• Pillen
    In den ersten sechs Monaten des Jahres haben die Schweizer Behörden bereits 4000 illegale Sendungen mit Medikamenten abgefangen. Es waren aber nicht irgendwelche Tabletten, sondern Potenzpillen.  (okskaz/iStock)

Hunderte Potenzpillen abgefangen

Rund 400 000 illegal eingeführte Erektionsförderer hat der Zoll abgefangen. Für Liechtenstein waren 140 Pillen bestimmt.
Vaduz. 

In den ersten sechs Monaten des Jahres haben die Schweizer Behörden bereits 4000 illegale Sendungen mit Medikamenten abgefangen. Es waren aber nicht irgendwelche Tabletten, sondern Potenzpillen. Swissmedic geht pro Paket im Durchschnitt von 100 Tabletten aus. 400 000 Potenzpillen wurden demnach in ausländischen ­Onlineshops bestellt, wie das St. Galler Tagblatt berichtet. Die Dunkelziffer dürfte um ein Mehrfaches höher sein. Die Schweizer Zollverwaltung und Swissmedic haben Anfang des Jahres eine neue Praxis eingeführt, die deutlich mehr illegale Sendungen an der Grenze aufdeckt. In den letzten Jahren wurden lediglich rund 1000 Sendungen pro Jahr abgefangen. Diese Zahl hat sich nun bereits in den ersten sechs Monaten vervierfacht.

Während Schweizer Kon­sumenten also fleissig Potenzmittel in ausländischen Onlineshops bestellen, scheint die Nachfrage in Liechtenstein nicht so hoch zu sein. «Im Jahr 2018 hatten wir insgesamt neun Sendungen mit Erektionsförderern nach Liechtenstein, die beschlagnahmt wurden», bestätigt das Amt für Gesundheit in Liechtenstein. Jedes Mal, wenn der Schweizer Zoll etwas abfängt, dann meldet er dies an das Amt. Bis zu 164 Tabletten enthielten diese neun Päckchen. In diesem Jahr waren es bislang insgesamt vier Sen­dungen, alle mit illegalen Erektionsförderern, die beschlagnahmt wurden. Die Anzahl der Tabletten reichte hier von 110 bis 140 Stück, wie das Amt für Gesundheit auf Nachfrage mitteilte. Grössere Fälle, wie sie in der Schweiz vorkommen, stehen in Liechtenstein demnach nicht an der Tagesordnung. Denn in der Schweiz gibt es rekordverdächtige Bestellungen, wie Swissmedic berichtet. Sie ist die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte. Für Aufsehen sorgte zum Beispiel der Fall eines Mannes, der ein ganzes Kilogramm des Viagra-Wirkstoffs Sildenafil importierte.  Daraus wollte er eigenhändig Pillen herstellen. Geht man von ei­nem durchschnittlichen Monatsbedarf aus, hätte das Kilogramm Sildenafil fur knapp 28 Jahre gereicht, heisst es bei Swissmedic.

Russisches Roulette der Konsumenten

Das Gesetz beschränkt die Menge, die ein Konsument einführen darf. Eine Privatperson darf ihren Monatsbedarf nicht übersteigen. Was darüber hinausgeht, ist illegal. Die Höhe der Bussen wird im Rahmen des Verfahrens in Absprache mit Swissmedic festgelegt. Sie hängen von der Art und der Menge der Substanzen ab. Personen, die regelmässig Medikamente illegal importieren oder gewerbsmässig mit illegal importieren Medikamenten handeln, werden mit hö­heren Bussen belegt. Über die durchschnittliche Bussenhöhe kann die Eidgenössische Zollverwaltung aber noch keine Angaben machen, da die Strafkompetenz erst per Anfang Jahr von Swissmedic zum Zoll übergegangen ist. Doch Konsumenten drohen nicht nur hohe Geldbussen, sondern eine ernste Gefahr geht  auch von den Pillen aus dem Internet aus. «Wenn man Gluck hat, stammen die Potenzmittel von einer seriösen Firma. Wenn man Pech hat, wird die Ware in irgendeiner Garage hergestellt», erklärt Nicolas Fotinos, Abteilung Überwachung der Heilmittelbehörde Swissmedic gegenüber dem St. Galler Tagblatt. Fotinos erzählt von silbrigen Potenzpillen, die mit einem Autolack beschichtet wurden, wie eine Laboranalyse zeigte. Dieser Lack enthielt aber auch Schwermetalle wie Quecksilber und Blei – weit uber den ub­lichen Toleranzwerten. Im vergangenen Jahr hat Swissmedic in einer Laboranalyse 100 Präparate untersucht. Oft fehlt der Wirkstoff ganz. Mehrere Präparate waren massiv uberdosiert oder enthielten eine bedenkliche Kombination mit einem anderen Wirkstoff. Teils enthielten die Proben auch Schmerzmittel, Antibiotika oder Schwer­metalle. Die Einnahme dieser Produkte könne die Gesundheit erheblich gefährden, sagt Fotinos. «Letztlich spielen die Konsumenten russisches Roulette.» (dal)

15. Jul 2019 / 05:00
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