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    Wer sich mit dem Coronavirus angesteckt hat, möcht oftmals anonym bleiben.  (deepblue4you)

«Ich habe mich mit Corona angesteckt»

Eine Mutter aus Liechtenstein (Mitte 30) wurde positiv auf das Coronavirus gestestet. Im Interview erzählt sie vom Krankheitsverlauf, der Quarantäne und was sie allen mitgeben möchte. Die Betroffene möchte anonym bleiben.

Sie wurden positiv auf das Coronavirus getestet – wie geht es Ihnen?
Mir geht es so weit gut. 

Mit welchen Anzeichen hat sich das Virus bei Ihnen bemerkbar gemacht?
Meine Symptome, die mich vermuten liessen, dass ich infiziert sein könnte, waren vor allem leichte Schmerzen in der Lunge und schnelle Kurzatmigkeit. Weitere Grippesymptome wie Schüttelfrost und Gliederschmerzen und leicht erhöhte Temperatur sowie Müdigkeit und Kraftlosigkeit gehörten auch dazu. Dies ging aber zum Glück nur ein paar Tage. 

Wissen Sie, wo Sie sich angesteckt haben könnten?
Ich war einen Tag im Tirol, was aber schon etwas länger zurückliegt, und hatte so eine Vermutung. Obwohl es zu dieser Zeit noch kein Quarantäne­gebiet war, habe ich mich dennoch rückversichert und es wurde mir vom Arzt mitgeteilt, dass die Symptome für eine Grippe sprechen. Was aber immer anhielt, war das abnormale Gefühl in der Lunge. 

Wie hat es sich angefühlt?
Dies genau zu beschreiben, ist etwas schwierig. Ich verspürte ein Engegefühl in der Lunge und ich war schnell ausser Atem. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Infektion wirklich im Tirol eingefangen habe. Denn die Symptome bezüglich der Lunge wurden nach dem positiven Ergebnis stärker und mein Ausflug ins Tirol lag zu jenem Zeitpunkt schon über zwei Wochen zurück. Somit bleibt für mich unklar, wo ich mich tatsächlich angesteckt habe. 

Was ging Ihnen durch den Kopf, als dann klar war, dass Sie das Coronavirus erwischt haben?
Ich hatte Angst, andere angesteckt zu haben. Das ist wirklich kein schönes Gefühl. Und leider war es auch so: Ich habe meinen Mann zum Test geschickt. Das Landesspital nahm dies ernst und testete ihn sofort. Leider war er auch positiv.

So konntet ihr euch gemeinsam in Quarantäne begeben?
Genau – und das war auch das einzige Gute daran, dass wir uns als Familie in Quarantäne begeben konnten. Denn die Einzelisolation mit kleinen Kindern ist meiner Meinung nach nicht so einfach möglich. Wir waren sehr froh, dass wir einen grossen Garten haben und mit den Kindern ab und zu in den Garten konnten. 

Für die Kinder bestand also keine Gefahr?
Bei den Kindern wurde davon ausgegangen, dass sie auch positiv sind. Deswegen durften sie bei meinem Mann und mir bleiben. Sie waren in dieser Zeit einfach sehr müde, zeigten ansonsten aber keine Symptome. 

Wie ist denn der Test an und für sich abgelaufen?
Der Test selber ist etwas unangenehm, da das Stäbchen über die Nase in den Rachen eingeführt wird. Somit wird eine weitere Ansteckung eingedämmt, was schliesslich eine gute Sache ist. 

Mit dem Landesspital sind Sie während der Quarantäne in Kontakt geblieben?
Ja, und ich muss sagen: Das Landesspital leistete wirklich sehr tolle Arbeit. Wir haben uns dort immer verstanden gefühlt und auch die Ärzte in der Hotline waren sehr bemüht und kompetent. Auch als ich das Gefühl hatte, dass es mir schlechter geht, haben sie gleich reagiert und mich zur Kontrolle gebeten. Natürlich unter Einhaltung jeglicher Hygienevorschriften. Das Spital hat uns zudem alle zwei Tage angerufen und sich bei uns erkundigt. Auch das Amt für Gesundheit hat sich bei uns gemeldet. Das gibt einem etwas Sicherheit. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man zehn Tage in Isolation lebt und auf andere angewiesen ist.

Keine einfache Zeit …
Nein – aber diese aktuelle Situation ist für keinen einfach. Die Regierung in Liechtenstein setzt meiner Meinung nach die richtigen Massnahmen und macht dies wirklich sehr gut. In einer kurzen Zeitspanne so viele einschneidende Entscheidungen treffen zu müssen, aufgrund eines neuen Virus, den man in dieser Form noch nicht einmal richtig erforschen konnte, ist nicht gerade einfach.

Und wie haben Sie persönlich diese Zeit unter Quarantäne erlebt?
Zehn Tage am Stück aufeinander zu sitzen und nur beschränkte Mittel zur Verfügung zu haben, ist man in unserer hektischen und mobilen Zeit einfach nicht mehr so gewohnt. Dass ich meine sozialen Kontakte nicht richtig pflegen kann, ist für mich das Schlimmste dabei. Ich bin sehr gerne unterwegs, was die Angelegenheit nicht gerade erträglicher macht.

Womit haben Sie diese Zeit dennoch ein bisschen erträglicher gemacht?
Die lustigen Videos zur Quarantäne, welche es online gibt, fand ich immer super und ich muss zugeben, wir haben auch einige davon selbst gemacht. Wie gesagt, der Tag mit Kindern hat eben 24 Stunden und die wollen irgendwie beschäftigt und unterhalten werden. Sie vermissen ihren Opa und ihre Oma, ihre Familie und die Spielgruppe, weshalb sich der ganze Tag eigentlich um sie dreht, damit sie nicht noch mehr darunter leiden. Das Gute: So viel von Mama und Papa hatten Sie jedenfalls noch nie.

Mussten Sie spezielle Medikamente einnehmen?
Mein Mann brauchte zum Glück keine Medikamente und ich habe einen Inhalationsspray für die Lunge bekommen. Bei Bedarf habe ich diesen dann auch genommen, was etwas geholfen hat. Im Endeffekt kann man sagen, dass wir eher mildere Verläufe hatten.

Befinden Sie sich noch immer in Isolation?
Ja, aber bald ist die Zeit der Isolation vorbei und auch die letzten Symptome sind am Abklingen. Wir hoffen, dass die Berichte stimmen und wir nach der Ansteckung immun sind und unser normales Leben sorgenfrei wieder geniessen können.

Welche Botschaft möchten Sie als Coronavirus-Infizierte der Bevölkerung übermitteln?
Ich kann nur den Appell an alle richten: Haltet euch bitte alle an die vorgegebenen Richtlinien und Massnahmen, denn nur somit können wir das Virus bekämpfen und wieder einen normalen Alltag erleben. (bfs)

27. Mär 2020 / 07:00
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