• Der Hofladen vom Bangshof in Ruggell.  (Eddy Risch)

Bauern gehen mit Hofläden in die Offensive

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Hofläden um 60 Prozent angestiegen. Landwirte gehen mit ihren Direktvertrieben in die Offensive und versuchen, ihre Produkte auch digital zu vermarkten.

Der Direktverkauf ab Hof ist für viele Bauern in den vergangenen zehn Jahren zu einer festen Einkommensquelle geworden. Waren es im Jahr 2010 erst 12 Prozent der Schweizer Landwirte, die einen Hofladen betrieben, so sind es heute schon 22 Prozent – manche mit Verkaufspersonal, die allermeisten ohne.

In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass die Zahl von 7000 auf 11 300 Betriebe anstieg, die ihr Fleisch, Obst, Gemüse, Wein oder Milch über ihren eigenen Laden, ihre Webseite oder auf Bestellung direkt an den Mann brachten. Der Schweizer Bauernverband (SBV) versucht, die Landwirte auf diesem Weg vor allem digital zu unterstützen. Auf dem Portal «vomhof.ch» hat sich das Angebot der Hofläden innerhalb diesen Jahres von 900 auf 1654 erhöht. Auch in der Region, sprich Sevelen, Buchs oder in Grabs, sind fast 20 Betriebe gelistet. Nutzer können so Bauernhöfe in ihrer Nähe schnell ausfindig machen, sich über deren Öffnungszeiten und Produkte informieren. 

800 Hofläden nutzen Twint
Weil Kartenzahlungen und Bezahl-Apps wie Twint in der Schweiz auf dem Vormarsch sind, gehen auch die Landwirte mit der Zeit. 800 der gelisteten Schweizer Bauernhöfe haben in diesem Jahr Twint eingeführt – Tendenz steigend. Kurz nach Einführung im Januar waren es noch 100 Betriebe, die Twint als Bezahlmethode angaben. Immerhin zwei Millionen Schweizer nutzen die mobile Bezahl-App bereits. Pro Transaktion, die über das Zahlungssystem abgewickelt wird, gilt für den Vertragspartner ein fixer Prozentsatz auf dem Transaktionsvolumen von 1,3 Prozent. 

«Das Feedback der Bauern ist bisher durchweg positiv», erklärt Andrea Oldani, die Projektleiterin der Webseite «vomhof» des Schweizer Bauernverbandes. Jener testete Twint für das Kassieren im Hofladen im Kanton Aargau während eines Pilotprojektes. Im Januar hat der SVB das Modell dann schweizweit ausgerollt. Beim Zahlen mit Twint scannen die Kunden mit dem Handy den QR-Code im Hofladen.

Wie Oldani erklärt, gibt dieser das Bankkonto des Bauernhofes an. Die Kunden können die entsprechende Summe eintippen, und der Betrag wird sofort überwiesen. «Die Gebühren durch Twint für die Betriebe sind niedrig», sagt Oldani. Ideal sei das Bezahlen per Handy auch für unbediente Verkaufsstellen, erklärt Oldani. Zwar gelte immer noch ein Prinzip des Vertrauens, doch beim Wechselgeld kann sich niemand in der Kasse bedienen und Geld stehlen. 

Milch und Fleisch online bestellen
Für die regionalen Hofprodukte gibt der SBV Preisempfehlungen ab. Auch einheitliches Verpackungsmaterial verkauft der Verband. Auf dem Portal gelistet ist auch der Saxhof in Buchs. «Seit Anfang des Jahres haben wir einen Automaten mit unseren Produkten aufgestellt », erklärt Philipp Schwendener. Er hat den Hof von seinen Schwiegereltern übernommen. Als Quereinsteiger hat er erst im Jahr 2018 eine Landwirtschaftsausbildung absolviert. Mit dem Automaten ermöglicht er seinen Kunden, 24 Stunden am Tag auf seinem Hof einzukaufen.

Bezahlen können sie auch mit der EC-Karte oder mit Twint. Erst vor einigen Wochen habe er ausgewertet, ob der Service ankommt. 10 bis 15 Prozent seiner Kunden nutzen die Bezahl-App auf seinem Hof in Buchs. Doch das ist erst der Anfang. Schwendener will seinen Direktvertrieb weiter ausbauen und plant, einen eigenen Hofladen zu eröffnen. Nachdem seine Schwiegereltern die Milchwirtschaft aufgegeben haben, will er den alten Kuhstall nutzen und zum Hofladen umbauen. 

Er will damit die Bevölkerung abholen, die immer häufiger wissen will, woher die Produkte kommen und wie sie angebaut werden. Kurze Transportwege und regionale Produkte finden laut Schwendener immer mehr Abnehmer. Dass der Direktvertrieb die grösste Marge für die Bauern bringt, das versteht sich von selbst. 

Online bestellen in Liechtenstein 
Die Bauernfamilien reagieren mit dem Direktvertrieb auf den Preisdruck im Handel und auf die tiefen Produzentenpreise. In Liechtenstein gibt es ebenfalls eine ganze Reihe an Bauernhöfen, die einen eigenen Hofladen betreiben. Hinzu kommen noch Landwirte, die zwar keinen eigenen Laden führen, ihre Produkte dennoch direkt verkaufen. Dazu gehört zum Beispiel der Mäderhof in Ruggell der Familie Elkuch, die es ihren Kunden sogar ermöglicht, Fleisch online zu bestellen. Ein solches Online-Bestellformular bietet zum Beispiel auch Telser-Milch in Balzers. Der Bauernhof von Madelaine und Martin Telser verkauft seine Milch und sein Joghurt direkt. Er bietet sogar einen kostenlosen Milchlieferdienst in ganz Liechtenstein an. 

Die Liechtensteiner Betriebe sind auf dem Schweizer Portal «vomhof» allerdings nicht gelistet. Nur Mitglieder der kantonalen Bauernverbände können auf der Internetseite dabei sein. Die Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO) in Liechtenstein betreibt kein eigenes Portal für die Betriebe in Liechtenstein, wie Florian Bernardi auf Anfrage erklärt. Nicht zuletzt dürfte dies auch der Kleinheit geschuldet sein. Dennoch zeigen einige Betriebe, wie auch der Lama- und Alpakahof und der Schafbetrieb Fuchsegga in Triesenberg, dass Landwirte des Landes digital in die Offensive gehen. So bieten beide Höfe in Liechtenstein eine Webseite, auf der die Waren online bestellt werden können. (dal)

02. Dez 2019 / 13:59
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