• Katja Gey Amt für Volkswirtschaft Schaan 200113
    Katja Gey ist die Leiterin des Amtes für Volkswirtschaft. Sie erklärt im Interview: «Um Unternehmen helfen zu können, prüft die Regierung Erleichterungen bei der Kurzarbeit».  (Daniel Ospelt)

17 Unternehmen beantragen Kurzarbeit

Im Interview berichtet Katja Gey, Leiterin des Amts für Volkswirtschaft, von «Totalausfälle bei einzelnen Betrieben». Bislang sind 17 Unternehmen in Liechtenstein durch das Coronavirus an ihre finanziellen Grenzen gestossen und warten auf Unterstützung.
 
Rainer Ritter als Präsident der Wirtschaftskammer fordert unbürokratische und schnelle Hilfe für Firmen, die in Notlage geraten sind. Es herrsche grosse Unzufriedenheit bei den Unternehmern. Die Regierung sucht zusammen mit dem Amt für Volkswirtschaft nach Lösungen. Für Unternehmen, die Kurzarbeit angemeldet haben, dürfte eine Lösung anstehen. Katja Gey als Leiterin des Amtes für Volkswirtschaft erklärt, wie die Lage im Land ist.
 
Gibt es Härtefälle und Firmen,  die vor existentiellen Problemen stehen?
Katja Gey: Wir sind im laufenden und engen Kontakt mit den Wirtschaftsverbänden, vor allem mit der Wirtschaftskammer und mit der Industrie- und Handelskammer, um uns ein Bild von der aktuellen Situation in den einzelnen Branchen zu machen. Im Grossen und Ganzen können wir feststellen, dass die liechtensteinischen Unternehmen die angeordneten und empfohlenen Massnahmen zur Verhinderung von Ansteckungen und Erkrankungen mittragen und umsetzen. Damit leisten sie einen ganz wichtigen Beitrag, dass die Auswirkungen des Coronavirus auch wirtschaftlich möglichst begrenzt werden können. 
 
Welche Firmen sind vor allem betroffen?
Die bislang eingegangenen Anfragen und Anträge auf Kurzarbeitsentschädigung geben ein gutes Bild über die aktuell besonders betroffenen Branchen. Das sind diejenigen, welche von den Veranstaltungsverboten und darüber hinaus erfolgten Absagen direkt betroffen sind. Vor allem die grösseren Unternehmen haben Krisenstäbe gebildet, um Risiken zu begrenzen, auf Entwicklungen sofort zu reagieren und um mit entsprechenden Massnahmen die Krisenherde zu umgehen. Die meisten Branchen in Industrie, Gewerbe und Bau berichten zwar von gewissen Unsicherheiten, stellen aber noch keine konkreten Auswirkungen fest. Der Güterverkehr und auch die Produktion sind derzeit kaum beeinträchtigt.
 
Gibt es bereits Entlassungen bei Unternehmen?
Einzelne Betriebe sind aber mit hohen Umsatzeinbussen oder temporären Totalausfällen konfrontiert. Von Entlassungen oder möglichen Entlassungen spricht unseres Wissens noch niemand. Das Amt für Volkswirtschaft beobachtet die Situation. Wir sind froh um die laufenden Informationen aus der Wirtschaft. Fragestellungen rund um das Coronavirus haben für uns im Moment allerhöchste Priorität. Wir informieren uns auch bei den zuständigen schweizerischen Behörden. Die Regierung ist zusammen mit den zuständigen Stellen dabei, weitere Massnahmen zu prüfen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen in Liechtenstein abzufedern. Es ist klar, dass wir uns in einer ausserordentlichen Situation befinden, in der besondere Massnahmen notwendig sind. Trotzdem ist es wichtig, die Dinge überlegt und ruhig anzugehen.
 
Wie viele Unternehmen sind in eine solche Notlage geraten?
Im Amt für Volkswirtschaft haben wir bislang 17 Anfragen zur Kurzarbeit erhalten. Die Anfragen und Anträge kommen praktisch ausschliesslich aus der Gastronomie und Hotellerie, der Reise- und Veranstaltungsbranche sowie aus dem Detailhandel.
 
Können Sie sagen, wie hoch die Umsatzeinbussen bei den betroffenen Firmen sind?
Es ist im Moment noch nicht möglich, konkrete Angaben zum Umfang zu machen.
 
Haben sich Unternehmen bereits gemeldet und um finanzielle Unterstützung gebeten und wenn ja, wie viele? Und was erwarten sich die Unternehmer vor allem?
Wie bereits gesagt, haben einzelne Unternehmen bei uns bereits um Kurzarbeitsentschädigung angesucht. Siewünschen sich eine rasche und unbürokratische Behandlung der Gesuche. Im Vordergrund stehen für die betroffenen Unternehmen mögliche Massnahmen zur Überbrückung von Li­quiditätsengpässen. Viele Fragen betreffen auch arbeitsrechtliche und ar­beitsvertragliche Themen. Dazu bieten wir soweit möglich Unterstützung, zum Beispiel durch die Formulierung von Merkblättern sowie Fragen und Antworten.
 
Das Amt für Volkswirtschaft und die Regierung suchen nach Lösungen. Welche Massnahmen werden nun konkret getroffen, um Konzerne und KMU zu unterstützen?
Mit der Kurzarbeitsentschädigung haben wir in der Arbeitslosenversicherung grundsätzlich ein Instrument, um Arbeitsplätze zu erhalten. Unsere aktuelle Rechtslage und Praxis ist allerdings im Vergleich zur Schweiz restriktiv. Aus strukturellen Gründen oder bei behördlichen Massnahmen wie im Fall des Coronavirus ist bei uns grundsätzlich kein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung gegeben. Dafür sind die in die ALV zu entrichtenden Beiträge auch tiefer. Es wird aber geprüft, ob und inwieweit wir den in der Schweiz geltenden Ansatz für den Fall des Coronavirus kurzfristig übernehmen könnten.
 
Wo liegen die Möglichkeiten im Rahmen des Wirtschaftsförderungsgesetzes?
Das wird im Moment geprüft. Das Gesetz sieht grundsätzlich die Möglichkeit vor, Beiträge an Massnahmen für Härte- und Notfälle zu leisten. Ich gehe aber davon aus, dass die Möglichkeiten im Rahmen dieses Gesetzes rechtlich und vor allem vom finanziellen Umfang her eher begrenzt sein dürften. 
 
Könnte ein Fördertopf helfen oder sogar eine Steuererleichterung?
Die Regierung prüft derzeit vor allem die kurzfristig notwendigen und sinnvollen Massnahmen, mit dem Ziel einer raschen Umsetzung und Wirkung. Dazu gehört vor allem die Kurzarbeitsentschädigung. Wir evaluieren ausserdem, inwieweit die in anderen Län­dern diskutierte Massnahmen in Liechtenstein umsetzbar wären. Dazu gehören Steuererleichterungen oder Zahlungsstundungen von Steuern, Abgaben und Gebühren. 
 
Wird sich Liechtenstein an der Schweiz orientieren ?
Es macht Sinn, dass wir uns auch mit der Schweiz abstimmen und uns wenn möglich an den schweizerischen Massnahmen orientieren, da wir mit der Schweiz einen einheitlichen Wirtschaftsraum bilden. Ein Konjunkturprogramm steht nicht zur Diskussion und wäre meines Erachtens für eine kleine liberale und offene Volkswirtschaft wie Liechtenstein auch nicht sinnvoll. Wie sich die aktuellen Entwicklungen auf die europäische und globale Konjunktur auswirken werden, bleibt abzuwarten. Wir sind zuversichtlich, dass die jetzt im Rahmen der Pandemiebekämpfung getroffenen Massnahmen beitragen, dass die Effekte nur vorübergehende sind. 
 
(Interview: dal)
13. Mär 2020 / 07:00
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