• Baustelle DLZ, Triesen
    Von Seiten der Bauunternehmer werden keine zusätzlichen Massnahmen getroffen, welche über die behördlichen Empfehlungen hinausgehen.  (Tatjana Schnalzger)

Coronavirus auf dem Bau vernachlässigt

Dass sich die behördlichen Empfehlungen auf Baustellen nicht konsequent einhalten lassen, beunruhigt manche Arbeitnehmer.
 
Zur Eindämmung des Coronavirus sind sämtliche Geschäfte geschlossen, die nicht den lebensnotwendigen Bedarf abdecken. Während die Baustellen im Kanton Genf ab Freitag geschlossen sind, wird in der Region weiter gewerkelt. Dies verunsichert  manche Arbeitnehmer. Stellvertretend  für die Zunft erzählt ein Bauarbeiter auf der Facebookseite des «Vaterlands» von überfüllen Baracken, Fahrten im Firmenbus mit fünf Personen und mobilen Toilettenkabinen, die einmal in der Woche gereinigt werden. Ihm zufolge lasse sich der empfohlene Abstand zwischen den Mitarbeitern nicht konsequent einhalten, was zum Beispiel auch Philipp Frick, Geschäftsleitungsmitglied von Frickbau in Schaan,  weiss. Zur Lage erklärt er: «Es arbeitet nur, wer wirklich gesund ist. Sobald sich jemand krank fühlt, muss diese Person zu Hause bleiben.» Den Mitarbeitern wurden die bekannten Hygienemassnahmen kommuniziert. 
 
Argumente: Arbeit im Freien, praktisch keinen Kundenkontakt
 
Laut Geschäftsleitungsmitglied Benno Oehry wurde Mitarbeitern der Gebrüder Hilti dieselben Empfehlungen gemacht, welche die Einwohner von der Regierung erhalten. Zusätzlich sollen sie separat und direkt auf die Baustelle fahren statt sich vorher im Magazin zu treffen. Während den Pausen müssen sie genügend Abstand halten und ihre Mahlzeiten allenfalls gestaffelt einnehmen. Beat Gassner, Sektionspräsident des Liechtensteiner Bauverbands und Geschäftsführer von Kindlebau in Triesen, erachtet die Fortsetzung des Betriebs während der Pandemie als vertretbar: «Auf dem Bau lässt sich kein höheres Risiko als bei anderen Berufsgruppen feststellen, die noch arbeiten. Eher sind wir weniger davon betroffen.» Hauptsächlich, weil am Objekt gearbeitet werde und praktisch kein Kundenkontakt bestehe. 
 
Gassner nennt weitere Argumente, die gegen eine Schliessung der Bauunternehmen sprechen. So sind die Mitarbeiter ständig im Freien unterwegs, wo die Ansteckungsgefahr geringer als in geschlossen Räumen sei. Zudem seien die direkten Kontakte überschaubar. Ein Team bestehe aus fünf bis sieben Personen, welches im Normalfall nicht dicht aufeinander hantiert. Im Rohbau seien auch nur vereinzelt Drittunternehmer wie etwa Sanitärinstallateure und Elektriker vor Ort. «Wir versuchen die behördlichen Empfehlungen, die allgemein gelten, bestmöglich auf den Baustellen umzusetzen», versichert Gassner. Zusätzliche Massnahmen könne man vonseiten des Verbands nicht treffen. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand und die Eigenverantwortung: «Grundsätzlich muss jedes Unternehmen und jede Einzelperson das Risiko für sich selbst abschätzen.»
 
Bauunternehmen stellen sich auf Kurzarbeit ein
 
Wie in allen anderen Branchen wird die Situation laufend beobachtet. «Wenn der Staat eine Schliessung verordnet, ist der Fall klar. Dann wird Kurzarbeit zum Thema», erklärt Gassner. Es sei jedoch im Interesse von allen, wenn der Betrieb aufrechterhalten wird. So wurde bei der Kindlebau darüber diskutiert, ob man den gestrigen Feiertag für ein verlängertes Wochenende nutze. Über 90 Prozent haben sich dagegen entschieden. «Viele sind froh, dass sie zur Arbeit kommen können», berichtet der Geschäftsführer.
 

In keinem von den drei befragten Unternehmen ist bislang eine Coronavirus-Erkrankung bekannt. Zwei Mitarbeiter von Frickbau, die am vergangenen Wochenende mit vielen Personen in Kontakt waren, hätten sich vorsorglich in Quarantäne begeben. Bei Gebrüder Hilti kam jemand nicht mehr zur Arbeit, da er sich unwohl fühlte, und liess sich testen – der Befund war negativ. «Ich glaube nicht, dass wir vom Coronavirus verschont bleiben», spricht Geschäftsleitungsmitglied Benno Oehry von einer Frage der Zeit. Deshalb habe das Unternehmen erste Vorbereitungen zur Kurzarbeit getroffen. Dasselbe gilt für Frickbau, wie Philipp Frick auf Anfrage bestätigt. Aufträge seien nach wie vor vorhanden, doch man müsse sich auf allfällige Erkrankungen sowie auf behördliche Massnahmen, welche einen Baustopp zur Folge hätten, vorbereiten. In so einem Fall müsste die Situation je nach Baustelle beurteilt werden. «Wenn jemand infiziert ist, müsste sicher sein Team, also mindestens fünf Personen in Quarantäne. Dann wird es schwierig, die Termine gegenüber den Bauherren einzuhalten», erklärt Frick. Mit Blick auf das von Wirtschaftsminister Daniel Risch angekündigte Massnahmenpaket von 100 Millionen Franken hofft er darauf, dass die Baubranche nicht vergessen wird.  (gk)

 

Zum Thema

Im Roxymarkt in Balzers sind zum Schutz der Mitarbeitenden an der Kasse Plexiglasscheiben angebracht worden. mehr...
18. Mär 2020 / 19:30
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Bauen und Wohnen Mai 2020
Zu gewinnen einen Gaskugel-Grill Chelsea 480 G der Marke ­Outdoorchef im Wert von 399 Franken von ­Eisenwaren Oehri AG in Vaduz.
07.05.2020
Facebook
Top