• Erik Kuhnel, Vaduz
    Präsident Erik Kuhnel leitet den Verein «Waldorfschule».  (Tatjana Schnalzger)

Waldorfschule braucht eine halbe Million

Ein Ausbau soll die Platznot der Waldorfschule in Schaan lindern. Doch das Projekt hat sich als teurer herausgestellt, als vorerst angenommen. Da die Unterstützung vom Land wegfällt, hofft die Schule auf Spenden aus der Bevölkerung.

Im Sommer hätte der Anbau der Waldorfschule in Schaan fertiggestellt werden sollen. Doch das verschiebt sich nun um ein Jahr. Grund dafür sind fehlende Gelder: 550 000 Franken sind noch aussenstehend. Anfänglich war für den Bau eine Million budgetiert: «Das ist viel, wenn man bedenkt, dass wir nur rund eine Million Franken Umsatz jährlich machen – und ein verschwindend kleinen Gewinn verzeichnen», erklärt Erik Kuhnel, Präsident des Vereins Waldorfschule.

Knapp bei Kasse sei die Waldorfschule immer – doch habe man  gelernt, auch mit sehr wenig Geld den Schulbetrieb zu ermölgichen:  «Das ist auch der freiwilligen Arbeit von vielen Beteiligten zu verdanken», erklärt Kuhnel. Nun kommt aber eine noch grössere Summe auf die Schule zu. Die Baukosten haben sich verdoppelt: Zwei Millionen Franken muss die Privatschule in den Ausbau investieren. «Wir müssen die selben Auflagen wie eine öffentliche Schule erfüllen. Das treibt die Kosten  gegenüber dem ersten, spartanischen Konzept in die Höhe», erklärt Kuhnel. Teilweise seien die geplanten Klassenräume auch nochmals vergrössert worden, um mehr Kapazität für Schüler zu schaffen. «Die finale Baugenehmigung haben wir  bereits im Juli 2017 erhalten», so Kuhnel. Sechs neue Räume sollen beim bestehenden Gebäude im Äscherle angebaut werden. Drei Klassenzimmer, ein Werkraum, ein Malraum und eine Mensa  sorgen für mehr Platzs. Der Neubau ersetzt die Container, in denen derzeit der Werk- und Handarbeitsunterricht stattfindet. «Die fünfte Klasse der Primarschule, welche sich derzeit in einem eingemieteten Haus im Bretscha befindet, wird dann auch im Anbau im Äscherle untergebracht werden», erklärt Kuhnel. Dadurch können die anderen Klassen in grössere Räume nachrücken und somit um fünf bis zehn Schüler vergrössert werden. Zudem können die Doppelklassen in der Mittelstufe durch den Anbau getrennt werden. Erik Kuhnel ist zuversichtlich, dass das Vorhaben gelingt: «Wenn alles gut läuft, können wir zwischen Mai und Juli mit dem Bau beginnen und im August 2019 die neuen Räumlichkeiten eröffnen», so Kuhnel.

Fehlende Unterstützung sei eine «herbe Enttäuschung»
Die Spendentrommel hat die Waldorfschule für den Ausbau schon kräftig gerührt: Durch Spenden von Ehemaligen, jetzigen Eltern, Stiftungen, Gönnern und Gemeindezuschüssen sei bisher  eine Summe von 500 000 Franken zusammengekommen. «Vom Verein war anfänglich angedacht, denn ganzen Anbau nur durch Spenden zu finanzieren» so Kuhnel. Er selbst sei aber  bereits über die beachtliche Summe von 500 000 Franken an Spendengelder überrascht. Die Bank  und eine Zürcher Stiftung sichern der Waldorfschule einen Kredit über 950 000 Franken zu. Ein höherer Kredit konnte nicht ausgehandelt werden – das Risiko für die Bank sei wohl zu gross: «Die Parzelle ist nur für öffentliche Gebäude vorbestimmt – etwas anderes als eine Schule oder Ähnliches könnte dort nicht gebaut werden, falls die Waldorfschule die finanziellen Mittel irgendwann nicht mehr aufbringen kann», so Kuhnel. Um die fehlenden 550 000 Franken aufzutreiben, bittet der Verein nun die Bevölkerung per Brief um weitere Spenden. «Als Schule mit privater Trägerschaft unterstehen wir zwar der ordentlichen Aufsicht des Schulamtes und findet dort auch die fachliche Anerkennung, werden jedoch nicht in die Finanzpolitik miteinbezogen», erklärt Erik Kuhnel im Brief
«Es ist für uns eine herbe Enttäuschung, dass das Land uns beim Ausbau nicht finanziell unterstützen möchte», so Kuhnel. Er vermutet, dass eine unterschiedliche Bildungslandschaft schlichtweg weniger Dringlichkeit geniesst, als andere Themen auf dem politischen Parkett. Dem gegenüber steht die Stellungnahme der Bildungsministerin Dominique Gantenbein: «Zusätzlich zu einem starken und qualitativ hochwertigen öffentlichen Schulwesen sind Privatschulen ohne Zweifel eine Bereicherung für das Bildungssystem. Der Gesetzgeber hat daher Möglichkeiten zur Führung von Privatschulen geschaffen und sie erhalten vom Land für jede Schülerin und jeden Schüler einen Beitrag.» Je nach Schulstufe beträgt dieser bis zu 2300 Franken pro Kind und Semester – unabhängig davon, welche Privatschule das Kind besucht. Eine zusätzliche Förderung für das Bauprojekt der Waldorfschule sei gesetzlich gar nicht möglich.

Waldorfschule platzt aus allen Nähten
Für Erik Kuhnel steht dennoch fest: Der Ausbau der Waldorfschule ist zwingend nötig. «Die Nachfrage nach einer alternativen Schulbildung ist stetig gestiegen. Unsere Klassen sind so voll, dass wir neue Schüler teilweise ablehnen müssen. Und das wollen wir nicht», erklärt Kuhnel. Jeder Familie, unabhängig vom Einkommen, soll es möglich sein, eine alternative Schule zu besuchen: «Für unterschiedliche Menschen, braucht es verschiedene Lösungen. Jedes Kind soll die Möglichkeit haben, ein Schulsystem  zu finden, dass ihm die grössten Chancen bietet», so Kuhnel. In Luxemburg, dort wo Kuhnel aufgewachsen ist, funktioniere das System von unterschiedlichen Schulsystemen. Der Staat finanziere diese mit, sodass die Eltern von den Schulbeiträgen entlastet werden. «Stellen Sie sich vor, sie würden einen VW Golf gratis kriegen. Würden sie dann extra noch einen Opel Astra kaufen?», fragt Kuhnel. Dasselbe Prinzip gelte  für die öffentlichen und die privaten Schulen. (rar)

17. Apr 2018 / 06:00
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