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5G: Liechtenstein wartet ab

Liechtenstein wird erst nach den Nachbarländern die 5G-Frequenzen vergeben. Das wird Ende 2019 der Fall sein. Derweil sorgt die neue Technologie bereits für Diskussionen.
Frequenzvergabe. 

Swisscom, Sunrise und Salt haben sich in der vergangenen Woche neue Mobilfunkfrequenzen für insgesamt 380 Millionen ersteigert. 5G, die Mobilfunktechnik der fünften Generation, wird in der Schweiz vehement vorangetrieben. Und auch Liechtenstein will den Anschluss nicht verpassen und zieht mit, wie German Bell, Stellvertretender Leiter des Amtes für Kommunikation, auf Anfrage bestätigte: «5G wird in Liechtenstein umgesetzt. Der Zeitpunkt ist aber noch nicht in Stein gemeisselt.» Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch erklärte bereits letztes Jahr im Landtag im Rahmen einer kleinen Anfrage, dass als Zeitpunkt für den Projektstart zur Frequenzvergabe in Liechtenstein das Jahr 2019 als «zweckmässig und sinnvoll» erachtet werde. Liechtenstein will die zur Verfügung stehenden Frequenzen aber eng mit der Schweiz und Österreich koordinieren. «Die Schweiz hat ihre Frequenzauktion soeben veröffentlicht. In Österreich soll die Frequenzauktion in zwei Teilen erfolgen: Eine erste Auktion soll Mitte 2019, die zweite im Herbst 2019 erfolgen. Im Anschluss daran erfolgt das Frequenzvergabeverfahren in Liechtenstein», sagt Matthias Willi, persönlicher Mitarbeiter von Daniel Risch.

Branchenlösung für Liechtenstein
Ein wichtiger Faktor für die flächendeckende Einführung von 5G ist zunächst die Vergabe der 5G-Lizenzen, die vom Amt für Kommunikation geregelt und durchgeführt wird. Dabei werden die Frequenzen unter drei Liechtensteiner Mobilfunkunternehmen aufgeteilt: Telecom Liechtenstein AG, Swisscom (Schweiz) AG, Salt (Liechtenstein)AG. In Liechtenstein komme es aber nicht zu einer Versteigerung wie in der Schweiz, sondern angestrebt werde eine sogenannte«Branchenlösung», wie Bell erklärte. Streitigkeiten würden vermieden, die Frequenzblöcke gerecht

verteilt werden. Die Mobilfunktbetreiber schlagen dem zuständigen Amt für Kommunikation die für sie optimale und gleichmässige Aufteilung der verfügbaren Frequenzen vor. Nach der Überprüfung weist das Amt für Kommunikation diese den Betreibern zu.

Die Erwartungen und Versprechen, die mit der neuen Technologie verbunden sind, sind immens. 5G sei die Grundvoraussetzung für zukunftsträchtige Entwicklungen wie dem Internet der Dinge, medizinischen Anwendungen, Virtual- und Augmented Reality oder sogar Grundlage für «selbstfahrende Autos». Swisscom behauptet in einer Medienmitteilung, 5G werde das Betriebssystem der Digitalisierung sein. «Wir erleben einen regelrechten Hype um 5G», sagt Bell. Dabei werde von vielen eine Erwartungshaltung erzeugt, die sich so wahrscheinlich nicht erfüllen lasse. «Natürlich wird 5G eine Veränderung bewirken, ähnlich wie 2015 die 4G-Technologie, die auf LTE basiert. Aber von einer Revolution der Lebenswelt möchte ich jetzt nicht sprechen. Die Fantasie wird aktuell zu stark beflügelt», relativiert Bell.

Die Datenübertragung wird aber durch 5G beschleunigt: Höhere Download- und Upload-Geschwindigkeiten gibt es sicher, zudem sind die Latenzzeiten, Verzögerungen in der Telekommunikation, kürzer.

Gesundheitliche Bedenken
5G verspricht insgesamt den Zugang zu einer glanzvollen wirtschaftlichen Zukunft. Damit verbunden sind aber auch gesundheitliche Bedenken, die hinsichtlich 5G von Kritikern geäussert werden. Die Auswirkung auf Mensch und Tier sei noch zu wenig erforscht. Befürchtet wird, dass die für den Mobilfunk genutzte elektromagnetische Hochfrequenzstrahlung die Gesundheit schädigen könnte. Infolgedessen könnte es zu einer Zunahme an Krebserkrankungen oder einer Beeinträchtigung der männlichen Fruchtbarkeit kommen. Diese Befürchtungen teilt Bell nicht: «Wir folgen den Richtlinien der WHO. Für uns ist das die oberste Instanz. Eine massvolle Anhebung der Richtwerte würde ich also unterstützen.» Um die Bevölkerung vor Elektrosmog zu schützen, hat die Regierung im Jahre 2008 die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) erlassen. Diese Verordnung begrenzt die nichtionisierende Strahlung, die von ortsfesten Anlagen ausgeht (z. B. Hochspannungsleitungen, Mobilfunk- oder Rundfunksendern). Ob für die Einführung von 5G die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung angepasst werden muss, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Fabian Schierscher, Amt für Umwelt, erklärte aber: «Liechtenstein beobachtet die Entwicklungen in der Schweiz. Sollten die Rechtsvorschriften in der Schweiz angepasst werden, wird Liechtenstein dies prüfen und entscheiden, ob auch in Liechtenstein die Rechtsvorschriften angepasst werden müssen.» Patrick Risch, Landtagsabgeordneter der Freien Liste, erklärte letztes Jahr in der Liewo: «Das 5G-Netz benötigt neben höheren Grenzwerten auch massiv mehr Antennen. Heute stehen in Liechtenstein 23 Mobilfunkantennen, für 5G müssten bis zu zehn Mal mehr Antennen errichtet werden.» Bell widerspricht: «Ob und wie viele Sendemasten hinzukommen, ist noch unklar. Zuerst werden sicherlich die bestehenden umgerüstet.» (rpm)

16. Feb 2019 / 11:20
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