• Red deer doe
    Um einen Bestand zu reduzieren, müssen vor allem weibliche Stücke erlegt werden unter Schonung von säugenden oder tragenden Tieren.  (Cloudtail_the_Snow_Leopard)

Jäger wollen nicht länger Sündenböcke sein

Der Hick-Hack im Wald-Wild-Konflikt geht weiter. Die Liechtensteiner Jägerschaft hinterfragt die Bestandszahlen des Amts für Umwelt und ist nicht damit einverstanden, dass sie die Sündenböcke für die Entwicklung sein sollen.

Nach dem «Vaterland»-Interview mit Olivier Nägele, Leiter der Abteilung Wald und Landschaft beim Amt für Umwelt, meldet sich die Liechtensteiner Jägerschaft zu Wort. Sie freuen sich zwar, dass das Amt ihre Arbeit anerkennt, kritisieren aber trotzdem einige Punkte. Anbei die Stellungnahme der Liechtensteiner Jägerschaft im Wortlaut:

«Am 28. Mai 2019 wurde im doppelseitigen Zeitungsinterview mit Olivier Nägele (Leiter Wald und Landschaft beim Amt für Umwelt) erstmals anerkannt, dass die Jäger in der Vergangenheit die Abschusspläne meist erfüllt oder gar übererfüllt haben. Auch der oft gemachte Vorwurf, dass die Jagd vor allem den Trophäen gelte, wurde nun endlich von Seiten des Amtes verneint. Endlich wurde anerkannt, dass die Abschuss-Struktur (vor allem im Geschlechterverhältnis), die von den Jägern in den letzten Jahrzehnten getätigt wurden, ganz klar auf eine Bestandesreduktion ausgelegt war. Was unsere Jäger schon seit Jahren richtig machen – nämlich das Schalenwild zu reduzieren - wird nun endlich vom zuständigen Amt erkannt.

Falsche Bestandszahlen
Was beim Amt für Umwelt hoffentlich irgendwann auch noch gemacht werden wird: Die eigenen Zahlen über die Bestandesgrössen und Bestandesentwicklungen des Schalenwildes genauer anzuschauen. Herr Nägele sprach im Interview von einem viel zu grossen bejagten Sommerbestand. Laut den Zahlen des Amtes für Umwelt wird momentan von einem Winterbestand in Liechtenstein von ca. 150 Stücken Rotwild ausgegangen. Der Frühlingsbestand, welcher bei zwei Nachtzählungen ermittelt wird, beträgt ca. 250 Stücke Rotwild. Der Unterschied zwischen Winterbestand und Frühlingsbestand kommt vor allem durch die Zuwanderung aus Vorarlberg zustande, weil hierzulande (wegen der Meereshöhe und der Ausrichtung zur Sonne) der Vegetationsbeginn um wenige Wochen früher ist als dort. Die Energiereserven der Tiere sind nach dem Winter aufgebraucht und sie brauchen dringend frische Nahrung. Sobald in Vorarlberg die Vegetation auch weit genug fortgeschritten ist, verziehen sich diese «Wanderer» wieder dorthin, wo sie hergekommen sind. Wie Herr Nägele nun aus 150 Stücken Winterbestand oder 250 Stücken Frühlingsbestand einen bejagten Sommerbestand von mindestens 650-750 Stücken Rotwild errechnet, ist uns völlig schleierhaft. Bei einem üblichen Ansatz von 20% Dunkelziffer und 30% Zuwachs kann höchstens ein bejagbarer Bestand von ca. 240 Stücken Rotwild (auf Basis Winterbestand) bzw. 390 Stücken Rotwild (auf Basis Frühlingsbestand) hergeleitet werden. Herr Nägele konstruiert also 250-500 Stücke irgendwie und völlig willkürlich dazu.

Deutliche Reduktion seit den 60er-Jahren
Auch die Aussage, dass die höchsten Bestände zwischen 1980 und 2005 erreicht worden seien, ist nicht nachvollziehbar. Der Liechtensteiner Jägerschaft liegen die Zahlenreihen der letzten Jahrzehnte des Amtes für Umwelt vor. Laut diesen Zahlen gingen die Bestände seit Ende der 1960-er Jahre, mit gewissen Schwankungen, laufend zurück. Die Jäger konnten das Rotwild laufend von fast 600 Stücken Winterbestand Ende der 1960-er Jahre auf heute noch ungefähr 150 Stücke Winterbestand reduzieren. Mit dem Ende der Winterfütterungen sind sicherlich einige schwächere Stücke verendet. Ein tatsächlicher Einbruch kann in den Zahlenreihen des AU aber nicht festgestellt werden. Natürlich sind diese Zahlenreihen nicht immer mit der gleichen Erhebungsmethode erstellt worden und deshalb auch nicht immer zu 100% vergleichbar. Der Trend ist aber auf jeden Fall ablesbar und kann wegen der Deutlichkeit sicher nicht abgestritten werden. Ausserdem muss aus Mangel an Alternativen mit diesen Zahlen gearbeitet werden.

Wild und Jäger als Sündenböcke?
Dass eine Bestandesreduktion nicht immer in der gleichen Geschwindigkeit weitergeht, liegt vor allem daran, dass die Reduktionsgeschwindigkeit zurückgeht, je kleiner ein Bestand wird. Die Ursache in den Möglichkeiten der Jäger zu suchen ist aber falsch und mehr als unfair, da die Jäger bisher ihre Aufgabe sehr gut erfüllt und ihren Beitrag zur Verbesserung der Naturverjüngung stets geleistet haben. Nun werden einzelne Personen oder Personenkreise kurz vor dem Ziel ungeduldig und die Jäger, bzw. das Wild sollen dafür büssen. Wir raten diesen Personen dringend, sich mehr mit den Wirkungsweisen in der Natur zu befassen als lautstark auf den Busch zu klopfen. In der Natur kann man nicht einfach einen Knopf drücken und schon ist alles erledigt.

Die Jäger sind auf der Zielgeraden
Wie die Zahlen über die Bestandesentwicklung der letzten 50 Jahre beweisen, sind die Jäger auf dem verlangten Weg. Der Grossteil der geforderten Reduktion ist bereits gemacht. Von ehemals fast 600 Stücken Rotwild wurden die Bestände bereits um nahezu 80% reduziert. Auch den Rest werden unsere Jäger in den nächsten Jahren noch hinbekommen. Aber auch hier ist es wie fast überall: Die letzte Meile ist die strengste – _und sie braucht Ausdauer und Geduld. Ob wir das wollen oder nicht, ob wir es uns leisten können oder nicht, ob mit staatlichen Jägern oder nicht, ob mit jagd- und tiergerechten Methoden oder nicht, auch die Regulierung von Wildbeständen benötigt seine Zeit, genauso wie der Auf- und Umbau von Wäldern. In der Natur braucht eben alles seine Zeit. Das müsste vor allem auch dem Forst oder dem Amt für Umwelt bekannt sein. Wer in der Natur etwas erzwingen will, wird meistens eingeholt und zwar oft schneller als einem lieb ist - in der Regel mit grossen und schmerzlichen Verlusten.

Das Wild braucht ungestörte Äsungsflächen
Wenn man den Weltuntergangsszenarien gewisser Personenkreise Glauben schenken möchte, wie es scheinbar einige Landtagsabgeordnete bereits getan haben, steht uns diese Zeit aber nicht mehr zur Verfügung. Um die Naturverjüngung in unseren Schutzwäldern auch während der Reduktion trotzdem zu unterstützen, sollte dem Schalenwild ausserhalb dieser Wälder wieder qualitativ guter und vor allem störungsarmer Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. Das Schalenwild würde sich nämlich viel lieber ausserhalb des Waldes auf ungestörten Äsungsflächen aufhalten und somit ganz von selbst die Naturverjüngung entlasten. Der einzige, der es davon abhält, ist der Mensch.» (manu)

 

04. Jun 2019 / 06:00
Geteilt: x
4 KOMMENTARE
Es reicht, geht doch in Zoo mit dem Wild.
Die Tiere müssen weg und zwar sehr bald damit sich der Schutzwald endlich erneuern kann. Das sollte auch dem letzten einleuchten bevor der Wald erodiert und grosse Unglücke passieren. Es geht um den Schutz unserer Siedlungen.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 07.06.2019 Antworten Melden
Hirsche nur noch im Zoo?
Wenn man alle hiesigen Tiere erschossen hat, drücken andere aus den Nachbarländern nach.

Soll es also ein Dauermassaker auf Jahrzehnte geben? Eine permanente Ausrottung?

Und einen durchgehenden Metallgitterzaun an den Grenzen, auch im Gebirge natürlich, damit kein Reh mehr durchschlüpfen kann?

Andere Länder zäunen nacheinander verschiedene Waldflächen ein, pflanzen gegen Verbiss geschützte Setzlinge nach, erhöhen die Nahrungsgrundlage durch Biotopverbesserung, und füttern das Wild im Winter. Geht!

Waldschäden gibt es auch durch Trockenheit, Käferbefall, Windbruch. Das hat nichts mit Wild zu tun.

Wer ausschliesslich auf kostenlose Naturverjüngung als Zaubermittel setzt und immer nur den Wildbestand als Übel sehen will, leidet unter ideologischer Realitätsentfremdung.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 09.06.2019 Antworten Melden
Aktionsbündnis zum Schutz der Wildtiere und ihrer Lebensräume
Guten Tag,

auch unsere bayrischen Nachbarn kämpfen gegen die Verblendung einzelner "Ausrottungsfetischisten":

https://www.pnp.de/lokales/landkreis_rottal_inn/eggenfelden/3345892_Totes-Reh-sorgt-fuer-erhitzte-Gemueter.html

Dort intervenieren glücklicherweise Tierschutzverbände gegen den (angeblichen) Ökowahn, die Wildbestände ohne Rücksicht abzuknallen.

Wenn weder die in Liechtenstein bereits vorhandenen Tierschutzverfechter noch die Dienstaufsicht (?) ausreichen, diesen Wahnsinn zu stoppen, braucht es eben eine neue, sehr laute und engagierte Stimme für den Schutz von Wildtieren und deren Lebensraum.

Jedenfalls wird der einseitige, rücksichtlose Dezimierungswahn nicht mehr wortlos hingenommen!
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 05.06.2019 Antworten Melden

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
puzzle ravensburger
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
13.05.2019
Facebook
Top