Kind angefahren – Richter ordnet eine Diversion an

Das Mädchen, welches auf einem Zebrastreifen angefahren wurde, hat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davongetragen – und hat noch heute mit Folgen zu kämpfen.
Vaduz. 

Bald ist es nun ein Jahr her, seitdem sich das Leben einer Schülerin komplett verändert hat. Eigentlich wollte sie zum Sporttraining – stattdessen endete der Tag auf der Intensivstation mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma. Es war Anfang Dezember vergangenen Jahres, als sie auf der Höhe der Pizzeria Toscana in Schaan aus dem aus stieg und auf dem Zebrastreifen mit zwei Kameraden die Strasse überquerte. Ein von Buchs kommend herannahender Autofahrer übersah die drei Kinder – zwei von ihnen konnten sich retten, die Schülerin wurde jedoch ungebremst vom Auto erfasst, sodass sie 20 Meter durch die Luft flog, bevor sie bewusstlos au dem Boden liegen blieb. Sie sei ihm einfach ins Auto reingelaufen, wies der Autofahrer bislang jegliche Schuld von sich. 

Den Sichtverhältnissen unangepasst gefahren
Bei der Schlussverhandlung von Montag wurde der Autofahrer nochmals auf eine allfällige Mitschuld aufmerksam gemacht, worauf er diese eingestand, um sie später dann aber wieder zu relativieren. Gemäss einem Sachverständiger hätte er die Kinder aus einer Entfernung von 40 Metern sehen müssen – trotz Dunkelheit und regnerischen Verhältnissen. Wie im Gutachten festgehalten ist, muss der Autofahrer mit mindestens 50 km/h herangebraust sein, was den Sichtverhältnissen unangepasst gewesen wäre. 
Weil der Beschuldigte am Montag nun eine Mitschuld einräumte, entschied sich der Richter für eine Diversion. Somit muss der Autofahrer dem Opfer 2000 Franken Teilschmerzensgeld und dem Land im Rahmen einer Strafe weitere 2000 Franken bezahlen, dann wäre das Verfahren eingestellt. Der Staatsanwalt sprach sich noch in der Verhandlung gegen die Diversion aus. Für ihn hatte der Beschuldigte kein klares Schuldgeständnis abgegeben. Ein solches wird für die Diversion allerdings vorausgesetzt. Schliesslich hat das Mädchen noch immer mit Folgeschäden zu kämpfen. Bislang ist ihr Geschmackssinn nicht wieder zurückgekehrt, die Funktion des rechten Auges ist beeinträchtigt und motorisch und kognitiv lässt der Unfall allenfalls auch Folgeschäden zurück. Die Schule konnte sie bislang nur zeitweise besuchen. Nun bleibt offen, ob der Staatsanwalt die angeordnete Diversion akzeptiert oder ob er den Fall weiterzieht und Beschwerde einreicht. Falls nicht und der Autofahrer die Geldstrafe und das Teilschmerzensgeld begleicht, ist das dunkle Kapitel zumindest gerichtlich erledigt. (bfs)

Gerichtsgebäude in Vaduz

Der Staatsanwalt sprach sich noch in der Verhandlung gegen die Diversion aus, da der Beschuldigte kein klares Schuldgeständnis abgegeben.

04. Nov 2019 / 18:56
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