• Redaktorin Desirée Vogt – ein Selfie aus dem Büro zu Hause.  (dv)

Homeoffice-Blog: Freiwillig in Quarantäne

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten seit Montag im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne.

Den Auftakt macht Redaktorin Desirée Vogt:

«Nein – ich wurde nicht positiv auf das «Corona»-Virus getestet. Und ja, ich bin gesund. Kein Fieber. Kein Schnupfen. Kein Husten. Kein Kratzen im Hals. Gesundheit ist der grösste Reichtum, nicht wahr? Wie reich ich doch bin …

Arm bin ich momentan allerdings an Sozialkontakten. So wie Hunderte andere Menschen auch. Die ins Homeoffice «verbannt» wurden. Entweder, weil sie als Risikopatient gelten. Sich möglicherweise angesteckt haben könnten. Oder aber einfach, weil ihr Arbeitgeber der Empfehlung der Regierung gefolgt ist, die Mitarbeiter nach Hause schickt und damit sicherstellt, dass Sozialkontakte nun definitiv auf ein Minimum reduziert werden. Das ist gut. Richtig. Und vor allem wichtig. Sie haben verstanden, dass es nun darum geht, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, um das gleichzeitige Auftreten schwerer Fälle zu verhindern und so das Gesundheitswesen nicht unnötig zu belasten und zu überfordern.

Homeoffice kenne ich natürlich schon. Und habe es, sobald die technischen Möglichkeiten dies zugelassen haben, auch gerne genutzt, um stundenweise zu Hause zu arbeiten. Der Vorteil: Ich war komplett ungestört. Konnte effizienter arbeiten. Und konzentrierter. Zu Hause arbeiten dürfen hat also durchaus Vorteile – zu Hause arbeiten müssen erweist sich nun aber doch als schwieriger, als gedacht. Zugegeben: Die erste Redaktionssitzung über Video-Chat war witzig. Ok, vielleicht etwas chaotisch. Aber das wird sich in den nächsten Tagen geben, wenn auch jeder begriffen hat, dass ein Gähnen für jeden sichtbar und ein Schlürfen an der Kaffeetasse trotzdem für jeden hörbar ist.

Tägliches Homeoffice hat doch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Vom Bett zum Bürotisch ist es nicht weit – man kann quasi bis kurz vor Redaktionssitzung vor sich hin schlummern und sich im letzten Moment live dazuschalten. Die Frage der Kollegen, ob man schlecht geschlafen hat oder gar krank ist, darf in Zeiten wie diesen ungeniert mit einem kurzen «Nein, nur ungeschminkt» beantwortet werden. Wie herrlich es doch ist, sich in bequeme Klamotten zu schmeissen. Sich nicht «aufmotzen» zu müssen und mühsam Augenringe zu überschminken. Das wird auch von niemandem verlangt. Einzige Bitte des Chefs: «Jener auf der Kamera sichtbare Teil des Körpers sollte bekleidet sein. Was ihr unter dem Tisch tragt, ist mir egal.»

So hat dieses Homeoffice also durchaus seine schönen und witzigen Seiten. Und doch vermisse ich sie, meine Arbeitskollegen. Es ist halt doch was anderes, «live» mit ihnen zu lachen. Mit ihnen Faxen zu machen. Sie haben schon so viele meiner schlechten Tage am Ende gut werden lassen. Jetzt muss ich die Tage selbst gut werden lassen. Und auch lernen, meinen Alltag neu zu strukturieren. Das Schwierigste: konsequent Pausen einzuhalten und «abzuschalten».

Das habe ich gestern übrigens getan. Und zwar den ganzen Tag. Der beste Vater der Welt feierte seinen 70. Geburtstag. Die Feier verlief im sehr kleinen Rahmen. Ich feierte meinen Vater, aber auch, dass er begriffen hat, worum es derzeit geht und seine sozialen Kontakte seit Tagen drastisch reduziert hat. Auch wenn es ihm schwerfällt. Er verzichtet auf Glückwünsche. Auf eine grosse Party. Seine Enkel. Und auf vieles mehr.

Die Situation verlangt uns allen Einiges ab. Aber es lohnt sich, konsequent zu bleiben. Warum? Weil wir mit unseren Vätern noch viele weitere Geburtstage feiern wollen, oder? (dv)

18. Mär 2020 / 16:32
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