•  (Daniel Ospelt)

Kultur ist zurück

Seit gestern dürfen Theater und Kinos in der Schweiz und Liechtenstein wieder Besucher empfangen. Trotzdem bleiben einige Institutionen geschlossen.

Für viele kam der Entscheid des Bundesrates wie der Liechtensteiner Regierung, Freizeitanlagen ab dem 6. Juni wieder zu öffnen, überraschend. Doch müssen die Institutionen ein Schutzkonzept vorweisen sowie die Abstands- und Hygieneregeln umsetzen. Entsprechend müssen nun Räumlichkeiten umgestaltet und Musterkonzepte von den Verbänden ausgearbeitet werden. Doch die meisten Organisatoren von Veranstaltungen haben sich bereits in die Sommerpause verabschiedet und nutzen nun die Zeit, um ein eigenes Schutzkonzept zu erstellen. Für andere lohnt es sich gar nicht zu öffnen, denn ihre Räumlichkeiten lassen wegen den Massnahmen kaum Besucher zu.

Veranstaltungen im Herbst
Einige Veranstalter wie das Werdenberger Kleintheater Fabriggli, der Schlösslekeller und das Alte Kino Mels mussten die Saison frühzeitig beenden und befinden sich jetzt in der Sommerpause. Sie öffnen erst im Herbst wieder. Im Schlösslekeller Vaduz beginnt Ende September/Anfang Oktober die neue Saison – im Alten Kino Mels im September. Ein entsprechendes Schutzkonzept wird derzeit erarbeitet.

Auch das Werdenberger Kleintheater startet erst Ende August wieder. «Mitte Juni wäre eigentlich noch die Sommerparty, doch da diese einen grossen Aufwand in der Planung mit sich bringt und Unsicherheit herrschte, haben wir beschlossen, diese abzusagen», berichtet Präsidentin Katharina Schertler Secli. Denn niemand wusste, wie lange der Lockdown andauern würde. Ein Schutzkonzept vom Verband für Theaterschaffende in der Schweiz (t.) liegt vor, doch muss dieses noch auf die Räumlichkeiten des Fabrigglis angepasst werden. Es gäbe auch solche für kleinere Häuser. «Wir möchten unbedingt wieder öffnen, müssen aber auch die Sicherheit gewährleisten können», so die Präsidentin.

Mit Hochdruck ging es im TAK zu und her, nachdem bekannt wurde, wann die Bühnen wieder bespielt werden dürfen. Schon bald sollen die ersten kleinen Vorstellungen laufen, Gespräche mit Künstlern aus Liechtenstein sind im Gange. Die Verantwortlichen zeigen sich optimistisch für den Juni.

Das Schutzkonzept geübt
Mit Kindern unter sechs Jahren und stets in kleinen Gruppen probt das Junge Theater Liechtenstein bis zu den Sommerferien. «Mit den anderen Gruppen fangen wir erst danach wieder an», erläutert Geschäftsführerin Beatrice Brunhart-Risch. Den Probebetrieb mit dem Schutzkonzept haben sie bereits eingeübt. Die Schutzmassnahmen sehen vor, dass die Proben vorerst nur mit Kindern stattfinden und ohne Menschen mit Vorerkrankungen. Die Hände werden vor und nach der Stunde gewaschen. Es wird keinen Körperkontakt geben, die Kinder sitzen weit auseinander (die Plätze sind markiert), nach jeder Stunde wird der Raum gut gelüftet und der Boden desinfiziert wie auch das Material – was schwer zu reinigen ist, wird eine Woche unter «Quarantäne» gestellt. «Mit den Erwachsenen beginnen wir wahrscheinlich Ende August. Aktuell sieht es so aus, dass jede Person ihren eigenen Plexiglas-Schirm erhält, der nach jeder Probe mitgenommen und gewaschen wird», meint Beatrice Brunhart-Risch. Aus den Aufführungen wird aber in absehbarer Zeit nichts: «In unserem kleinen Raum lohnt sich das einfach nicht, da dieser gemäss dem Konzept nur wenig Personen zulässt.»

Kein Ansturm erwartet
Das Kiwikino Werdenberg und Castels Sargans, das Skino in Schaan sowie das Alte Kino Vaduz luden bereits gestern zu den ersten Vorstellungen. Sie richten sich nach dem Schutzkonzept vom Schweizer Lichtspielverband. Das sieht vor, dass zwischen den Personen oder Gruppen ein Sitzplatz frei bleiben muss. Die Tickets sollen möglichst online gekauft werden, damit die Informationen für das Contact-Tracing im System sind. Für die Kinos in Werdenberg und Sargans ist das jedoch nicht möglich, da die notwendigen freien Plätze nicht in ihrem Onlineticketsystem programmiert werden können. Eine Umprogrammierung ist so kurzfristig kaum möglich. Darum gilt, telefonisch Tickets zu reservieren oder an der Abendkasse zu kaufen. Name und Telefonnummer der Besucher werden von den Kinos für das Contact-Tracing schriftlich  erfasst. Die Daten werden nach zwei Wochen vernichtet. Im Castels in Sargans liegt dafür eine Urne bereit, um die Diskretion zu gewährleisten. Die Wege der Besucher dürfen sich nicht kreuzen, weder beim Ein- und Auslass noch zwischen den Vorstellungen. Darum gibt es in Werdenberg und Sargans jeweils nur eine Vorstellung – ohne Pause. Einen grossen Ansturm erwarteten die Betreiber nicht. «Es ist zäh, ein gutes Filmprogramm anzubieten», erzählt Rohy Batliwala, Geschäftsführer Kiwikino Werdenberg. «Derzeit sind keine neuen Filme im Umlauf. Das ist ein weltweites Problem, denn in vielen Ländern bleiben die Kinos noch geschlossen. Die Produzenten wollen schliesslich die Kosten wieder einspielen. Das ist unter den derzeitigen Umständen nicht möglich.» Darum ist er eher skeptisch und ging dem Tag der Eröffnung mit gemischten Gefühlen entgegen. Auch frage er sich, ob die Bevölkerung bereits so weit und die Angst vor einer Ansteckung überwunden ist. Trotzdem möchte er ein Zeichen setzen und etwas bieten. Derzeit läuft in Werdenberg und Sargans nur ein Film zur Hauptvorstellungszeit. «Damit die Besucher einander nicht kreuzen», begründet Rohy Batliwala. Nach der Vorstellung wird alles desinfiziert. Die Erfassung der Daten der Besucher erfolgt an der Kasse oder vor dem Einlass in den Saal. «Viele Kinos in der Schweiz öffnen gar nicht, weil es sich für sie nicht lohnt. Uns ist durchaus bewusst, dass wir keine grossen Umsätze machen werden», meint er.

Auch Martin Wyss, Geschäftsführer Castels Sargans, blickte der Öffnung mit gemischten Gefühlen entgegen. «Bis zu den Sommerferien schauen wir, wie es läuft, und entscheiden dann, wie wir weitermachen», erläutert er. «Wir sind skeptisch, ob die Besucher überhaupt kommen, aber wir lassen uns gerne positiv überraschen.» In seinem Eingangsbereich gelten zwei Meter Abstand, wie auch beim Kiosk. Dort gibt es zusätzlich eine Einbahn. «Die Besucher müssen direkt ins Kino», sagt er. Wenn möglich lasse er im Saal auch eine Sitzreihe frei, auch wenn es nicht vorgeschrieben ist. (ms)

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06. Jun 2020 / 21:16
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