• Nicole Thöny und Lukas Oehri, Vaduz
    «Erfreulich laufen weiterhin die Buchungen der Liechtenstein-Weg-Packages», sagt Nicole Thöny.  (Tatjana Schnalzger)

«Buchungen stark unter dem Vorjahr»

Nicole Thöny, Mediensprecherin von Liechtenstein Marketing, erklärt den Einfluss des Coronavirus auf den heimischen Tourismus. Die grosse Stornierungswelle ist bisher ausgeblieben, dafür harzt es bei den Buchungen für Ostern.

Frau Thöny, der Coronavirus beherrscht die mediale Berichterstattung. Welchen Einfluss hat das Virus auf den Liechtensteiner Tourismus?
Zurzeit befinden wir uns in der Nebensaison, was den Tagestourismus im Tal angeht. Somit ist es zu dieser Jahreszeit im Städtle immer etwas ruhiger als in den restlichen Monaten und Besucherrückgange fallen deshalb vergleichsweise weniger ins Gewicht. Allerdings häufen sich momentan die Absagen von Geschäftsreisen. Auch Konferenzen und andere Veranstaltungen, insbesondere jene mit internationaler Beteiligung, werden laufend abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Zudem wirken sich auch die Reiseeinschränkungen von Unternehmen auf den Tourismus aus. Wenn die Wirtschaft abflaut, merkt das der Tourismus eins zu eins. Im Berggebiet verläuft der Tagestourismus aktuell noch recht normal, insbesondere, da es wieder geschneit hat.

Sind die Übernachtungszahlen aber insgesamt zurückgegangen? 
Die offiziellen Zahlen für die ersten zwei Monate liegen noch nicht vor. Das Jahr ist jedoch gut angelaufen, wobei wir für das gesamte Jahr mit weniger Übernachtungen als im Jubiläums-Rekordjahr rechnen. Bis dato gibt es vereinzelte Stornierungen in Malbuner Hotels, was sicher auch mit den Stornobedingungen zu tun. Für das Ostergeschäft sind die Buchungen sowohl für das Berg- als auch für das Talgebiet aktuell sehr zurückhaltend und liegen stark unter den Vorjahreswerten. Erfreulich laufen jedoch weiterhin die Buchungen der Liechtenstein-Weg-Packages. Diese werden nach wie vor regelmässig gebucht, hauptsächlich von Gästen aus Europa und den USA.

Wie stark ist die Liechtensteiner Gastronomie vom Coronavirus betroffen?
Selbstverständlich merken die Gastronomen die Auswirkungen – sei es durch vereinzelte Stornierungen von Reisegruppen oder im Catering-Bereich durch den Ausfall von Events.

Wie geht es in dieser Zeit dem City Train Vaduz?
Noch gab es keine grosse Stornierungswelle. Einige vereinzelte Buchungen wurden abgesagt. Hier wird wegweisend sein, wie sich die Lage die nächsten Wochen entwickelt. Insbesondere die Fernmärkte haben bis dato ihre Buchungen beibehalten.

Erhöht sich jetzt womöglich sogar die Anzahl an Tagesgästen in Liechtenstein?
Das ist eine Theorie – welche natürlich nicht nur für den Tagesgast, sondern auch für den Feriengast zutreffen könnte. Aufgrund der aktuellen Lage könnten sich viele für Ferien auf «Balkonien» beziehungsweise in der Nähe entscheiden. Hier werden für uns die Stamm-Märkte Deutschland und Schweiz eine wichtige Rolle spielen. Dieses Jahr finden zudem auch noch die Passionsfestspiele in Oberammergau statt. Diese Veranstaltung in Bayern zieht jeweils viele amerikanische Gäste an und Liechtenstein ist ein beliebter Stopp auf deren Reiseroute. Bis dato gibt es gemäss den uns vorlie-genden Informationen noch keine grossen Stornierungen. Grössere Sorgen bereitet uns die «Nord-Süd-Route». Das heisst: Wenn Norditalien weiterhin «zu» bleibt, werden wir dies zu spüren bekommen. Da Liechtenstein ein beliebter Stopp auf der Reiseroute ist.

Wie stark ist Liechtenstein Marketing denn selber vom Coronavirus betroffen? Welche Veranstaltungen mussten abgesagt werden?
Die Absage der grossen Tourismus-Messe ITB Berlin von letzter Woche war natürlich ein einschneidender Entscheid. Insbesondere, da die Absage erst so kurz vor Messebeginn erfolgt ist. Wir waren bereits mit dem Aufbau vor Ort beschäftigt, als die Veranstaltung abgesagt wurde. In Absprache mit der Regierung und dem LSV haben wir zudem auch den geplanten Liechtenstein-Abend am Ski-Weltcup-Finale in Cortina d’Ampezzo vorsorglich abgesagt. Und auch weitere Dritt-Events, bei denen wir involviert gewesen wären, wurden abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Wir sind zurzeit dabei, die unmittelbar anstehenden Marketing-Aktivitäten im Ausland wie beispielsweise Medienanlässe oder Veranstaltungen mit Reisemittlern zu beobachten und die Lage im jeweiligen Land zu beurteilen. Hier werden wir jeweils sehr spontan agieren müssen. Gleichzeitig müssen wir bereits antizipieren, wie wir mit gezielten Marketingaktivitäten nach einer Normalisierung der Lage möglichst viele Leute für einen Besuch von Liechtenstein begeistern können. (rpm)

06. Mär 2020 / 16:13
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