Adolf Real: Der Gründer einer Smartphone-Bank im Interview

Adolf Real glaubt daran, mit seiner Smartphone-Bank namens Pintail den Markt der Migranten-Zahlungen zu erobern. Im «Wirtschaft regional» spricht er über neue Technologien.

Adolf Real hat vor zwei Jahren das Start-up Pintail mitgegründet. Laut der Weltbank sind es 250 Millionen migrierte Arbeitskräfte, die jedes Jahr rund 500 Milliarden zu ihren Familien und Verwandten ins Herkunftsland senden. Das sollen sie künftig über die Smartphone-Bank Pintail machen. 

Können Sie sich vorstellen, dass Smartphone-Banken eines Tages klassisches Banking ablösen werden?
Adolf Real: Solche Smartphone-Banken gibt es schon heute, am bekanntesten sind N26 oder Revolut. Smartphone-Banken werden in Zukunft an Bedeutung zunehmen. Besonders junge und technikaffine Menschen werden diese bevorzugen. Das sehe ich bei meinen Kindern. Je nach Kundensegment und Kundenbedürfnis werden sie die klassischen Banken in Bedrängnis bringen. Zudem kommt, dass Nichtbanken wie Apple, Google und Facebook bankähnliche Dienste anbieten. Wir erleben hier einen wahren Paradigmawechsel.

Viele Banken werden also verschwinden?
Für Banken galt lange die Annahme, dass es für Institute mit weniger als 100 Milliarden Franken an betreuten Kundenvermögen (Assets under Management) keine Zukunft gibt. Ich glaube aber, dass das Volumen per se heute nicht mehr der Massstab für das Überleben ist. Es ist mehr eine Frage der Positionierung und des Know-hows. Liechtenstein kann mit Stabilität und Qualität punkten und verfügt über grosse Erfahrung im Private Banking. Zwar wird der Finanzplatz nicht mehr die gleiche Bedeutung haben. Steuerte er früher 35 Prozent zum BIP bei, so werden es künftig vielleicht noch 20 sein. Liechtenstein ist dennoch ein Vorreiter in der Finanzindustrie, wie sich am Blockchain-Gesetz oder am Lehrgang an der Universität Liechtenstein zu diesem Thema zeigt.

Sie haben mit Pintail sogar eine Smartphone-Bank mitgegründet. 
Ja, ich hatte schon immer ein Interesse an neuen Technologien. Bei Pintail geht es darum, letztlich eine komplette Bank aufs Handy zu bringen. Das Fintech-Unternehmen steht als E-Geld-Institut in den Startlöchern.

Wird es demnächst zu einer grösseren Konsolidierung der Finanzmarktteilnehmer in Liechtenstein kommen? 
Nicht nur der Finanzplatz, sondern auch die Finanzmarktteilnehmer sind dem Wandel unterworfen. Das betrifft nicht nur das Treuhand- sondern auch das Bankgeschäft. Wir haben in den letzten Jahren bei beiden eine Konsolidierung gesehen, die im Rahmen von Übernahmen oder Fusionen vonstattenging. Dieser Prozess wird weitergehen. Wer überleben will, muss in der Lage sein, sein Geschäftsmodell den Gegebenheiten anzupassen und vor allem auf die Digitalisierung und die fortdauernde Regulierung in geeigneter Weise zu reagieren. Das ist mit hohen Kosten für Personal und IT-Systeme verbunden. Alle werden es nicht schaffen.

Sie sprachen Blockchain an. Was halten Sie von Kryptowährungen? 
Ich halte gar nichts davon. Es herrscht eine Goldgräberstimmung, bei der Anleger riskant spekulieren und Geld verlieren. Der Bereich ist noch nicht ordentlich reguliert. Ich rate allen, die das Investment nicht verstehen, vorerst die Finger davon zu lassen.

Mehr in der Print- und ePaper-Ausgabe des «Wirtschaft Regional»

21. Sep 2019 / 20:39
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