• Im Lager seiner stillgelegten Brennerei befinden sich noch gut 1500 Liter Marc und Kirsch, die Marcel Telser gerne zu Alkohol für die Desinfektionsmittelherstellung umbrennen würde.  (Daniel Schwendener)

Er will Schnaps umbrennen, darf aber nicht

Mit dem Umbrand seiner Restbestände möchte Marcel Telser Alkohol für die Desinfektionsmittel herstellen. Doch die Schweizer Zollverwaltung macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Personen, die das Brennhandwerk beherrschen, sind dieser Tage gefragte Leute. Auch Marcel Telser, Inhaber der stillgelegten Telser Distillery in Triesen, hat schon Anrufe erhalten. «Drogerien aus Trübbach und Buchs wollten wissen, ob ich meine Brennhäfen nicht reaktivieren und Alkohol für die Desinfektionsmittelproduktion herstellen könnte», erzählt er.

Relativ schnell war dem Liechtensteiner klar: Ja, ich möchte helfen. «Für mich ist das eine Art Ultima-Ratio-Geschichte. Die Nachfrage nach Alkohol wird immer grösser, es gibt Lieferengpässe, die Preise steigen», so Telser. Also habe er für sich beschlossen, seine rund 1500 Liter umfassenden Restbestände an Marc und Kirsch zu hochprozentigem Alkohol zu redestillieren und sie hinsichtlich ihres Aromas dadurch stark zu neutralisieren.

1000 Liter in gut drei Tagen
Gemäss seiner Rechnung stünden unter dem Strich nach drei Tagen im 24-Stunden-Betrieb gut 1000 Liter desinfektionsmitteltauglicher Alkohol, den er – frei von Affinitäten – jedem verkaufen würde, der Bedarf hat. Und das zu einem verhältnismässig tiefen Preis, wie Telser versichert: Die genauen Kosten wären zwar sicher auch davon abhängig, ob er die bereits entrichtete Alkoholsteuer zurückfordern könne. «Unter Berücksichtigung der gegenständlichen Notstandsituation» wären die Konditionen aber  fair ausgestaltet.

Zollverwaltung schiebt Riegel vor
Doch der Triesner, der seit Einstellung seiner Brenntätigkeit wieder vollberuflich als Jurist tätig ist, hat die Rechnung ohne die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) gemacht. «Ihre Brennkonzessionen wurden im vergangenen Jahr in Form einer Verfügung aufgrund der Aufgabe Ihrer Brenntätigkeit nicht mehr erneuert», heisst es in einer E-Mail von Stefan Theiler, Sektionschef Spirituosensteuer ad interim, die Telser gestern erreichte. Eine Reaktivierung der Brennkonzessionen werde nicht bewilligt. «Ihre Brennapparate bleiben somit plombiert und dürfen nicht verwendet werden.»

Für den 48-Jährigen ist dieser Entscheid angesichts der Knappheit von Desinfektionsmitteln und hochprozentigem Alkohol nicht nur skurril. Er sei auch rechtlich falsch und lasse Willkür vermuten. Trotzdem wird er sich dem Verdikt aus Delémont beugen. «Ich kann Anordnungen nicht übergehen. Ich bin kein Rechtsbrecher.»

Telser: «Das ist absurd»
Dem alternativen Vorschlag der EZV, seine Restbestände einer anderen Brennerei zur Redestillation zu übergeben und anschliessend einen Denaturalisierungsantrag einzureichen, kann Telser wenig abgewinnen. «Das ist absurd, weil ich es rechtlich gesehen ja nicht muss, nachdem ich nach wie vor eine Brennlizenz besitze, nur die spezifische Konzession zur Lohnbrennerei und als Gewerbebrennerei nicht mehr. Um die geht es hier aber nicht.» Auch den Verkauf seiner Restbestände an eine andere Partei, beispielsweise die Landesverwaltung, die bekanntlich Desinfektionsmittel benötigt, betrachtet er mit Skepsis. «Grundsätzlich macht das keinen Sinn, weil es das Produkt nur verteuert.» Bleibt wohl nur zu hoffen, dass die Behörde ihre befremdliche Haltung noch einmal überdenkt. (bo)


Landesverwaltung: 1200 Liter Schnaps gespendet
Die Mitarbeitenden der Landesverwaltung haben bis gestern, kurz vor 17 Uhr, bereits mehrere Hundert Liter Schnaps zur Herstellung von Desinfektionsmitteln gespendet. Genauer gesagt sind es 1200 Liter, wie Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini gegenüber Radio L wissen liess. Daraus könnten etwa 500 Liter Desinfektionsmittel hergestellt werden. «Das sollte uns eine Zeit lang reichen. Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben», sagte Pedrazzini. Nun wird die Destillerie Steinauer in Eschen den Schnaps destillieren und aus dem Alkohol Desinfektionsmittel für die Landesverwaltung herstellen. 

Pedrazzini hatte die Landesangestellten am Mittwoch  in einem Mail zu «Schnapsspenden» aufgerufen. «Leute, wir haben ein Alkoholproblem!» Er bat draum, billigen «Fusel», der auch in der schlimmsten Krise nicht getrunken werde, zu spenden.  Was im ersten Moment wie ein verfrühter Aprilscherz klang, erwies sich als ernst. Denn im Zuge der Corona-Krise kann aktuelle kein Desinfektionsmittel mehr beschafft werden. Das Vorhandene sei dem Gesundheitspersonal vorbehalten, liess Pedrazzini wissen. (dv)

20. Mär 2020 / 21:44
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4 KOMMENTARE
Unterländer
Einfach machen ohne zu Fragen! Bei Problemen habe ich das Gefühl, wird die Regierung schon einen Weg finden.Sie ( die Regierung) macht es zur Zeit richtig gut! Bleibt gesund!!
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 22.03.2020 Antworten Melden
Ratz Fatz Schluss mit Alkohol Bevormundung
Wenn Sich Liechtenstein im Casinos Geschäft Ratz Fatz von der Schweiz nach fast 100 Jahren in guten Zeiten lösen konnte, kann man sich erst recht im Alkohol Gesetz und das in Notzeiten von der Bevormundung lösen. Der Landtag sollte sofort entsprechende Notgesetze erlassen
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 22.03.2020 Antworten Melden
Einach ignorieren....
solche selbstherrlichen arroganten Bünzlisch......welche ihre Amtsmacht ausspielen wollen. So etwas ist einfach nur dumm!
Wir müssen jetzt das tun, welches uns in dieser Situation für Liechtenstein als richtig erscheint. Da brauchen wir mit Sicherheit keinen kleinen Schweizer Beamten, der sich jetzt wichtig machen will.
Wegen ein paar Franken Alkoholsteuer einfach nur arrogant-saudumm! Hier ergänzen sich diese zwei Wörter, besser könnte es nicht sein. Aber zwei solche Selbstherrlichen, "begasen" leider auch bei uns auf mind. einem Amt ihre Sessel.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 22.03.2020 Antworten Melden

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