• LPC Medienförderung in Vaduz
    LPC-Präsident Peter Rutz diskutierte mit Emanuel Walser (Chefredakteur «Kronen Zeitung» Vorarlberg), Philipp Wyss (stv. Leiter Online-Redaktion «Südostschweiz») und Gaston Jehle (Präsident der Medienkommission Liechtenstein; v. l.).  (Daniel Schwendener)

Was sind die Medien den Konsumenten am Ende wert?

Die Digitalisierung hat auch die Medienlandschaft vor völlig neue Herausforderungen gestellt – Anzeigen und Abos nehmen stetig ab, immer weniger sind bereit, für Leistungen der Medienbranche zu zahlen. Wie weiter?
Vaduz. 

Sinkende Einnahmen und hoher Investitionsbedarf: Das sind nur zwei, aber essenzielle Schwierigkeiten, mit denen die Medien im Zeitalter der Digitalisierung zu kämpfen haben. Werbeerträge brechen weg, das Verhalten der Mediennutzer hat sich drastisch verändert. Vor diesem Hintergrund ist es kaum erstaunlich, dass das Thema Medienförderung in aller Munde ist. Und in Liechtenstein ist es aktueller denn je: Gleich mit zwei Vorstössen hat sich die Regierung derzeit zu befassen. In einem Postulat fordert die Freie Liste die Regierung dazu auf, die Wirksamkeit der Medienförderung in Bezug auf Medien- und Meinungsvielfalt zu überprüfen und Vorschläge zu unterbreiten, wie die Medien- und Meinungsvielfalt sowie die Unabhängigkeit, Neutralität, Objektivität und Qualität von Medienunternehmen verbessert werden könnten. Ausserdem stellt die FBP mithilfe einer Interpellation diverse Fragen rund um die Medienförderung und möchte von der Regierung wissen, wie sie die zukünftige Medienpolitik sieht bzw. wie die Medienlandschaft Liechtensteins zukünftig aussehen soll. Die Antworten werden im Mai erwartet – und zwar mit grossere Spannung.

Zum Beispiel vom Internationalen Liechtensteiner Presseclub, der das Thema «Medienförderung» nun ebenfalls aufgegriffen hat. Im Rahmen der 50-Jahr-Feierlichkeiten wurden gestern Abend drei Vertreter aus Liechtenstein, der Schweiz und Österreich eingeladen, um die Medienförderung zu beleuchten und darüber zu diskutieren, wie die Medienvielfalt und Pressefreiheit unter den neuen Voraussetzungen gewahrt werden kann.

Die Praxis der Medienförderung
In Liechtenstein entscheidet die sogenannte Medienkommission darüber, welchen Anträgen auf Medienförderung stattgegeben wird. Im Topf liegen rund 1,8 Mio. Franken, die Gelder sind also «gedeckelt». Gaston Jehle, Präsident der Medienkommission, führte aus, wie zwischen direkter und indirekter Medienförderung unterschieden wird und dass derzeit 9 Medien (6 Printmedien und 3 Onlinemedien) in den Genuss der Förderung kommen – allerdings werde der Medienförderungstopf nicht ganz ausgeschöpft. Der Grund: «Die anzuwendenden Kriterien haben dies nicht zugelassen.» Da die Kommission vor allem die Qualität der Medien beurteile, erarbeite sie derzeit einen neuen Qualitäts- und Kriterienkatalog, der künftig eine einfacher Beurteilung erlaube. «Es soll auch ein Ansporn für die Medien sein, sich anzustrengen», so Jehle. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Medienförderung in der Schweiz, wie Philipp Wyss, stv. Leiter der Online-Redaktion «Südostschweiz», aufzeigte. Hier werden insgesamt 1,5 Millarden Franken über direkte und indirekte Medienförderung ausgeschüttet, wobei rund 30 Mio. Franken 150 Zeitungen zugute kommen.

Weniger gut sieht es da in der österreichischen Medienlandschaft aus, wie Emanuel Walser, Chefredakteur der «Kronen Zeitung» in Vorarlberg, aufzeigte. Nach zwei Sparpaketen stünden für die Presseförderung gerade einmal 8,7 Mio. Franken zur Verfügung – für das wirtschaftliche Überleben eines Mediums spiele dieser Faktor kaum eine Rolle. So wird dort also eine ganz andere Diskussion geführt: Nämlich jene der «indirekten Presseförderung», die via Anzeigen und Inserate von Unternehmen und der Politik erfolgt. Das sich daraus ergebende Problem: Einflussnahme der Inserenten und «Hofberichterstattung». Zwar sei das gründsätzliche Bekenntnis zum Ausbau der Presseförderung durch die Bundesregierung da, doch es sei derzeit nicht abzusehen, wie die Debatte am Ende ausgehe.

Anzeigen? Steuergelder? Und die Alternative?
Einig sind sich alle: «Etwas muss geschehen.» Das Was oder das Wie ist allerdings nicht geklärt. Soll der Staat am Ende dafür aufkommen, dass die Medien ihrer Funktion als vierte Gewalt im Staat auch künftig nachkommen können? Für Philipp Wyss ist klar, dass sich auch die Medien und die Konsumenten selbst diese Frage stellen müssen. «In welche Richtung gehen wir? Und wer ist bereit, für die Leistung zu zahlen?» Einfach zu verlangen, dass der Staat die wirtschaftliche Existenz der Medienlandschaft sichere, kann in seinen Augen auch nicht der richtige Weg sein. Auch für Emanuel Walser ist klar: «Jedes Medium muss sich entscheiden, in welche Richtung es sich entwickeln will und soll, um sich im Internetzeitalter zu behaupten.» Und zwar ganz unabhängig davon, ob der Staat am Ende Geld zuschiesse oder nicht. So kann sich ein Medium beispielsweise von der Aktualität «verabschieden» und sich für die Hintergrundberichterstattung entscheiden. «Der Transformationsprozess bietet auch Chancen, sich von alten Zöpfen zu verabschieden», ist Walser überzeugt. Ein absolutes No-Go ist für ihn das versteckte Einkaufen über Anzeigen. «Wir brauchen ein Instrument, das von der Politik losgelöst ist und den Transformationsprozess und das wirtschaftliche Überleben trotzdem ermöglicht.» (dv)

11. Mär 2019 / 22:26
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