• Verein Rheintaler Storch
    Dieser Storch ist nicht der einzige in Liechtenstein - 2019 konnten 18 Brutpaare gezählt werden.  (Daniel Schwendener)

Wachsende Storchenpopulation in Liechtenstein

Die Storchen-Brutpaare haben hierzulande in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, das auch wegen Reto Zingg und seinem Verein «Rheintaler Storch».

Nach Feierabend im Ruggeller Riet:  Die Sonne steht noch relativ hoch am Himmel, kein einziges Wölkchen verdeckt ihr die Sicht. Es ist einiges los im Naturschutzgebiet, neben Joggern und Fahrradfahrern tummelt sich dort am vergangenen Montag auch eine Gruppe älterer Personen. Abwechselnd blicken sie durch ein Fernrohr und beobachten einen Horst, in dem drei Störche sitzen. Sie sind alle auf Einladung des Vereins «Rheintaler Storch» gekommen. Der Verein wurde vor fast 30 Jahren vom Schweizer Reto Zingg, dem heutigen Geschäftsführer, gegründet. Zingg, der weit über 70 Jahre alt ist, wird auch als Storchenpionier bezeichnet, denn seiner Initiative ist es zu verdanken, dass der Weissstorch heutzutage wieder im Rheintal vorkommt. «Der Verein ist eine Erfolgsgeschichte», resümiert er. Nun gebe es im Rheintal eine grössere Population als noch vor 150 Jahren. Darauf ist der frühere Drogist und Sekundarlehrer stolz. Kurzzeitig galt der Vogel sogar als ausgestorben. «1949 wurde das letzte Brutpaar im Kanton Schafhausen gesichtet», sagt Zingg. Weshalb es dazu kam, konnte laut dem Storchenpionier bis heute nicht ermittelt werden. Es gebe aber immer wieder sogenannte «Störjahre». Denn nasses und kaltes Wetter im Frühling lässt die Jungtiere sterben. Die erfolgreiche Wiederansiedlung der Weisstörche hängt damit zusammen, dass es mehr Fettwiesen und Feuchtgebiete,  dafür aber weniger Äcker gibt. So werden heute 126 Brutpaare gezählt, davon leben 18 in Liechtenstein: Unter anderem haben sich die Brutpaare im Ruggeller Riet, in Schaan sowie in Eschen und Mauren angesiedelt.

Störche Entwicklung

Entwicklung der Brutpaare in Liechtenstein von 2007 bis 2019.

Störche fressen als Beutetiere Ringelnattern und Käfer

Die Gruppe spaziert entlang des Feldweges weiter ins Herz des Riets. Dort wird das Fernrohr erneut aufgestellt. Nun zeigt es in Richtung eines frisch gemähten Feldes, auf dem einige Störche auf der Suche nach Futter sind. «Die Vögel fressen zum Beispiel kleine Beutetiere, Ringelnattern und Käfer», sagt Zingg während er durch seinen Feldstecher die Tiere beobachtet. «Das ist ein Männchen», erklärt er.

Verein Rheintaler Storch

«Der Storch ist ein uraltes Glückssymbol», sagt Reto Zingg der Vereins-Geschäftsführer.

Obwohl die Anzahl in den vergangenen Jahren zugenommen hat, kann nicht von einem Problem gesprochen werden. Seitens der Landwirte wird manchmal das Argument vorgebracht, dass sie zu viele Regenwürmer verspeisen würden. «Sie fressen aber nur jene an der Oberfläche, diese würden sowieso sterben», betont er. Auf die Frage, weshalb die Tiere eine solche Faszination nicht nur auf ihn, sondern auf die rund 30 Personen, die an diesem frühen Abend an der Storchenwanderung teilnehmen, ausüben, erklärt er: «Der Storch ist ein uraltes Glückssymbol – kam der Zugvogel wieder zurück, wussten die Menschen, dass nun die Kinder kommen», so Zingg. Zudem galten die Tiere als eine Art Blitzableiter. Nicht dass sie den Blitz ableiten konnten, sie wiesen vielmehr darauf hin, dass dort, wo sie brüteten, kein Blitz einschlagen wird. «Die Tiere spüren wahrscheinlich die magnetischen Spannungen», führt Zingg aus. Als der Storchenpionier im Jahr 1990 versuchte, die Vögel wieder anzusiedeln, tat er dies bewusst: «Es machte nur Sinn, sie zu fördern, wenn auch der Lebensraum für sie gegeben war.» So startete alles mit Störchen aus der Storchenstation, die zu Beginn zugefüttert werden mussten. Mittlerweile ist das nicht mehr notwendig. Und so sind es auch nicht jedes Jahr dieselben Tiere, die wieder nach Liechtenstein zurückkehren. Einmal wurden die Störche hierzulande nämlich mit einem Ring um den Fuss versehen, damit man sie wiedererkennen kann.

Zingg wird wütend bei dem Gedanken daran, dass in Malta vor nicht allzulanger Zeit eine ganze Gruppe von Störchen abgeschossen wurde. «Als Reaktion haben wir Sebastian Kurz, der damals den EU-Vorsitz innehatte, eine E-Mail geschrieben. Einige Zeit später habe Kurz’ Sekretärin geantwortet. Sie meinte, dass man sich der Sache annehmen werde. «Das hat mich sehr gefreut, wir werden sehen, was nach Kurz-Amtsenthebung daraus wird.» Und so wird sich Zingg weiterhin für die Tiere einsetzen. Egal, was kommen mag. (qus)

Verein Rheintaler Storch

Einige Storchen-Interessierte nahmen am vergangenen Montag im Ruggeller Riet an der Storchenführung teil.

19. Jun 2019 / 16:26
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