• "Gerüchte, Gerüchte" in Buchs
    "Gerüchte, Gerüchte" in Buchs  (Tatjana Schnalzger)

Theater Company mit einem Lachschlager

Der im letzten Jahr verstorbene Neil Simon war ein begnadeter Komödienschreiber. Das hat er unter anderem mit dem Stück «Gerüchte, Gerüchte» bewiesen. Die Theater Company zeigt dieses Stück im Krempel in Buchs als ihre zweite Eigenproduktion.

Auf den ersten Blick wirkte das Bühnenbild wie die himmelblaue Version von Barbies Wohnzimmer. Auffallend die fünf Türen und der offene Durchgang auf der rechten Seite. Es liess viele Auf- und Abgänge vermuten. Und so kam es denn auch in den nächsten zwei Stunden. Schliesslich sollte der zehnjährige Hochzeitstag des stellvertretenden New Yorker Bürgermeisters Charley Brock und seiner Gattin Myra gefeiert werden. Vier Ehepaare waren dazu eingeladen. 

Als erste waren Ken und Chris Gorman gekommen. Das Publikum sah zu Beginn aber nur Riccarda Gantenbein als Chris, die aufgeregt hin und her lief, immer wieder mal zu einer Box auf dem Tisch schielte, dann plötzlich innehielt, die Box öffnete, um sich eine Zigarette zu holen. Doch da stürmte Dario Cantieni als ihr Mann Ken aus einer der Türen, sein Hemd hatte Blutflecken, er wirkte nervös und fauchte sie an: «Nimm dich zusammen, nicht nach 18 Monaten.» Das Telefon klingelte. Und schon war das Publikum mitten im Geschehen, das sich nach und nach zum Chaos entwickelte. Denn die Gastgeber blieben den ganzen Abend unsichtbar. Charley Brock lag angeblich mit angeschossenem Ohrläppchen und valiumvernebelt hinter einer Tür, seine Frau und die Angestellten waren verschwunden. So war nichts für die Gäste vorbereitet, sie mussten sich um sich selbst kümmern. 


Hungrig und mit schrägem Hals
Mit dem zweiten Ehepaar, das hinzukam, wurde die Situation schon etwas wirrer. Denn Leonhard und Claire Ganz waren hungrig. Die extrem ranke, hochgewachsene Jaqueline Rutzer zeigte als Claire eine Lady in Gold mit einem Hang zur Hysterie. Ihren Gatten Leonhard stattete Kevin Oeler mit viel schräger Tatkraft aus, schliesslich hatte er sich den Hals verrenkt. Seinen grössten Auftritt durfte er erst am Ende des Stückes zeigen, als er, ähnlich einer grossen Solo-Arie in der Oper, seine ureigene Version der Ereignisse der Polizei kundtat und dabei hemmungslos fantasierte – sehr zur Gaudi des Publikums, das die Geschichte ja in anderen Versionen bereits kannte. 


«Rücken» und Chaos in der Küche 
Die Dritten im Bunde waren die Superköchin Cookie Cusack mit ihrem Gatten Ernie. Sabine Kluser gab dieser Cookie-Fernsehköchin viel Witz, aber auch Bissigkeit, und ein Rückenleiden, das sie schon mal auf allen vieren über die Bühne kriechen liess. Robin Egloff hatte sich als Psychiater Ernie eine balsamierende Sprechweise angewöhnt und sich zudem die Raute von Angela Merkel ausgeliehen. Während die beiden sich in der Küche nützlich machten, trafen der aufstrebende Politiker Glenn Cooper (Christoph Steuble) und seine dauer-eifersüchtige Gattin Cassie (Sandra-Janine Peretti) ein. 

Hörschaden und Lügengestrüpp
Mit ihrem Eintreffen wussten zwei Paare, was mit den Gastgebern geschehen war, zwei wussten es nicht. Schon alleine diese Situation sorgte für Irrungen und Wirrungen. Als dann auch noch Ken durch das Hantieren mit einer Pistole einen Hörschaden davontrug, waren die Lacher vorprogrammiert. Beispiel: Einer der Herren fragte: «Wie geht es dir?» Und Ken antwortete: «Ja, ja, das Bier ist nicht schlecht.» Die Situation führte immer mehr zum totalen Desaster, jeder erzählte andere Geschichten, um die Lage irgendwie durchzustehen. Als dann auch noch zwei Polizisten (sehr energisch: Robert Thomsen, eher im Hintergrund Steffan Arends) auftauchten, wurde das Lügengestrüpp noch dichter. Und als sich ganz zum Schluss die nahezu vergessene Gattin Myrtha meldete, war die Verwirrung komplett. Ein Käfig voller Narren war das Ganze, aber ein ungemein amüsanter, dem man gerne beim Lügen und Verheddern zuschaute. Simona Specker hatte das Werk inszeniert, dabei die klugen Dialoge markant in Szene gesetzt, aber auch die Turbulenz und die Gaudi nicht vergessen. Ein heiterer Abend, der das Publikum beschwingt entliess. (ags)

Fotostrecke: Theater Gerüchte, Gerüchte in Buchs
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04. Mär 2019 / 07:00
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