• Destillerie Steinauer in Eschen
    Desinfektionsmitteltauglichen Alkohol produziert Andreas Steinauer gegenwärtig nicht mehr. Sein Augenmerk liegt wieder auf seinen ­ursprünglichen Produkten – aktuell Whisky und Rum.  (Daniel Schwendener)

«Ich brenne jetzt wieder Whisky»

Bei Andreas Steinauer hielt nach dem «Brennprojekt Landesverwaltung» der Alltag Einzug.

Noch vor wenigen Wochen hätte Andreas Steinauer mit Sicherheit nicht im Traum daran gedacht, dass er im Auftrag des liechtensteinischen Gesundheitsministers einmal hunderte Liter Schnaps redestillieren würde. Doch die Corona-Pandemie und der daraus resultierende temporäre Mangel an Desinfektionsmittel bei der Landesverwaltung haben aus einem höchst unwahrscheinlichen Szenario Realität werden lassen. Eine Realität, die dem Inhaber der Eschner Brennerei Steinauer wohl auf ewig im Gedächtnis haften bleiben dürfte.

Die Zeit sei «sehr intensiv» gewesen, sagt Steinauer, der für das Unterfangen von seinem Arbeitgeber LGT vorübergehend freigestellt wurde, rückblickend. Gut eine Woche lang habe er täglich 12 bis 14 Stunden gebrannt. «Und danach stand ja noch die Reinigung der kompletten Anlage an.» Vor allem die Liköre, die von den Verwaltungsmitarbeitern gespendet wurden, hatten Rückstände hinterlassen, die in durchaus beachtlicher Hartnäckigkeit von den aussergewöhnlichen Vorgängen der vorangegangenen Tage zeugten.

Ein allfälliger Werbeeffekt muss sich erst noch zeigen
Und doch empfand er diese bemerkenswerte Kurzepisode in der Geschichte seiner Brennerei nie als «anstrengend». Allenfalls als «zeitaufwändig». Womöglich deshalb, weil seine Arbeit dabei immer von einer positiven Grundstimmung begleitet wurde: «Es waren sehr schöne und befriedigende Wochen. Ich konnte etwas Sinnvolles machen und wurde gebraucht.» Hinzu kommt der Zusammenhalt unter den Menschen, den Steinauer während der Arbeiten gespürt und der ihn tief beeindruckt hat. Alle hätten tatkräftig mitgeholfen, von den Mitarbeitern des Landeswerkhofs bis hin zu den Mitarbeitern der Landesverwaltung, erzählt er. «Das war ein tolles Erlebnis.»

Es sind freilich nicht nur diese vornehmlich Herz und Seele umschmeichelnden Erfahrungen, die ihm das Spezialprojekt beschert hat. Steinauer konnte daraus auch einen praktischen Nutzen ziehen. Er habe einiges dazugelernt, betont der hauptberufliche Informatiker. «Beispielsweise, wie sich die Anlage verhält, wenn über einen längeren Zeitraum fast durchgehend gebrannt wird.» Die Geschichte hat ihn und seinen Betrieb aber auch ins Sichtfeld einer breiteren Öffentlichkeit gerückt. «Das alles hat mich sicher bekannter gemacht», bestätigt Steinauer. «Zuvor wussten viele Menschen immer noch nicht, dass es mich gibt.» Dass sich das in einem gesteigerten Umsatz niederschlagen wird, ist für ihn allerdings noch nicht gesagt: Inwiefern sich ein nachhaltiger Werbeeffekt einstelle, müsse sich erst noch zeigen.

Spezialaufgaben haben einiges abfedern können
Gebrauchen könnte die Brennerei einen derartigen Impuls – wie so viele Unternehmer in diesen Zeiten – allemal. Im Rahmen einer Kooperation mit der Liechtensteiner Brauhaus AG hatte Steinauer die Welle zunächst noch etwas weitergeritten und Maische und Bierbestände zu desinfektionsmitteltauglichem Alkohol gebrannt. Mittlerweile, weiss er, sei der Engpass auf dem Markt jedoch passee. «Desinfektionsmittel oder Alkohol können wieder zu vernünftigen Preisen gekauft werden.» Was zur Folge hat, dass die Bedeutung des temporären Zusatzgeschäfts erst so richtig zur Geltung kommt. Er könne sicher nicht jammern, sagt Steinauer. «Aber ohne die Herstellung von Alkohol für Desinfektionsmittel sähe es nicht so gut aus.» Die Ladenverkäufe sind gegenüber der Prä-Corona-Ära um rund 80 Prozent zurückgegangen. Mit der Gastronomie ist durch die staatlich angeordneten Schliessungen zudem einer von Steinauers Hauptkunden weggebrochen.

Entsprechend schöpft der Brennereibetreiber vor allem aus der näherrückenden Lockerung dieser Massnahme seine Zuversicht: «Ich bin positiv eingestellt und denke, dass mit der Öffnung der Gastronomie auch wieder mehr läuft.» Womöglich, ergänzt er, würden aber auch einige, die ihren Spirituosenbestand für die Landesverwaltung sondiert hätten, bald bei ihm vorstellig. «Durch die Räumaktion hat es in der einen oder anderen Hausbar sicher wieder Platz für etwas Feines – vielleicht ja von der Destillerie Steinauer.»

Jederzeit bereit für weitere Chargen Hochprozentiges
Gebrannt wird dort jedenfalls schon eifrig. Durch die jüngsten Ereignisse habe er einige Projekte nach hinten geschoben, berichtet Steinauer. Nun hat er Zeit, sich ihrer anzunehmen. «Aktuell bin ich dabei, Whisky-Maische zu brennen. Anschliessend folgt die Rum-Produktion aus Zuckerrohrmelasse.» Sollte zu einem späteren Zeitpunkt, etwa im Falle einer zweiten Infektions­welle, Desinfektionsmittel neuerlich knapp werden, wäre Steinauer aber selbstredend auch hier sofort wieder zur Stelle. Rechtlich, sagt er, stünden diesbezüglich im Moment auch für Lohnbrenner keine Hindernisse im Weg. «Ich persönlich hoffe, dass das auch so bleibt, um im Bedarfsfall schneller reagieren zu können. Die Möglichkeit besteht jederzeit, auch grössere Mengen innert Wochenfrist herstellen zu können.» (bo)

09. Mai 2020 / 11:44
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