• VBO-Geschäftsführer Klaus Büchel
    Ein Landwirt bezeichnet den Führungsstil von Klaus Büchel als «diktatorisch».  (Nils Vollmar)

Klaus Büchel bleibt, erntet aber weiter Kritik

Etliche Mitglieder stellen sich hinter den VBO-Geschäftsführer Klaus Büchel.

Knapp 50 von insgesamt 91 Mitgliedern waren am Montag zur ausserordentlichen Mitgliederversammlung der Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO) gekommen. «Dem Vorstand war es ein grosses ­Anliegen, ein aktuelles Stimmungsbild einzuholen», wie jener gestern schriftlich mitteilte. Eine geheime Abstimmung sollte Aufschluss darüber geben, ob sich die Landwirte und Mitglieder von der VBO gut vertreten fühlen und ob sie dem Vorstand vertrauen. Die dritte und letzte Frage drehte sich um die Zufriedenheit mit der Arbeit des Geschäftsführers. Und noch viel wichtiger: Ob er seine Funktion weiter ausüben soll. 82 bis 88 Prozent der Anwesenden haben Klaus Büchel als Geschäftsführer und dem Vorstand klar den Rücken gestärkt. 


VBO-Geschäftsführer erntet scharfe Kritik
Von den insgesamt 102 landwirtschaftlichen Betrieben in Liechtenstein sind 91 Mitglieder der VBO. Heini Hoop, Poldi Schurti und auch Peter Hermann hatten Plakate auf ihren Höfen mit der Aufschrift «Ich bin kein VBO-Mitglied» angebracht und haben mit ihren Vorwürfen eine Diskussion losgetreten, die am Montag in der Abstimmung mündete. Trotz der Rückendeckung vieler Mitglieder reisst die Kritik einzelner Landwirte nicht ab. Bauer Christian Risch in Schaan ist zwar kein Mitglied der VBO, aber er prangert auf Anfrage eine Art «Monopolstellung» an. «Alles muss über Klaus Büchel laufen», sagt Risch. Selbst wenn er einen Praktikanten brauche, müsse das über seinen Tisch. Bei der Düngerbilanz teile Büchel den Kompost zu und auch bei der Bioberatung habe er als Bauer keine freie Wahlmöglichkeit. Risch spricht von einem diktatorischen Stil. Zudem habe Büchel auch die Fäden bei der Stiftung Agrarmarketing in der Hand, über die sich einige enttäuscht zeigten. Das Land habe einen Kredit von 800 000 Franken gesprochen. Das Geld sei fort, der Wirkungsgrad gering. Landwirt Martin Bürzle aus Balzers führt seine Bedenken ins Feld, dass die VBO jährlich 500 000 Franken an Aufwand in ihrem Geschäftsbericht des Jahres 2018 ausweist. «Ich betrachte den Aufwand und Ertrag skeptisch», sagt Bürzle. Die Mitgliederbeiträge der Landwirte liegen bei mindestens 125 000 Franken jährlich. 

«Bauern bezahlen eine Art Schutzgeld»
Einige Bauern vergleichen dies mit den Ausgaben des St.Galler Bauernverbandes, der im selben Jahr 2,3 Millionen Franken benötigte – als Dienstleister für 3321 Mitglieder. Ein anderer Landwirt, der nicht namentlich genannt werden will, spricht sogar von «Schutzgeld», das Bauern bezahlten. Solange Landwirte die Leistungen der Bioberatung von Büchel in Anspruch nehmen, hinge der Haussegen nicht schief. Viele trauten sich erst gar nicht, öffentlich Kritik zu üben.

«Kritik nur von einer Minderheit der Landwirte»
Der VBO hat bereits klar Stellung bezogen, dass sich die Kritik auf einzelne Landwirte beschränke. Alles begann mit acht Bauern, die vor zwei Wochen öffentlich Kritik an der VBO äusserten. Sie warfen Klaus Büchel einen Interessenkonflikt vor. Konkret geht es darum, dass der Geschäftsführer der VBO im Auftrag des Amtes für Umwelt und dessen Landwirtschaftsabteilung tätig ist. Sein Unternehmen, die Klaus Bü­chel Anstalt in Mauren, erhält Aufträge vom Amt und weitere öffentliche Aufträge. Gleichzeitig soll er auch die Interessen der Bauern bei der Regierung und den Ämtern im Namen der VBO und damit als Lobby der Bauern vertreten. Zudem fungiert er noch als Präsident der Stiftung Agrarmarketing, die das Direkt­marketing der Bauernhöfe in Liechtenstein ursprünglich verbessern sollte, und auch beim «Verein Bioland Liechtenstein», der wiederum Förderungen vom Land erhält, ist Büchel involviert. 
Trotz aller Kritik betonten einige der Bauern aber auch, dass sie es Klaus Büchel hoch anrechnen, dass er die VBO aufgebaut hat. So empfindet es offenbar auch die Mehrheit der VBO-Mitglieder, die sich hinter ihren Vorstand und ihren Geschäftsführer stellen. «Würde man die Stimmenthaltung des Vorstands und die im Vorfeld abgegebenen unterstützenden Statements der Entschuldigten berücksichtigen, so wäre die Zustimmung während der Abstimmung bei über 90 Prozent», schreibt der VBO-Vorstand in seiner Mitteilung weiter. (dal)
 

Wie viel Geld fliesst wohin?
Das Ministerium für Inneres, ­Bildung und Umwelt kann auf «Vaterland»-Anfrage keine detaillierten Angaben zu Geld­flüssen und einzelnen Aufträgen machen und stützt sich dabei auf das Informationsgesetz. Nur so viel: Die Regierung hat eine Leistungsvereinbarung mit der Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO). Die VBO wird für die Erbringung von Dienstleistungen pauschal mit 140 000 Franken jährlich entschädigt. Darüber hinaus kann die Regierung für spezifische Projekte weitere Mittel sprechen. Zweck der Stiftung Agrarmarketing ist die Absatzför­derung der Agrarprodukte aus Liechtenstein. Die Regierung hat zudem eine Leistungsvereinbarung mit der Stiftung, die deren Aufgaben umfasst. Dafür wird jährlich ein Betrag von 160000 ausbezahlt. Die Stiftung erhält in den Jahren 2018 und 2020 vonseiten der Regierung weitere 60 000 Franken zur Finanzierung des LILA-Zeltes an der LIHGA, um allen Interessierten die Bedeutung der Landwirtschaft näherzubringen. 

Die Bioberatung ist beim Amt für Umwelt angesiedelt. Wie viele Aufträge gingen dafür insgesamt an die KBA-Anstalt und in welcher Höhe? Und wie hoch ist das Budget überhaupt? Das zuständige Amt für Umwelt wollte sich nicht äussern. (dal)

12. Feb 2020 / 07:00
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