• Fenced pasture in Austria
    Auf Alpweiden fehlen Alternativen für Stacheldrahtzäune. Im Winter werden sie abgelegt.  (gkuna)

Im Tal überflüssig, auf Alpweiden unumgänglich

Stacheldrähte können zu Todesfallen für Wildtiere werden. In St. Gallen will man diese ganz verbieten. In Liechtenstein sollen sie nur dort wo nötig eingesetzt werden.
Vaduz. 

In Sachen Stacheldrahtverbot ist Graubünden den meisten einen Schritt voraus. Thurgau und Appenzell Ausserrhoden kennen zumindest klare Leitlinien und der Kanton Glarus verbietet sogar Stacheldraht an Wegen und Strassen. In St. Gallen dagegen gibt es bislang  keine gesetzliche Regelung. Mit der am Montag vor einer Woche lancierten Initiative «gegen Zäune als Todesfallen für Wildtiere» soll sich dieser Umstand nun ändern. In gemeinsamer Sache wollen – wie der Name der Initiative verrät – der Jäger-Dachverband Revier Jagd St. Gallen sowie die regionalen Ableger der Naturschutzorganisationen Pro Natura und WWF Stacheldrähte und unnötige Zäune zum Schutz von Wildtieren verbieten. Immer wieder hatte die Begegnung mit  Stacheldraht in der jüngeren Vergangenheit für Wildtiere tödlich geendet. Damit soll nun Schluss sein. 
In Liechtenstein gibt es derweil weder eine in den Startlöchern stehende Initiative noch ein verabschiedetes Gesetz. Doch gerade ein solches würde die Liechtensteiner Jägerschaft mit ihrem Präsidenten Michael Fasel begrüssen. «Vor allem im Talgebiet gibt es bessere Alternativen als Stacheldrähte», sagt Fasel. Diese sind laut Daniel Kranz vom Amt für Umwelt mittlerweile aber sowieso selten geworden. Auf Alpweiden wiederum gehe es kaum ohne. 

«Dort ist in den meisten Fällen zu wenig Strom für Elektrozäune vorhanden, mit denen das Vieh alternativ eingezäunt werden könnte», erklärt Olav Beck vom Amt für Umwelt. Daher sei es kaum vermeidbar, Stacheldrähte einzusetzen. Zur Anwendung kommen oft drei Litzendrähte, wobei der mittlere mit Stacheln versehen ist. Ein Verbot der Stacheldrähte würde laut Kranz für unwegsame Gebiete wie das Alpengebiet einen erheblichen Mehraufwand, wenn nicht gar Folgeprobleme mit sich bringen: «Für die Tiere wäre es viel einfacher, auszubrechen. Die Absturzgefahr würde folglich ansteigen und das Vieh könnte Schäden im Wald und Schutzwald anrichten.» 
So kommen die Stacheldrahtzäune zwar zum Einsatz, sind aber nicht das ganze Jahr über auf den Alpweiden vorzufinden. Sie werden kurz vor der Alpauffahrt errichtet. Mit dem Ablegen wird im September oder Oktober begonnen, wenn das Vieh wieder den Weg ins Tal antritt. Das Aufstellen und das Ablegen wird hauptsächlich von Mitarbeitern des Landes übernommen. Stellen Bauern oder Alpwirte die Stacheldrahtzäune selbst auf, werden sie für die Arbeit entschädigt. 
Mit dem Schutz von Wildtieren hat das Ablegen der Stacheldrähte jedoch eher wenig zu tun. Viel eher geht es in erster Linie darum, die Zäune vor den Schneemassen zu schützen, die sie eindrücken könnten. Wie viele Wildtiere in Liechtenstein wegen Verletzungen durch Stacheldrähte verenden, weiss das Amt für Umwelt nicht. Fasel bestätigt aber, dass pro Jahr jeweils mehrere Fälle in unterschiedlichem Ausmass verzeichnet werden.  

Gemäss Tierschutzgesetz müssen Weidebegrenzungen so gebaut und eingerichtet sein, dass die Verletzungsgefahr für Tiere gering ist. «Allerdings», erklärt Kranz, «müssen Weideumzäunungen auch so gebaut sein, dass die Tiere nicht entweichen können.» Aus letzterem Grund sei die Verwendung von Stacheldraht zur Weideumzäunung nicht grundsätzlich verboten, wenngleich es zumindest in Tallagen bessere Systeme wie den Elektrozaun gebe. Dieser hat den Stacheldraht weitestgehend abgelöst. 
Für den Präsidenten der Liechtensteiner Jägerschaft ist zugleich klar, dass ein generelles Verbot von Zäunen nicht sinnvoll ist, da die Nutztiere in Landwirtschaftszonen eingezäunt werden müssen. «Jedoch muss dies sachgemäss gemacht werden», betont er. Denn im Talgebiet stellen vor allem Schafzäune ein grosses Problem dar. Grössere Wildtiere wie Hirsch, Reh oder Hase können sich in deren Maschen verfangen und sich ohne menschliche Hilfe nicht mehr daraus befreien. «Wird ihnen nicht geholfen, verhungern sie elendig oder werden bei lebendigem Leib von Füchsen gefressen», so Fasel. Aus diesem Grund sensibilisiere die Liechtensteiner Jägerschaft die Bauern regelmässig, die Schafzäune abzubauen, sobald die Tiere nicht mehr auf der Weide seien. «Zäune sind in verschiedener Hinsicht ein grosses Problem: Der ohnehin bereits durch Menschen eingeschränkte Lebensraum der Wildtiere wird durch sie massiv weiter eingeengt.» (jka)

12. Feb 2019 / 06:13
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