• Martin Matter, Vaduz
    Grund zur Freude: Laut erstinstanzlichem Urteil erhält der ehemalige Radio-L-Intendant 72500 Franken – das sind sechs Monatslöhne – vom Landessender.  (Tatjana Schnalzger)

Radio L: Gericht spricht Matter 72 500 Franken zu

Nun ist es raus: Das Gericht spricht dem ehemaligen Radio-L-Intendanten sechs Monatslöhne zu. Dieser klagte das Geld wegen seiner fristlosen Kündigung ein.

Eigentlich kennt man den Intendanten  als künstlerischer und geschäftlicher Leiter eines Theaters.   Bei Radio L wurde er unfreiwillig zum Theater: Im September vergangenen Jahres musste Martin Matter Knall auf Fall den Sessel räumen, der Verwaltungsrat kündigte dem damaligen Intendanten fristlos. Dies liess sich Matter nicht gefallen – und klagte vor Gericht sechs Monatslöhne in der Höhe von 72 500 Franken ein. Das gerichtliche Urteil: Radio L muss Matter seine Forderung auszahlen. Das Gericht gibt somit dem ehemaligen Intendanten Recht, der bemängelte, die fristlose Entlassung im September vergangenen Jahres sei ungerechtfertigt gewesen.  

Noch immer keine Entlassungsgründe genannt
Über die Gründe der fristlosen Entlassung hält sich Radio L nach wie vor bedeckt. Arbeitsrechtlich erfordert die fristlose Entlassung einen triftigen Grund. «Oder es ist die Summe von gleich mehreren Gründen, welche die sofortige Entlassung rechtfertigt», erklärt der Verteidiger des Landessenders, Manuel Walser. Eine Anhäufung von mehreren Fehltritten sei bei Martin Matter der Fall gewesen. «Diese Gesamtschau hat der Richter allerdings nicht berücksichtigt», sagt Manuel Walser. In seiner Urteilsfindung habe das Gericht Martin Matter wie «ein gewöhnlicher Mitarbeiter» behandelt. «Bei einem Geschäftsführer geht es jedoch um einen Kadermitarbeiter, bei dem auch die Treuepflichten stärker gewichtet werden müssen.» Und diese hätte Martin Matter klar verletzt, so Walser, der dahingehend aber nicht ins Detail gehen wollte. Nur so viel: «Die entscheidenden Gründe hat der Richter gar nicht ins Feld geführt.»

Ursprüngliche Forderung: Über 100 000 Franken
Wie Manuel Walser sagt, ist der Verwaltungsrat nach wie vor überzeugt, mit der fristlosen Entlassung den richtigen Weg gegangen zu sein – «zum Wohle des Unternehmens.» 
Nicht so wohl wird dem Landessender in seiner ohnehin nicht sehr guten finanziellen Situation  die fälligen Lohnzahlungen an Martin Matter tun. Obwohl es noch schlimmer hätte kommen können: Matter forderte als Entschädigung die Zahlung von weiteren drei Monatslöhnen. Damit hätte Radio L mit über insgesamt 100 000 Franken bluten müssen, die der Landessender durch den Rechtsstreit verloren hätte. Diese Forderung hat der Richter allerdings abgewiesen. Die finanziellen Einbussen tun aber ohnehin weh – wie Manuel Walser sagt, seien dafür aber bereits Rückstellungen gebildet worden, so dass der Sender dadurch aktuell nicht gefährdet sei. 

Keine Stellungnahme von Martin Matter 
Das Urteil wird nun noch genau analysiert, wie Walser sagt. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, ein weiteres Berufungsverfahren sei laut dem Verteidiger aber «denkbar». Zunächst wolle sich aber der gesamte Verwaltungsrat, dem auch Manuel Walser angehört, über die weiteren Schritte eingehend unterhalten und gemeinsam entscheiden. Bis nächste Woche weilt Verwaltungsratspräsidentin Hildegard Hasler noch im Ausland, danach bleibt Radio L noch bis Ende Januar Zeit, das Rechtsmittel anzumelden. 
Weil es sich noch um ein laufendes Verfahren handelt, möchte Martin Matter vorerst nichts zu diesem Gerichtsentscheid sagen. Das Urteil sei soweit «erfreulich» – mit seiner Stellungnahme wolle er aber warten, bis die Angelegenheit definitiv vom Tisch ist. 
Im Dezember hatten sich Martin Matter und der Anwalt des Staatssenders vor dem Zivilgericht zu einer Blitz-Verhandlung getroffen. Nach wenigen Minuten schloss der Richter die Verhandlung, die Ladung von weiteren Zeugen lehnte er ab. Er könne sich  aufgrund der vorliegenden Unterlagen auch ohne diese ein Bild machen, argumentierte er. (bfs)
 

09. Jan 2019 / 07:00
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