• Architektur der induktiven Ladestation für Zuhause wie Brusa sie ebenfalls entwickelt. Bilder: BMW Group

Brusa macht weiter vorwärts

Die Brusa Elektronik AG unterzeichnete eine Lizenzvereinbarung für die Entwicklung von kabellosen Ladesystemen. Die Sennwalder festigen damit ihre Postition als wichtiger Player in der Elektromobilitätsbranche.
Buchs. 

Die Experten sind sich einig: Elektroautos werden in der Zukunft kabellos geladen und diese Komfortsteigerung wird helfen, dass die Hemmschwellen der Elektromobilität weiter abgebaut werden können. Laut dem US-Marktforschungsunternehmen TechNavio soll der Markt für induktive Ladesysteme in den nächsten Jahren weltweit um fast 25 Prozent wachsen – vor allem in Europa, den USA und im asiatisch-pazifischen Raum. Und da das «Wireless Electric Vehicle Charging» (WEVC) noch in seinen Anfängen steckt, ist klar, dass eine Technologieführerschaft Milliarden von Dollar wert ist. Die führenden Autobauer liefern sich deshalb ein noch offenes Kopf-an-Kopf-Rennen, um sich den entscheidenden Vorsprung bei der induktiven Ladetechnologie für Elektroautos zu sichern.

Mitten in dieser Riege der Grossen mischt auch die Brusa Elektronik AG mit. Der Sennwalder Entwickler von Leistungselektronik für Elektrofahrzeuge ist bereits Technologiepartner von BMW und Daimler. Nun konnte das Unternehmen mit seinen rund 120 Mitarbeitern einen weiteren Erfolg verbuchen. Wie die US-Firma Qualcomm Incorporated mitteilt, haben die Amerikaner mit Brusa eine Lizenzvereinbarung getroffen. Qualcomm, ein weltweit führender Anbieter von Next-Generation-Wireless-Technologien, holt sich damit die Erlaubnis, die von Brusa entwickelten und patentierten WEVC-Systeme für Plug-In-Hybrid- und Elektrofahrzeuge zu vermarkten. Brusa seinerseits erweitert mit der Vereinbarung seinen Marktzugang, indem das Schweizer Unternehmen fortan für weitere bestimmte Autohersteller WEVC-Systeme entwickeln, produzieren und liefern darf. Damit dürften BMW, Daimler, Citroën und Renault gemeint sein, mit denen Qualcomm – und zum Teil auch Brusa – bereits zusammenarbeiten.

Die Fachwelt überzeugt
«Wir sind begeistert von diesem Lizenzvertrag mit Brusa. Damit können wir unser Lieferantennetzwerk entscheidend erweitern und diversifizieren, was unseren Ruf bei den Automobilherstellern als fortschrittlicher Entwickler von induktiven Ladesystemen weiter stärken wird», sagt Qualcomm-Vizepräsident Steve Pazol zur neu besiegelten Zusammenarbeit. Brusa hat eine eigene patentierte Technologielösung für das induktive Laden namens «Frame» entwickelt. Das neue System besteht lediglich aus Boden- und Fahrzeugplatte – die benötigte Leistungselektronik ist bereits integriert. Neben dem geringen Bauraum und der Kostenersparnis, kommen weitere Vorteile zum Tragen, wie zum Beispiel die erhebliche Verbesserung der elektromagnetischen Verträglichkeit und einer wesentlichen Komfortsteigerung. Der Nutzer kann sein Fahrzeug wie gewohnt am Stellplatz parken, aussteigen und aufladen. Das bisher übliche Anstecken an einer Ladesäule entfällt. Es sind also keine externe Wallbox oder Hochfrequenzkabel notwendig, was ein absolutes Novum auf dem Gebiet der Induktivladesysteme ist.
Als die Brusa im Rahmen der eCarTec-Fachmesse im Oktober 2013 erstmals ihr innovatives Ladesystem präsentierte, war die Fachwelt schlichtweg perplex. Die Sennwalder gewann dafür auch den begehrten und international anerkannten eCarTec Award 2013. Bereits 2011 gewann Brusa den Award mit einem Schnellladegerät und im vergangenen Jahr konnte der Elektroautopionier den Werdenberger Innovationspreis entgegennehmen.

Brusa setzt Standards
Brusa-CEO Josef Brusa ist zuversichtlich, dass die von seiner Firma entwickelten Induktivladesysteme der E-Mobilität einen grossen Schub verleihen werden. «Wir bieten bereits technisch solide und wirtschaftlich lebensfähige Systeme auf den Markt und wir sind begeistert über das Potenzial der WEVC-Technnologie», wird Brusa in der Qualcomm-Mitteilung zitiert. Weitere Details zur Zusammenarbeit könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten, sagte der Firmenchef auf Anfrage. Diese Lizenzvereinbarung ist aber als weiterer Meilenstein in der inzwischen 30-jährigen Firmengeschichte zu werten.

Nächste Generation in Arbeit
Und nicht nur das, dank seiner Innovationskraft gelingt es der vergleichsweise kleinen Ideenschmiede immer wieder neue Standards in E-Mobilität zu setzen. Die Brusa-Ingenieure sind bereits mit der Entwicklung der nächsten Generation der Induktivladesysteme beschäftigt, welche eine doppelte Ladeleistung aufweisen. Ermöglicht wird diese immense Steigerung der Leistungsdichte durch eine speziell durch Brusa patentierte Technologie. Die Markteinführung ist bereits auf 2017 geplant.

Das induktives Laden auch in der Praxis funktioniert, zeigen verschiedene Tests schon länger: Bereits 2014 hat zum Beispiel die Braunschweiger Verkehrs-GmbH Haltestellen aufgerüstet, um Elektrobusse per Induktion aufzuladen, während die Fahrgäste aus- und einsteigen. Die Technik stammt von Primove, der Tochter des kanadischen Transportkonzerns Bombardier. Beim herkömmlichen Elektrofahrzeug für den Privatebrauch wird man sich in einem ersten Schritt wohl auf das kabellose Laden in der Garage beschränken. Doch die Entwicklung ist derart rasant, dass ein Aufladen an der Raststätte oder auf dem Parkplatz nur eine Frage der Zeit ist. Und gut möglich, dass Qualcomm mithilfe der Technologie von Brusa auch eine innovative Lösung für das induktive Laden von Smartphone findet.

 

29. Aug 2015 / 07:30
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