Schaaner Hexen bringen einen Rekord-Besen

Die Schaaner Hexen sind am diesjährigen Umzug in nie dagewesener Zahl und mit dem grössten freischwebenden Besen Europas vertreten.

Wenn sich der grosse Schaaner Umzug am Fasnachtssonntag durch die Strassen schlängelt, sind auch die Schaaner Hexen mit von der Partie. Logischerweise, möchte man anfügen. Seit einige Herren des lokalen Jodelclubs 1957 erstmals ins Hexengewand schlüpften, ihre kunstvoll geschnitzten Holzlarven überzogen und den Besen bestiegen, sind sie schliesslich der Inbegriff treuer Stammgäste. Anfänglich, berichtet Marco Walser, der zusammen mit Präsident Klaus Nigg den Vorstand des Jodelclubs bildet, hätten noch ausschliesslich männliche Vereinsmitglieder ihr «Unwesen» getrieben. Die jüngere Jodlergeneration begann dann jedoch damit, auch Freundinnen, Ehefrauen und Bekannte in den Hexenzirkel aufzunehmen. «Mittlerweile sind wir eine bunt gemischte Gruppe. Gut die Hälfte der Hexen sind Frauen. Und auch Kinder laufen mit. Die Jodelclubmitglieder sind klar in der Minderheit.»

Die Gruppe ist im Zuge dessen auch in ihrem Umfang immer weiter gewachsen. «Ich denke, dass das viel mit Mund-zu-Mund-Propaganda zu tun hat», meint Walser. «Den Leuten gefällt es bei uns, sie haben Spass. Und das erzählen sie auch weiter.» Aber auch die Niederschwelligkeit des «Hexendaseins» spielt in seinen Augen hier eine Rolle: «Alles ist ganz einfach gehalten. Es gibt keine Proben oder sonstige Treffen. Der Aufwand ist verhältnismässig gering.»

Diese Entwicklung setzt sich auch in diesem Jahr fort. Am Fasnachtnachtsumzug 2020 werden die Schaaner Hexen mit einer neuen Rekordteilnehmerzahl aufmarschieren: «Bislang haben sich 134 Personen angemeldet», erzählt Walser. Der jüngste Umzugsteilnehmer sei gerade einmal zarte zwei Jahre alt, die älteste Hexe zähle 72 Lenze. «Die Bandbreite ist enorm.»

Fast alle Kostüme sind vergeben
Dass die Herzen der Schaaner Jodler ob solcher Aussichten höherschlagen, versteht sich von selbst. Nur mit den Kostümen werde es allmählich knapp, merkt Walser mit einem Lachen an – und gibt sogleich Entwarnung: «Noch können wir jeden einkleiden.» Über die vielen Jahre hat sich im Vereinslokal einiges an Material angesammelt. Rund 140 Kleider und Larven, schätzt der «Hexenchef», werden dort mittlerweile akkurat sortiert eingelagert.

Die ältesten Larven gibt’s nur für «Könnerinnen»
Wobei längst nicht jede Larve auch für jede Hexe geeignet ist. Ein Umstand, der insbesondere für die ältesten Stücke, geschnitzt 1956 vom Balzner Gebhard Büchel, gilt. Aufgrund ihres Gewichts und einer eher groben Verarbeitung seien sie nicht sehr angenehm zu tragen, erzählt Walser. «Es kann schon mal passieren, dass du nach dem Umzug etwas blutest.» Deshalb seien sie auch den «geübten Hexen» vorbehalten. Deutlich besser lässt es sich da mit den neueren Modellen aushalten, die der Jodelclub seit vielen Jahren vom Tiroler Mario Gasser bezieht. Dessen Larven aus Arvenholz hätten viele Vorteile, sagt Walser. «Sie wiegen weniger, sind antiseptisch und daher leicht zu reinigen, und zudem riechen sie auch gut.»

Als Umzugsbesucher sollte man sich am Sonntag von letzterem vielleicht besser nicht selbst überzeugen wollen. Zumindest, wenn die Gefahr besteht, dabei an eine der Springerhexen zu geraten, die Jahr für Jahr die Nachhut der Schaaner Hexengruppe bilden. «Das», sagt Walser, «sind unsere ganz Wilden.» All jene, die sich schon einmal kurzerhand in den berühmt-berüchtigten Hexenkäfig verfrachtet sahen, dürften das ohne Zögern bestätigen.

Auch die anderen «Hexentypen» haben während des Umzugs stets ihren festen Platz. Ganz vorn demonstrieren die friedfertigen Familienhexen – darunter auch viele Kinder –, dass nicht alle Besenreite­rinnen über den Kamm des Bösen geschert werden dürfen. Hinter ihnen bahnen sich traditionell die ebenso harmlosen Wagenhexen mitsamt Hexenhäuschen den Weg durch die Menge. Über die ganze Gruppe hinweg verteilt verrichten zusätzlich 18 Sicherheitshexen ihren Dienst. «Sie achten beispielsweise darauf, dass es keine Unfälle gibt», erklärt Wal­ser. «Oder darauf, dass mit unseren Springerhexen im Übermut nicht die Gäule durchgehen.»

Ein Rekordbesen mit sechs Passagieren
Ein wenig Übermut freilich muss ihnen in diesem Jahr schon zugestanden werden. Immerhin warten die Schaaner Hexen am kommenden Sonntag mit einer veritablen Attraktion auf. Zwischen Wagen- und Springerhexen erwartet die Zuschauer «der grösste freischwebende Besen Europas», wie Walser stolz verkündet. Die Arbeiten daran beschäftigen ihn und seine Kollegen vom Jodelclub schon seit mehreren Wochen. Am Samstag soll der letzte Schliff an der 13,5 Meter langen Spezialanfertigung erfolgen, ehe tags darauf dann sechs glückliche Hexen darauf Platz nehmen dürfen, um – selbstverständlich bestens gesichert ­– durchs Dorf zu reiten. «Das», freut sich Walser, «wird unser grosses Highlight.» Eines, das definitiv auch aus der bald 65-jährigen Schaaner Hexentradition heraussticht. (bo)

20. Feb 2020 / 22:18
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