatztechnische Einbussen haben und im konkurrierenden Markt den Kürzeren ziehen.

Das Preismodell bei Online-Buchungen und die Parameter, die von den OTA bei den Preisberechnungen berücksichtigt werden, sind nicht leicht zu durchschauen. Mit einigen Tricks können Kunden die Preise dennoch zu ihren Gunsten beeinflussen. (lat)

19. Apr 2019 / 15:53
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