• Metalmäthy

Liechtensteiner ist Barbesitzer in Bangkok

Riskanter Neuanfang: Matthias Marxer eröffnete eine Bar in Thailands Hauptstadt.

Viele Menschen, vor allem mit den Attributen jung und männlich, scherzen, auszuwandern und in einer exotischen Stadt, beispielsweise auf Bora Bora, eine Bar zu eröffnen. Doch die allerwenigsten davon fuhren dies aus: Heimatverbundenheit, fehlende Risikobereitschaft und der Alltag mit seinen Verpflichtungen und sozialen Beziehungen fuhren die Träumer und Scherzenden auf den Boden der Tatsachen zuruck. Jene, die tatsächlich auswandern, um eine Bar zu eröffnen, sind einen Schritt weiter. Hier scheidet sich erwachsene Ernsthaftigkeit von adoleszenten Fantasien. Sie treffen eine bewusste Entscheidung.

Matthias Marxer wusste uber die Gefahren Bescheid, die bei seiner geplanten Unternehmung lauern wurden, doch bemächtigte ihn das Fernweh, seinem Leben einen neuen Inhalt zu geben. Er beschloss, seinen Lebensmittelpunkt in den Fernen Osten zu verlegen. Jedoch ging dieser Lebensentscheidung, wie so ublich, eine Geschichte voraus.

«Metalmäthy» gab den Weg vor

Unter seinen Freunden war Matthias Marxer stets unter dem Spitznamen «Metalmäthy» bekannt, der von seiner Leidenschaft fur Heavy Metal und stilverwandte Musikformen herruhrt. In den Jugendjahren verbrachte der ehemalige Hochbauzeichner seinen Urlaub meist bei Open Airs — und an den dortigen Bartresen. Auf den Alkohol gekommen, betrank sich der Trinkfeste nicht sinnlos, eher sammelte sich Matthias Marxer uber Jahre hinweg eine reichhaltige Kenntnis uber verschiedene Biere und Whiskeys an. «Obwohl es schon vorkommen konnte, dass ich mal einen uber den Durst trank», wie Marxer lachend zugibt. In der zweiten Hälfte seiner Zwanziger be gann er, den Urlaub in tropischen Gegenden zu verbringen wie beispielsweise in Costa Rica oder im ehemaligen Indochina. «Schon als Kind war ich fasziniert vom Fernen Osten. Doch vor Ort in eine neue Kultur einzutauchen, erweiterte meinen Horizont», so Matthias Marxer. Das Leben im Furstentum Liechtenstein missfiel ihm. Es war eintönig, und obwohl er musikalisch auf seine Vorbilder im kalten Skandinavien blickte, konnte er sich fur die herrschenden Wintertemperaturen in Mittel- und Nordeuropa nicht erwärmen. «Bangkok hatte es mir besonders angetan, deshalb hatte ich die Stadt öfters bereist. Im Zuge dieser Reisen entsprang in mir der Gedanke, hierhin zu ziehen», sagt Mar xer. Die königliche Residenzstadt bietet dem Besucher buddhistische Tempelanlagen, gunstige Kochkunst an Strassenständen, Tuk-Tuks und ein Nachtleben, welches sich einen beruhmten und beruchtigten Namen verdiente, unter anderem durch Unterhaltungsfilme wie «Hangover». Darauf an gesprochen, beginnt Matthias Marxer zu schwärmen: «Was hier naturlich sagenhaft ist, ist der Austausch mit Fremden. Hier trifft man Personen von jeglichen Nationen, das ist interessant und sehr bildend.» Er fuhrt weiter fort, dass aufgrund dieser kulturellen Vielfalt das Gastronomieangebot ebenso vielfältig sei, denn im Umkreis von 300 Metern habe er die Möglichkeit, neben thailändisch, indisch, japanisch und europäisch mit seinen Variationen zu speisen. Unter anderem lassen Marxer diese Grunde und die aufwandslose Reise zum Meer seine Entscheidung, in die pulsierende Stadt zu ziehen, nicht bereuen.

Bar von Metalmäthy

Die Ruhe vor dem Sturm.

Vielfältiges Angebot an Livemusik

Der Hauptgrund, der ihn aber aufleben lässt, ist die Musikbar «The Exile», die er mit viel Herzblut betreibt. Zu Beginn habe er das Konzept des Vorbesitzers fortgefuhrt, entschloss sich dann aber dazu, auch hier seinen eigenen Weg frei nach dem Motto «selbst ist der Mann» zu beschreiten. Nun bietet Matthias Marxer westliches Essen und Livemusik fur den Musikliebhaber an. Gespielt wird mehrheitlich Rock, verschiedenster Metal und Blues. Dies erlaubt ihm, die Interessen, die seinen Lebens weg prägten, zusammenzufuhren: Musik, exotische Orte und alkoholische Getränke, die er nun ausschenken darf. Bei vielen Bands, die auftreten, darf «Metalmäthy» auf der Buhne selbst mit dem Plektrum die Saiten bearbeiten. Übrig seien vom Konzept des Vorgängers laut Matthias Marxer wenige Speisen und die Weinpreise geblieben, «das Preis- und Leistungsverhältnis der Weinkarte ist fur die Verhältnissen hierzulande unschlagbar.» Seit dem thematischen Richtungswechsel der Bar «The Exile» konnte er vermehrt Gäste anziehen, von denen viele Einheimische sind. «Den Touristen sieht die Bar vermutlich zu organisiert aus. Sie wollen Klischees bestätigt sehen und ziehen es daher vor, auf Plastikstuhlen zu sitzen», sagt Matthias Marxer, «doch Tatsache ist, dass Thailands Wirtschaftskraft und Mittelklasse in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Ich habe aber auch ausländische Stammkunden, die vermehrt aus der Anglosphäre stammen und zwischenzeitlich in Bangkok beheimatet sind.» Dennoch sei es laut dem zufriedenen Barbesitzer gerade zu Beginn turbulent gewesen, weil es oftmals einen Angestelltenwechsel gegeben habe und es eine Herausforderungen gewesen sei, Köche zu finden, die europäische Malzeiten zubereiten konnten. «Mittlerweile kenne ich mich aber mit dem Menu so weit aus, dass ich eigenhändig neue Arbeiter instruieren kann», erklärt Matthias Marxer.

Sein Thailändisch sei noch nicht so weit fortgeschritten, dass es uber das Entgegennehmen von Speisebestellungen hinausginge. Er wolle aber sein Studium dieser Sprache weiter vertiefen. (dab)

03. Aug 2019 / 13:00
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