• Islam in FL, Sevelen
    Akif Özmen und Hamid Özger sprechen über Probleme, auf die Muslime in Liechtenstein treffen. FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

Kein Friedhof für Muslime in Liechtenstein in Sicht

Die Frage der islamischen Bestattung in Liechtenstein scheint auch für die Zukunft nicht geklärt zu sein. Auch sonst kämpfen Muslime in Liechtenstein mit verschiedenen Hindernissen.

Obwohl Karl Mays Abenteuerromane, die im Orient spielen, immer noch eine spannende Lektüre sind, hat sich seit den Geschichten um Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar der Blick der – meisten – heutigen Mitteleuropäer auf die Muslime geändert. Kundenberater bei der Bank, Lehrer in der Schule sowie Bauearbeiter mohammedanischen Glaubens wirken für sie weder exotisch noch von einer gefährlichen Wildheit durchtrieben.

Ab circa 1960 kamen die ersten muslimischen Gastarbeiter nach Liechtenstein. Ein deutlicherer Anstieg machte sich seit Beginn der 1970er bemerkbar. Mittlerweile wohnen in Liechtenstein rund 2000 Muslime aus verschiedenen Ländern, statistisch gesehen mehrheitlich aus der Türkei und vom Balkan. Somit sind Moslems ein fester Bestandteil der Bevölkerung und verfügen mittlerweile auch zu einem nicht unerheblichen Teil über den Liechtensteiner Pass. Der Islam ist also im Fürstentum Liechtenstein angekommen. Die Möglichkeit zur Glaubensausübung ist den Anhängern jener abrahamitischen Religion dennoch dürftig gegeben. 

Muslime sind mit diversen Problemen konfrontiert  

Die Europäische Kommission gegen Intoleranz und Rassismus (ECRI) veröffentlichte ihren aktuellen Bericht über Liechtenstein am 15. Mai 2018. Darin kritisiert die Kommission unter anderem den Umstand, dass die Muslime in Liechtenstein ungleich den Anhängern anderer Religionsgemeinschaften weder über einen eigenen Friedhof verfügen noch deren Gemeinden finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten.  Die ECRI hält aber auch positive Entwicklungen bezüglich der staatlich geförderten Integration von Muslimen fest, wie der in 2008 eingeführte, freiwillige islamische Religionsunterricht an einigen Primarschulen. Dieser wird seit 2017 von der Regierung finanziert, während die muslimischen Gemeinden die Lehrkräfte stellen. 

Der Verein Islamische Gesellschaft des Fürstentums Liechtenstein berichtet über die Missstände, die im grossen wie im kleinen Rahmen dem Muslim in Liechtenstein im Alltag begegnen. Repräsentanten des Vereins, Akif Özmen und Hamit Örgen, stellen klar, dass ihre Erfahrungen und die jene ihrer Vereinsmitglieder nicht zu einer Pauschalisierung führen dürfen. Ihre Erlebnisse hätten nicht das selbe Gewicht wie empirische Studien. Doch laut Özmen und Örgen hört man beispielsweise regelmässig von Fällen, in denen Muslime oder generell Personen mit Migrationshintergrund aus verschiedenen Regionen bei der Wohnungssuche benachteiligt wurden. 
 
Das dringendste Problem für Moslems sei die fehlende Bestattungsmöglichkeit. «Auch für Menschen, bei denen die Spiritualität im Leben keine Rolle einnimmt, ist das Thema Leben nach dem Tod, der Abschied von Verstorbenen und die damit verbundene Beerdigung eine wichtige und sensible Angelegenheit», gibt Örgen zu bedenken. Während Migran-ten einen ausländischen Pass haben und sich im Heimatland bestatten können, besteht diese Möglichkeit nicht für Konvertiten oder Eingewanderte der zweiten oder dritten Generation, die nur einen Liechtensteiner Pass besitzen. Auch hätten letztere oftmals keinen Bezug zum Ursprungsland ihrer Eltern oder Grosseltern. Nach der Abstimmung der Vaduzer Bürgergenossenschaft gegen die Freigabe eines Grundstücks für einen islamischen Friedhof 2006 habe es zwischenzeitlich keine weitere Bestrebungen gegeben, den Muslimen eine Ruhestätte zu schaffen. Auf diese Abstimmung blickt Örgen mit Bedauern zurück: «Das Ergebnis hat mich sehr getroffen. Ich bin hier aufgewachsen und habe auch einen Liechtensteiner Pass. Die Leute sind möglicherweise vom Wort Islam eingeschüchtert, doch eine Bestattung nach islamischem Ritus verlangt keine aussergewöhnliche Handlungen.» So sei ein Teil des Ritus die Waschung des Leichnams oder die Ausrichtung nach Mekka. 

«Vorsicht und Distanz sind menschlich»

Sie haben aber Verständnis gegenüber den älteren Generationen, die Muslime möglicherweise mit Argwohn betrachten. «Viele Rentner beispielsweise haben ungleich ihrer Enkelkinder nicht mit Türken, Ex-Jugoslawen oder Albanern die Schulbank gedrückt. Weil sie keine Verbindung zu uns haben, nehmen sie uns daher eher als eine Minderheit wahr, die unentwegt Rechte fordert, obwohl wir ja die Gesellschaft bereichern», sagt Özmen. Ihre Väter, die die Moscheevereine gegründet haben, seien aber vom selben Schlag wie Liechtensteiner in der selben Altersklasse gewesen. Erst ihre Generation sei laut Özmen bereit, sich zu öffnen: «Das ist eben menschlich.» Der Kontakt mit den protestantischen oder auch mit jüdischen Gemeinschaften wird mittlerweile rege gepflegt. Die genannten Konfessionen bindet die Perspektive der Minderheiten. «Die Protestanten stiessen vor einigen Jahrzehnten, als sie ins Land zogen, auf solche Probleme wie wir jetzt», so Örgen.

Die Islamische Gesellschaft des Fürstentums Liechtenstein ist ein Nendler Verein, der ein bescheidenes Vereinsgebäude, das als Moschee dient, in Sevelen unterhält. Obwohl es ihr Wunsch sei, das Freitagsgebet in Liechtensteiner Räumlichkeiten auszuführen, und sie mit Liechtensteiner Gemeinden in Kontakt stehen, sei das Mieten von Objekten in den letzten Jahren aus diversen Gründen gescheitert. Özmen gibt zu bedenken, dass repräsentative Moscheen für ein Land wie Liechtenstein, in dem über 120 verschiedene Nationalitäten leben, und das als Finanzplatz von verschiedenen Geschäftsleuten aus allen Weltteilen besucht werde, eine wichtige Funktion ausüben würden. (dab)

11. Sep 2019 / 08:21
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1 KOMMENTAR
Islamische, rassentrennende Friedhöfe sind in aufgeklärten Gesellschaften unerwünscht
Mich als Christ würde ein muslimischer Bruder weder als Nachbar noch als Grabnachbar stören. Rassismus brauchen wir keinen auf Friedhöfen. Wer mit Mitmenschen im Leben leben kann kann auch in Ruhe neben ihm Frieden finden. Islamische, rassentrennende Friedhöfe sind in aufgeklärten Gesellschaften unerwünscht
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 11.09.2019 Antworten Melden

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