• Sprachprojekt, Vaduz
    Luden zur Medienkonferenz: Nuscha Wieczorek und Panagiotis Potolidis-Beck vom Amt für Auswärtige Angelegenheiten, Regierungsrätin Katrin Eggenberger, Göksu Koc, RET International, und Arno Brändle von «Liechtenstein Languages» (v. l.)  (Tatjana Schnalzger)

Liechtenstein lanciert Sprachprojekt

Flüchtlinge in der Türkei sollen Türkisch und Englisch sprechen lernen und damit eine Perspektive erhalten.

Wenn Arno Brändle von Ängsten und Sorgen von Flüchtlingen spricht, weiss er, wovon er redet. Nicht etwa, weil er schon vieles darüber gelesen hat – Arno Brändle hat sich vor Ort ein Bild von Menschen, die auf der Flucht sind, machen können. Als Projektleiter des Vereins «Liechtenstein Languages» hat er 2016 in Essen ein Zeltlager besucht und die Flüchtlinge in Deutsch unterrichtet. Schon damals war er überzeugt, dass das Sprachprojekt Zukunft haben wird. Und Arno Brändle behielt Recht: Drei Jahre später hat der Verein gemeinsam mit der liechtensteinischen Regierung und 
der Nichtregierungsorganisa­tion RET International die Medien eingeladen, um zu berichten, dass Liechtenstein ab 2020 ein Sprachprojekt in der Türkei lanciert und es über drei Jahre lang mit rund einer Million Franken finanziert. Lanciert und betreut hat das Projekt das Amt für Auswärtige Angelegenheiten. Das Ziel: Flüchtlinge sollen sich mit der «Liechtenstein Languages»-Sprachlernmethode in kurzer Zeit Grundkenntnisse der türkischen und englischen Sprache aneignen. Sprachtrainer werden so über 2000 Menschen unterstützen – inklusive ihren Familien profitieren letztendlich über 10 000 Flüchtlinge von diesem Projekt. 


«Wir sind stolz, ein so grosses Projekt aufgegleist zu haben», sagte Regierungsrätin Katrin Eggenberger vor den Medien. Fragt sich jemand, warum die Regierung dieses Sprachlernprojekt für Flüchtlinge in der Südosttürkei initiierte und was das Projekt mit Liechtenstein zu tun hat, hat die Regierungsrätin auch gleich eine Antwort, für die sie aber mit ein paar Worten mehr ausholen möchte: «Seit vielen Jahren müssen wir beobachten, dass immer mehr Menschen vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat fliehen.» Ende 2018 waren weltweit etwa 70,8 Millionen Menschen auf der Flucht – mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder unter 
18 Jahren. Und nichts deutet darauf hin, dass diese grosse Fluchtbewegung bald abnehmen werde – im Gegenteil. «In Liechtenstein sind die Menschen zum Glück keinen derartigen existenziellen Bedrohungen ausgesetzt», so Katrin Eggenberger. Dieses Privileg sei gleichzeitig eine Verantwortung gegenüber Menschen, die weniger Glück erfahren. Jährlich wende Liechtenstein mindestens 2,7 Millionen Franken für internationale Flüchtlings- und Migrationsprojekte auf. Seit 2012 flossen allein im Syrien-Kontext 5,1 Millionen Franken in Nothilfe- und Bildungsprogramme für Flüchtlinge. Weiters hat das Land seit 2014 insgesamt 23 syrische Flüchtlinge aus der Türkei und zehn Asylbewerber aus Griechenland übernommen. Überdies ist Katrin Eggenberger überzeugt: «Es braucht einiges mehr an internationaler Solidarität.» Die Spracherwerbstechnik von «Liechtenstein Languages» soll einen bedeutenden Beitrag dazu leisten. «Und damit sucht Liechtenstein mit der internationalen Gemeinschaft Antworten auf die internationale Flüchtlingskrise», so Eggenberger. 

Mit Hoffnung in die Zukunft blicken
Arno Brändle hat im Zeltlager in Essen mit den Flüchtlingen nicht nur die deutsche Sprache trainiert, er hat auch gleich mitten unter ihnen übernachtet – auf engstem Raum. Zwar ist dies für viele Menschen unvorstellbar. Arno Brändle weiss: Für die Flüchtlinge ist dies noch lange nicht das Schlimmste. «Viel frustrierender ist für sie die Tatsache, keine Perspektive auf Veränderung zu haben.» Das Sprachlernprojekt soll den Menschen ein Stück Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben. 
Für Arno Brändle ist ganz wichtig: «Wir lehren die Menschen die Sprache nicht, wir helfen ihnen lediglich, eine neue zu erwerben.» Der Spass dabei darf nicht zu kurz kommen – und kommt er auch nicht, wie in dem Kurzfilm zu sehen ist, den Arno Brändle von seinem Aufenthalt in Essen zeigt. Die Menschen lachen, unterhalten sich, freuen sich über die willkommene Abwechslung. Der Kurs gibt ihnen Hoffnung – und nur mit Hoffnung lässt sich in die Zukunft blicken. (bfs)

19. Dez 2019 / 22:19
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