• Wolf (Canis lupus)
    Über das Geschlecht des in Liechtenstein nachgewiesenen Wolfs kann nur spekuliert werden.  (WOJCIECH PACEWICZ)

Offene Fragen rund um den Liechtensteiner Wolf

Dank einer Fotofalle im Saminatal konnte erstmals ein Wolf in Liechtenstein nachgewiesen werden. Spezifische Merkmale des Tiers, etwa dessen Geschlecht, gibt die Aufnahme aber nicht preis, wie das Amt für Umwelt betont. Eine DNA-Analyse ist noch ausstehend.

Darüber, dass der Wolf Liechtensteiner Gebiet betreten hat, herrscht dank einer vom 25. Dezember datierenden Fotoaufnahme seit einigen Tagen Gewissheit. Viel weiter reichen die gegenwärtigen Erkenntnisse über den tierischen Besucher indes nicht, wie Cathérine Frick vom Amt für Umwelt betont. Einem kursierenden Gerücht, nach welchem es sich beim fraglichen Tier um ein Weibchen (Fähe) handelt, erteilt die Umweltingenieurin entsprechend eine Absage: «Bezüglich Geschlecht des in Liechtenstein nachgewiesenen Wolfs kann derzeit nur spekuliert werden.» Mithilfe des Fotos aus dem Saminatal könne dieses jedenfalls nicht bestimmt werden. Die äusseren Unterschiede zwischen Rüden und Fähen seien minim und auf Aufnahmen von einer Fotofalle daher grundsätzlich kaum auszumachen.

Eignung der Gewebeprobe noch fraglich

Ob Männchen oder Weibchen wäre somit einzig über eine DNA-Analyse im Labor der Universität Lausanne gesichert zu eruieren. «Zudem lassen sich mithilfe der bereits in der Datenbank befindlichen Referenz-DNA durch Vergleiche Verwandtschaftsbeziehungen herausfinden, also zum Beispiel, aus welchem Rudel das Tier stammt», erklärt Frick. Doch dieser Weg ist noch weit, wie sie anmerkt. Gegenwärtig ist nicht einmal klar, ob die Gewebeproben, die dieser Tage einem wenige hundert Meter von der Fotofalle entfernt gefundenen Stück Rotwild entnommen werden sollen, überhaupt verwertbare Spuren enthalten.

Liechtenstein ist potenzielles «Wolfsland»

Auch die Frage, ob sich das Tier nach wie vor in Liechtensteiner Gebiet aufhält, kann aktuell nicht beantwortet werden. Das werde letztlich die Zeit zeigen, sagt Frick. «Es ist denkbar, dass der Wolf sich das Saminatal als derzeitigen Lebensraum ausgesucht hat. Da Wölfe aber innerhalb kurzer Zeit riesige Distanzen zurücklegen können, besteht die Chance, dass das Tier bereits weiter gewandert ist.»

Grundsätzlich sieht die Biologin in Liechtenstein und dessen Umgebung allemal potenzielles «Wolfsland»: «Aufgrund der vorhandenen Nahrungsgrundlage – Rothirsche, Rehe, Gämse, Kleinsäuger und Vögel – ist es wahrscheinlich, dass sich auch in Liechtenstein beziehungsweise im Liechtensteiner Grenzgebiet Wölfe niederlassen.» Allerdings würde sich deren Lebensraum definitiv über die Landesgrenzen hinaus erstrecken, wie sie erläutert: «In Mitteleuropa sind Reviere von Wolfsrudeln durchschnittlich 200 bis 250 Quadratkilometer gross – also grösser als die Landesfläche Liechtensteins.» Bei Revieren von Einzelwölfen werde immerhin von einer Grösse zwischen 100 und 200 Quadratkilometern ausgegangen.

Verordnung regelt Fälle von Nutztierschäden

Doch wie ist mit dem anzunehmenden erhöhten Wolfsaufkommen umzugehen? Das Wolfskonzept vom Amt für Umwelt soll hierbei Orientierung stiften. Nach der Vernehmlassungsphase sei man gegenwärtig dabei, die verschiedenen Rückmeldungen einzuarbeiten und das Konzept für die Beschlussfassung der Regierung vorzubereiten, sagt Olivier Nägele vom Amt für Umwelt.  Aber auch jetzt wähnt er das Land bereits gut aufgestellt, um auf auftretende Probleme reagieren zu können. «Die gesetzlichen Voraussetzungen sind geschaffen, die Leistungsvereinbarungen abgeschlossen.»

Als sensibel gilt gemäss Nägele vor allem der Bereich der Nutztierhaltung. Dort sei das Potenzial für Konflikte mit dem Wolf sicher am grössten. Die am 1. Oktober 2018 in Kraft getretene Verordnung über die Verhütung und Vergütung von Schäden durch spezifisch geschützte Tierarten (VVSV) enthält diesbezüglich eine Reihe an Bestimmungen. «Würde etwa ein totes Schaf aufgefunden , und der Wolf tatsächlich als Verursacher identifiziert werden, stünde dem Halter Ersatz für das zu Schaden gekommene Tier zu», erklärt der Amtsmitarbeiter. Voraussetzung: Der Landwirt hat zuvor «vertretbare Verhütungsmassnahmen» ergriffen. «Bezüglich des Schutzes von Nutztieren», so Nägele, «bestehen diese konkret in der ordnungsgemässen Errichtung eines Zauns» – sprich, durch die Absperrung fliesst eine Spannung von mindestens 3000 Volt. «In der Regel hält das den Wolf vom Eindringen auf eine Weide ab.»

In Ergänzung zum Schadenersatz erhält der betroffene Landwirt eine kostenlose Beratung durch Experten der Beratungsstelle des Kantons St. Gallen – sofern er dies wünscht. «Die Situation wird dann vor Ort analysiert, und bei Bedarf werden Sofortmassnahmen zur Verfügung gestellt.» Wären darüber hinaus weitere Massnahmen notwendig, etwa die Erhöhung oder nachträgliche Elektrifizierung eines Zauns, seien auch diese wieder unterstützungsberechtigt, sagt Nägele.

Kaum eine Gefahr für den Menschen

Anders als bei Nutztieren ist ein Zusammentreffen des Wolfs mit dem Menschen wenig risikobehaftet. «Von wildlebenden Wölfen», erklärt Frick, «geht grundsätzlich keine Gefahr aus, da diese scheu sind und den Menschen in der Regel meiden. Menschen gehören nicht zum Beutespektrum von Wölfen und sind deshalb nicht gefährdet.» Kommt es dennoch zu einem der insgesamt «sehr seltenen» Übergriffe, ist dies laut der Umweltingenieurin meist auf Tollwut, das Anfüttern durch den Menschen und die damit einhergehende Gewöhnung des Wolfs an den Menschen oder auf Situationen, in denen sich der Wolf in die Enge getrieben fühlte, zurückzuführen. Grundsätzlich, sagt Frick, ist dem Wolf genau so zu begegnen, wie jedem anderen Wildtieren: «Es gilt, sich respektvoll zu verhalten, Abstand zu wahren, Begleithunde an der Leine zu halten und sich bemerkbar zu machen, sodass sich das Tier selbstständig entfernen kann.» (bo)

 

10. Jan 2019 / 08:25
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
Fotofalle
Wichtig wäre auch noch, den Wanderern und Natuliebhabern zu erklähren, wer, und in welchen Falle, solch eine Fotofalle platzieren darf, und ob diese dann gekennzeichten werden muss. Ich habe auf jeden Fall keine Lust, dass ich bei einer Wanderung oder einem Spatziergang im Wald unwissentlich fotografiert oder gar gefilmt werde. Ist unsere Jägerschafft sich dessen bewust und kennt diese unsere Datenschutzbestimmungen oder die gesetzlichen Berstimmungen dazu und haltet sie sich auch daran?
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 10.01.2019 Antworten Melden

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