• Seniorataxi
    Bitte einsteigen - das Liechtensteiner «Seniorataxi» erfreut sich bei der Zielgruppe grosser Beliebtheit.

Trotz Erfolg - Aus für «Seniorataxi» in Liechtenstein

Das «Seniorataxi» ist gefragt, die 1000. Fahrt steht bevor. Trotzdem ist Ende Jahr Schluss, wie auch ursprünglich geplant. Gründe dafür gibt es einige.

Vielen Liechtensteinern dürfte er in den vergangenen Monaten bereits begegnet sein, der weisse Minibus, gespickt mit den vielen blau-roten Quadraten. Seit Beginn dieses Jahres steht das «Seniorataxi» im Einsatz, bringt, wie es sein Name verrät, vornehmlich ältere Liechtensteiner Einwohner von A nach B – und das völlig kostenlos.

Hinter dem Projekt steckt die «300 Jahre Jubiläumsstiftung», gegründet von den Geschäftspartnern Neue Bank AG, IFM Independent Fund Management AG und David Vogt Holding. «Für Liechtensteins 300-Jahr-Jubiläum wollten wir für die Menschen im Land etwas Spezielles auf die Beine stellen. Etwas, bei dem wir uns auch aktiv einbringen», erläutert Stiftungsratspräsidentin Jacqueline Vogt von der David Vogt Holding. Nach Durchspielen diverser Ideen sei die Wahl schliesslich auf das Seniorataxi gefallen. «Dadurch können wir der älteren Generation etwas zurückgeben. Gerade sie hat schliesslich viel dazu beigetragen, dass es Liechtenstein heu­te so gut geht.» Ausserdem, ergänzt Vogt, könnten so die ­Angehörigen der Senioren ein wenig entlastet werden. «Auch das war uns ein Anliegen.»

Sechs ehrenamtliche Fahrer
Das von der Jacqueline Vogt erwähnte «aktive Einbringen» besteht darin, dass die Stiftung nicht nur für die einjährige Miete des Minibusses und alle anfallenden Kosten, etwa für Benzin und Unterhalt, aufkommt. Sie verantwortet auch das Funktionieren des Projekts in der Praxis. Sprich: Sie kümmerte sich um die Rekrutierung der heute sechs ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer, sie bearbeitet die eingehenden Anrufe der Senioren oder von deren Angehörigen und sie koordiniert sämtliche Einsätze.

Mitarbeiterinnen in doppelter Mission
Die organisatorischen Fäden laufen bei der David Vogt Holding zusammen. «Vier Mitarbeiterinnen betreuen bei uns tagweise das Telefon», erzählt Vogt. Ganz zu Beginn hielt sich deren zu leistendes Pensum noch in überschaubaren Grenzen. Nach zwei Wochen aber erfolgte die Trendwende. «Wenn eine Mitarbeiterin Telefondienst hat, steht sie mittlerweile sicher während der Hälfte der Zeit für das Seniorataxi im Einsatz.» Ein Anruf, so Vogt, nehme meist zwischen 10 und 15 Minuten in Anspruch. Hinzu komme, dass im Zuge eines Auftrags oftmals noch zusätzliche Abklärungen getroffen werden müssten. «Der Aufwand ist um einiges grösser, als wir uns das vorab vorgestellt haben.»

Die viele Arbeit ist selbstredend auch Ausdruck der enormen Resonanz, die das An­gebot findet. Ob Arztbesuch, Einkaufshilfe oder ein gemeinsamer Ausflug nach Malbun – Liechtensteins ältere Bevölkerung hat das Seniorataxi schnell als vielseitiges Dienstleistungsangebot für sich entdeckt und in ihren Alltag integriert. In Kürze wird die magische Marke von 1000 Fahrten fallen. «Unser Bus ist fast ständig unterwegs», berichtet Vogt. Und der Terminkalender meist auf mehrere Tage hinaus voll. Kurzfristige Fahrten sind allenfalls in Ausnahmefällen möglich. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kontaktiert das Seniorataxi am besten sieben bis zehn Tage im Voraus, sagt die Präsidentin des Stiftungsrats. «Dann lässt sich eigentlich immer eine Lösung finden.»

Dass die Senioren mit «ihrem» Taxi zufrieden sind, liegt ob der hohen Auslastung auf der Hand. Abgesehen von anfänglichen Irritationen darüber, dass der Service Rollstuhlfahrern aufgrund fehlender Ausrüstung und Betreuung nicht zur Verfügung gestellt werden kann, erhalten die Verantwortlichen vornehmlich positive Rückmeldungen. Doch auch aufseiten des Dienstleisters erfährt das Projekt grosse Wertschätzung – insbesondere dort, wo der Kundenkontakt unmittelbar erfolgt. «Unsere Fahrer erhalten zwar keinen Lohn, trotzdem sind sie mit viel Freude dabei», berichtet Vogt. «Sie sagen, sie bekommen dafür auf einer emotionalen Ebene sehr viel zurück. Wenn sie mit den Menschen sprechen, an ihrem Leben teilhaben dürfen.»

Das Ende hat mehrere Gründe
Ein Projekt mit vielen Gewinnern also. Da wird die Weiterführung über das Jubiläumsjahr hinaus wohl ausser Frage stehen, könnte man meinen. Doch dazu wird es nicht kommen, wie Jacqueline Vogt klarstellt: «Das Seniorataxi fährt – wie ­ursprünglich geplant – bis En­de Jahr weiter. Danach ist Schluss.» Gründe dafür gibt es einige. «Auch wenn wir uns ganz klar als Ergänzung sehen, möchten wir den Eindruck vermeiden, wir konkurrieren bestehende Angebote oder das Taxigewerbe», sagt Vogt. Aber auch die Kosten und der enorme Aufwand liessen die Initianten von einer Fortsetzung ab­sehen. «Eigentlich brauchst du für eine Einrichtung wie das Seniorataxi eine Zentrale mit festen Mitarbeitern, die sich um  Organisation und Koordination kümmern.» Das, so die Stiftungsratspräsidentin, hätten die bisherigen acht Monate deutlich vor Augen geführt.

Stiftung wird sich weiter engagieren
Was mit 2019 aber definitiv nicht enden wird, ist das Engagement der «300 Jahre Jubiläumsstiftung». Sie existiere weiter, werde künftig allerdings wieder verstärkt als im Hin­tergrund agierende finanzielle Unterstützerin fungieren, sagt Vogt. Das Hauptaugenmerk soll dabei auf Projekten liegen, die sich des Themas Wohnen im Alter annehmen. Ein entsprechendes Bauvorhaben der Gemeinde Balzers wird bereits gegenwärtig gefördert. Weitere Projekte sollen folgen, versichert Vogt: «Wir werden das Land Gemeinde für Gemeinde durchgehen und schauen, wo wir helfen können.» (bo)

Hinweis
Das kostenlose Seniorataxi steht Liechtensteiner Senioren jeweils von montags bis freitags zwischen 8.30 und 17.30 Uhr zur Verfügung. Reservierungen werden zu Bürozeiten unter der Nummer 079 340 42 44 entgegengenommen. Die Maximalkapazität das Minibusses beträgt sieben Personen (ohne Fahrer). 

21. Aug 2019 / 15:40
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