• Coiffeur
    Da die Friseure ab heute keine Kunden mehr empfangen dürfen, hatten viele Salons am Mittwoch noch alle Hände voll zu tun.  (Keystone)

«Ich arbeitete gestern noch bis Mitternacht»

Ab heute sind viele Geschäfte geschlossen. Um trotzdem für die Kunden dasein zu können, wurden viele Geschäfte kreativ. Eine Friseurin hat ihren letzten Kunden gar noch um 23.50 Uhr empfangen.


Die Regierung hat die Massnahmen aufgrund des Coronavirus weiter verschärft. Kleider-, Schuh- und Bücherläden, wie auch Coiffeursalons und Kosmetik- oder Tattoostudios bleiben ab heute geschlossen. Die Inhaber dieser Geschäfte blicken mit Sorge in die Zukunft – immerhin hängt ihre Existenz von den Einnahmen ab, die nun bis auf weiteres grösstenteils ausbleiben werden. Wie eine Umfrage bei einigen Liechtensteiner Geschäften aber zeigt, macht die Not auch erfinderisch. Mit Lieferdiensten, über die Sozialen Medien und mit verlängerten Öffnungszeiten wird versucht, den Betrieb so gut es geht aufrecht zu erhalten und die Kunden im Rahmen des möglichen weiter zu bedienen. 

Ansturm auf Friseure  und Schuhgeschäfte 
Ab heute um Mitternacht war vorerst Schluss für Klaudia Hartmann, die den Friseursalon «Coiffeur Klaudia» in Eschen betreibt. Wegen der verschärften Massnahmen darf sie bis auf weiteres keine Kunden mehr empfangen. Während der Salon nun leer bleibt, herrschte gestern noch ein letztes Mal Hochbetrieb. Die Nachfrage sei enorm gross gewesen, sagt Klaudia Hartmann. «Deshalb habe ich bis Mitternacht gearbeitet. Der letzte Kunde kam um 23:50 Uhr für einen Herrenschnitt.» Doch nun sind der Friseurin die Hände gebunden. Der Gedanke an die kommenden Wochen und Monate erfüllt sie mit etwas Panik. «Es geht um meine Existenz und ich weiss nicht, wie es weitergeht und was noch auf uns zukommt», sagt Klaudia Hartmann. Dennoch könne sie die Massnahmen nachvollziehen: «Es ist dieser Tage eine Herausforderung, gesund zu bleiben. Für mich ist es in Ordnung, dass alle Geschäfte schliessen müssen, um das Virus einzudämmen.» Allerdings würde es sie als leidenschaftliche Friseurin doch auch schmerzen, den Kunden kein Lächeln mehr ins Gesicht zaubern zu können. «Die Frisur ist ein Schmuck, den viele mit Stolz tragen. Der Gang zum Coiffeur ist eine Wohltat, etwas, was sich viele Menschen gerne gönnen», sagt Klaudia Hartmann.

Schuh Risch in Schaan

Das Team rund um Karolina Risch von "Schuh Risch"

Ebenso wie zahlreiche Liechtensteiner die vorerst letzte Gelegenheit für einen neuen Haarschnitt genutzt haben, nutzten viele die Möglichkeit, Schuhe einzukaufen. Deshalb war auch der Ansturm auf das traditionsreiche Familienunternehmen «Schuh Risch» in den vergangenen Tagen gross. Vor allem Kinderschuhe seien sehr gefragt gewesen, erklärt Inhaberin Karolina Risch. Dass nun bis auf weiteres Schluss ist, verunsichere das gesamte Team, sagt sie. Der Umsatz werde enorm einbrechen, die Fixkosten und Rechnungen unter anderem für das 600 Quadratmeter grosse Geschäft gilt es aber weiterhin zu zahlen. Trotz der schwierigen Lage steckt Karolina Risch den Kopf aber nicht in den Sand. Die Inhaberin hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen einige Gedanken gemacht, um auch nach der vorübergehenden Schliessung des Geschäfts für ihre Kunden dasein zu können. «Wir sind dabei, über verschiedenste Soziale Medien Vorbereitungen zu treffen, damit wir unseren Kunden Beratungen per Telefon, via Skype, über WhatsApp oder E-Mail anbieten können», sagt sie. Auf allen Kanälen soll es die Möglichkeit geben, um mit dem Team von Schuh Risch in Kontakt treten zu können. Auch hat sich Karolina Risch überlegt, das 30 Laufmeter umfassende Schaufenster noch besser als Werbemittel zu nutzen. «Wir möchten die Modelle regelmässig wechseln, damit unsere Kunden sehen, was wir im Angebot haben. In unserem Lager befinden sich einige tausend Paar Schuhe. Selbstverständlich können wir nicht alle zeigen, aber zumindest eine Auswahl davon präsentieren.» Gefällt einem Kunden ein Schuh, kann er sich das Modell in der passenden Grösse nachhause liefern lassen – «selbstverständlich zur Auswahl», betont Karolina Risch. 
Nebst den finanziellen Schwierigkeiten, die auf das Traditionsgeschäft zukommen werden, sind es vor allem die zwischenmenschlichen Kontakte, die Karolina Risch vermissen wird. «Es gibt viele Kunden, die einfach so im Laden vorbeischauen, um ein bisschen zu quatschen. So wird es nicht nur bei uns sein, sondern wahrscheinlich in vielen hiesigen Geschäften. Denn sie sind der Ort, an dem soziale Kontakte geknüpft und beibehalten werden. 

Weiter mit den  Kunden in Kontakt bleiben
Cornelia Wolf, Inhaberin des Hoi-Laden in Vaduz, hat ihr Geschäft schon am Dienstag geschlossen. Gemeinsam mit ihrem Team hätte sie sich in der Pflicht gesehen, die Boutique bis auf weiteres zu schliessen – Dies zum Schutz der Kunden sowie des Teams und weil der Hoi-Laden keine lebensnotwendigen Dinge anbieten würde. «In den Nachbarstaaten wurde der Entscheid bereits getroffen. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis es auch bei uns soweit kommt», erklärt Cornelia Wolf. Auch sei der Umsatz ohnehin schon in den vergangenen Wochen völlig eingebrochen, da niemand mehr Sachen gekauft hätte, die er nicht wirklich brauche. Dennoch macht dies die Situation nicht einfacher. Wie bei so vielen Liechtensteiner Geschäften geht es um eine Existenz, die allmählich in Gefahr ist. «Es ist ein grosses finanzielles Problem», bestätigt Cornelia Wolf und erklärt: «Die Fixkosten laufen weiter und Löhne müssen nach wie vor bezahlt werden.» 
Obwohl das Licht im Laden ausbleibt, wird es der Inhaberin in nächster Zeit nicht langweilig. Im Hintergrund gebe es immer Arbeit, die es zu erledigen gelte, sagt sie. Und damit weiterhin etwas Geld in die Kasse gespült wird, vor allem aber die Kunden nicht im Stich gelassen werden, hat auch sie sich etwas einfallen lassen: Bestellungen können über WhatsApp oder E-Mail an das Team von Cornelia Wolf gesendet werden. Die Stimmung ist so gut es eben nur geht positiv.  Wie Cornelia Wolf sagt, sei sie froh, in einem gutaufgestellten Staat wie Liechtenstein zu leben und auf die Regierung vertrauen zu können. 

Cornelia Wolf

Cornelia Wolf vom Hoi-Laden in Vaduz.

Auch Peter Thöny ist nach wie vor zuversichtlich. Obwohl ausser der Balu Bäckerei Konditorei in Vaduz alle weiteren Geschäfte wie die Papeterie Thöny, der Bücherwurm, das Spielwarengeschäft «Mikado» und das Kleidergeschäft «You Fashion» geschlossen bleiben, versucht er, den Betrieb möglichst aufrecht zu erhalten. «Die Auslieferung funktioniert und wir sind somit weiterhin für unsere Kunden da», sagt er und ergänzt: «Auch der Osterhase kann ausgeliefert werden». Erreichbar sind die Geschäfte ebenfalls per Telefon oder E-Mail. 
Trotzdem ist sich auch Peter Thöny bewusst, dass mit Einbussen gerechnet werden muss. «Die Zahlen werden wegen des fehlenden Tourismus und der fehlenden Frequenz an Kunden schlechter ausfallen. Wir haben uns aber auf die Situation eingestellt, werden unsere Mitarbeiter zur Kurzarbeit anmelden und schauen, dass der Betrieb weiterläuft», sagt er.  (jka)

Spielwarengeschäft Mikado

Peter Thöny (links) hatte gestern noch einmal die Möglichkeit, Spiele im "Mikado" zu verkaufen.

Zum Thema

SCHWEIZ, STAENDERAT, NATIONALRAT, PARLAMENTSWAHLEN, KANDIDATIN, CVP BERN, CVP, CHRISTLICHDEMOKRATISCHE VOLKSPARTEI, PARTI DEMOCRATE-CHRETIEN SUISSE, PDC, PDC BERNE, KOSMETIK, MEDIZINISCHE KOSMETIK,
Die liechtensteinische Regierung verschärft das Veranstaltungverbot und ordnet weitere Schliessungen von Geschäften an. Die Massnahmen gelten ab Donnerstag. mehr...

Zum Thema

Im Roxymarkt in Balzers sind zum Schutz der Mitarbeitenden an der Kasse Plexiglasscheiben angebracht worden. mehr...
19. Mär 2020 / 07:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Loco
Gutschein im Wert von 3 x 100 Franken und 3 x 50 Franken
22.06.2020
Facebook
Top